Duelacher, Martin

Martin Duelacher

Martin Duelacher

Abt des Zisterzienserstiftes Rein 1549–1559; designierter Bischof von Wiener Neustadt 1553

* um 1500
† 1. Jan. 1559

Martin Duelacher stammte aus einer angesehenen und einflussreichen, höchstwahrscheinlich auch wohlhabenden bürgerlichen Familie. Vermutlich war er ein Sohn oder Enkel des 1487 bis 1489 und 1497 bis 1502 als Stadtrichter in Cilli in der Untersteiermark [Celje, Slowenien], später als Zolleinnehmer genannten Martin Duelacher († 1510). In seinem Testament von 1558 erwähnt Duelacher seine engsten Verwandten: einen Bruder Daniel, eine verheiratete Schwester Anna und zwei minderjährige Schwestern, Agnes und Martha.

Um 1500 geboren, besuchte er die Schule in seiner Heimatstadt und studierte später im Ausland, denn er wurde 1525 in Buda von Petrus, Titularbischof von Mocissus, zum Priester geweiht. Zehn Jahre war er als Priester der Diözese Aquileia tätig und erhielt 1535 die (kaiserliche) Pfarrei Haselbach [Leskovac] bei Gurkfeld [Krško] in Krain und einige Jahre später die Pfarrerstelle und Pfründe an der Kathedrale St. Daniel in seiner Heimatstadt Celje. Die Pfründe Haselbach behielt er mit Dispens auch noch als Abt [1]. In den Jahren 1543/44 kam Martinus nach Rein, wo er in der Zeit des Kommendatarabtes Ludwig Ungnad, Sohn des steirischen Landeshauptmannes Hans Ungnad, die Verantwortung für die Wirtschaft trug.

Ernennung zum Abt und Bischof

Seine Ernennung zum Abt des Zisterzienserstiftes Rein durch Ferdinand I. am 28. Juli 1549 hatte Duerlacher wohl dem Vizedom von Cilli, Hans Ungnad, dem Vater des am 5. Mai 1549 auf Anordnung des Landesfürsten resignierten protestantischen Kommendatarabtes Ludwig Ungnad, zu verdanken, der mit der Abtei Rein eigene Pläne verfolgte. Um die Abtei antreten zu können, musste Duelacher in den Zisterzienserorden eintreten und die Profess ablegen. Wann und wo er dies tat, ist nicht überliefert. Wie damals in solchen Fällen üblich, war er wohl vom Noviziatsjahr dispensiert. Am 28. Juli 1549 trat Abt Ungnad von der Abtei zurück und am nächsten Tag wurde Martin Duelacher installiert.

Am selben Tag schloss Abt Duelacher mit Hans Ungnad einen (im Original verlorenen) geheimen Vertrag, in dem er verspricht einen anderen Sohn Ungnads, Karl, zu seinem Abtkoadjutor mit dem Recht der Nachfolge anzunehmen, während Hans Ungnad ihm ein Bistum verschaffen würde. Einem weiteren Sohn des Landeshauptmanns, Christof Ungnad, sollte er eine jährliche Pension zahlen. Auch sonst entzog Ungnad dem Stift mit Duelachers Hilfe erhebliche Gelder und Güter (Hirschegg).

Tatsächlich wurde Durlacher 1551 von Papst Paul IV. zum Titularbischof von Callipolis ernannt und am 6. Mai 1553, nachdem sich die Hoffnungen auf die Bistümer Brixen und Laibach zerschlagen hatten, vom König als Bischof von Wiener Neustadt präsentiert, kam jedoch nicht ins Amt (wurde wohl auch nicht geweiht[2]), da die geheime Abmachung mit Ungnad König Ferdinand verraten wurde, der sie daraufhin am 28. August 1553 kassierte, Duelacher aber auf sein dringendes Bitten hin im Abtamt beließ. Offiziell hieß es, dass er das Bischofsamt wegen seiner verschiedenen Krankheiten (propter varias suas aegritudines) nicht antreten konnte.

Abt in Rein

Martin Duelacher wurden während seines Abbatiats keine Blumen geschickt. Die wirtschaftliche Situation war alles andere als günstig, es gab praktisch kein religiöses Leben, da es kaum Mönche gab. Hatte die Abtei 1451 noch 48 Konventualen, waren es 1528 noch acht, 1545 nur noch sechs. Martin Duelacher und sein Nachfolger Bartholomäus de Grudenegg (1559–1577) suchten ständig nach Nachwuchs, was ihnen auch gelang. Kurz nach 1550 konnte Abt Martin schon zwei seiner Mönche in das Dreifaltigkeitskloster in Wiener Neustadt senden, weil drei das dortige Kloster verlassen hatten. 1555 zählte der Konvent 13 Mitglieder, ein Jahr später waren es bereits 24.[3] Auffallend in den zehn Jahren seiner Amtszeit ist die hohe Zahl von Postulationen der Konventualen als Äbte in andere Klöster (vier ins Neukloster 1551, 1552, 1557, 1559 und einer nach Topulska 1557).

Von den Ungnaden übernahm Abt Martin erhebliche Schulden, die er angeblich teilweise aus eigener Tasche beglich. Dazu wurde das Stift Rein, wie alle anderen Klöster auch, vom Staat unter finanziellen Druck gesetzt, der immer höhere Steuern als Beitrag zur Abwehr der Türkeneinfälle forderte. Auch der Landesfürst verlangte immer wieder ’Kredite’, zu deren Finanzierung Klostergüter und -einkommen verpfändet oder verkauft werden mussten.[4] Dazu lieh sich Abt Martin Geld von seinen Verwandten und Beamten. Da Rein im Unterschied zu anderen Abteien keine inkorporierten Pfarren hatte, appellierte Duelacher daher 1556 an Kaiser Ferdinand I., ihm vorübergehend die Einnahmen einiger kaiserlicher Pfarren in der Steiermark und Krain zu überlassen[5].

Große Verdienste als Abt erwarb sich Duelacher dadurch, dass er die Tochterklöster Reins – Viktring in Kärnten, Sittich in der Krain, Lilienfeld und Neukloster in Niederösterreich, St. Gotthard in Ungarn und Topulska in Slawonien – visitierte und zur Obödienz zurückbrachte, d.h. u.a. aus der Kommende befreite, in die sie z.T. gefallen waren, und reformierte. Das bis 1535 dem Abt von Rein zustehende Vistationsrecht war in der Zeit der Kommende an Heiligenkreuz übertragen worden und wurde jetzt von Abt Martin erfolgreich zurückgefordert. In Anerkennung dieser Leistung ernannte ihn König Ferdinand am 6. November 1555 zum königlichen Rat und Hofkaplan.

Neben seiner verdienstvollen Tätigkeit als Visitator ließ Abt Duelacher in Rein die von seinem Vorgänger Ungnad vernachlässigten Gebäude im Kloster, am Maierhof, in Straßengel und bei den Mühlen wiederherstellen. Er brachte die durchbrochenen Dämme der Fischteiche wieder in Ordnung, ließ Fische einsetzen und legte 1555 im oberen Stiftshof zwei neue kleine Fischteiche für den Eigenbedarf an. 1556 richtete er einen großen Tiergarten für die Söhne des Königs her. Er ließ die Stiftsbäckerei bei der Stiftsmühle komplett umbauen und die Wälder aufforsten.

Tod

Den Aufwuchs der von ihm angelegten Wälder erlebte Abt Duelacher nicht mehr. Er starb in der Neujahrsnacht 1559 an den Folgen der Wassersucht. Vom Papst war ihm, obwohl Ordensmann, gewährt worden, ein Testament machen zu dürfen, wovon er auch zu Gunsten seiner „nächsten" Angehörigen und Diener „einen merkwürdigen Gebrauch machte, der sein Andenken verdüstert“, wie Gasparitz schreibt. Die Schadensersatzprozesse gegen den ins ausländische Exil gegangenen Hans Ungnad blieben seinem Nachfolger Bartholomäus von Grudenegg überlassen.

gge, Nov. 2020

  1. Er hielt dort einen schlecht besoldeten Vikar, der schließlich 1556 mit Hilfe der Gurkfelder Bürger die Neubesetzung der Pfarre durchsetzen konnte.
  2. Die Hierarchia Catholica führt ihn als „non cons.“
  3. Ursache dafür mag weniger die Sehnsucht nach einem klösterlichen Leben gewesen sein als vielmehr die Aussicht auf ein einträgliches Amt, denn schon 1567 war nur mehr ein Priester im Stift anwesend.
  4. Weikersdorf in Wiener Neustadt, Habersdorf in Hartberg, Lichtenstern in Maria Trost, Edelsbach in Eggersdorf und Feisternitz in Ivnik (Eibiswald), später auch das Gut in Temenica, das aber wieder an Rein zurückkam.
  5. Celje, Laško, Konjice (Gonobitz), Krško (Gurkfeld), Trebnje, Kamnik (Stein in Krain), Moravče und Dob (Aich)

Daten:

Abbas: nom. 28. Juli 1549; Ep. tit.: nom. 5. Okt. 1551 .

Literatur:

Gasparitz, Ambros: Hans Ungnad und das Stift Rein, nach Originalquellen dargestellt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 36 (1888), S. 73–130 · Hierarchia Catholica, Band 3, Münster 1910, S. 147, 169 · Wild, Martin: Die Äbte von Rein. In: 850 Jahre Stift Rein. (Rein 1979), S. 55–56 · Mlinarič, Jože: Celjan Martin Duelacher, župnik v Leskovcu pri Krškem in v Celju ter opat cistercijanskega samostana Rein pri Gradcu (1549–1559). Zgodovinsko društvo Slovenije, 1996.

Normdaten:

GND: 1221417924 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Duelacher, Martin, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 27.11.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Duelacher,_Martin

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