Koweindl, Georg Nivard: Unterschied zwischen den Versionen

 
(4 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 15: Zeile 15:
 
Georg Nivard Koweindl aus Mautern an der Donau, Kapitular der Zisterzienserabtei [[Zwettl]] und Pfarrer in Zistersdorf, wurde am 29. Mai 1639 mit acht von elf Stimmen als Nachfolger des verstorbenen [[Günter, Martin|Martin Günter]] zum Abt gewählt.
 
Georg Nivard Koweindl aus Mautern an der Donau, Kapitular der Zisterzienserabtei [[Zwettl]] und Pfarrer in Zistersdorf, wurde am 29. Mai 1639 mit acht von elf Stimmen als Nachfolger des verstorbenen [[Günter, Martin|Martin Günter]] zum Abt gewählt.
  
Die Wahl hatte unter der Leitung des Abtes [[Schnabel, Michael|Michael Schnabel]] von [[Heiligenkreuz]] im Beisein des Abtes [[Wilhelmi, Petrus|Petrus Wilhelmi]] von [[Eußerthal]], des Propstes Titel von Zwettl, zweier kaiserlicher Kommissäre und eines Sekretärs stattgefunden. Dem Konvent als Abt empfohlen hatte das Wahlkomitee im Namen Kaiser Ferdinands III. den Freiherrn [[Schrattenbach, Bernhard|Bernhard von Schrattenbach]] aus der Abtei [[Salem]] am Bodensee, den sie mitgebracht hatten, der aber vom Konvent nicht akzeptiert wurde.
+
Die Wahl hatte unter der Leitung des Abtes [[Schnabel, Michael|Michael Schnabel]] von [[Heiligenkreuz]] im Beisein des Abtes [[Wilhelmi, Petrus|Petrus Wilhelmi]] von [[Eußerthal]], des Propstes Titel von Zwettl, zweier kaiserlicher Kommissäre und eines Sekretärs stattgefunden. Dem Konvent als Abt empfohlen hatte das Wahlkomitee im Namen Kaiser Ferdinands III. den Freiherrn [[Schrattenbach, Bernhard|Bernhard von Schrattenbach]] aus der Abtei [[Salem]] am Bodensee, den sie mitgebracht hatten, der aber vom Konvent nicht akzeptiert wurde. Vom Kaiser bestätigt, wurde Abt Koweindl am 14. Februar 1640 infuliert und von Abt Schnabel in die Abtei und von den kaiserlichen Kommissaren in die Kanzlei investiert.
  
Vom Kaiser bestätigt, wurde Abt Koweindl am 14. Februar 1640 infuliert und von Abt Schnabel in die Abtei und von den kaiserlichen Kommissaren in die Kanzlei investiert.
+
Koweindls Regierungszeit stand ganz unter dem Stern der Spätphase des Dreißigjährigen Krieges. Mehrfach, das erste mal schon im Jänner 1640 musste er vor den anrückenden schwedischen Truppen nach Wien flüchten müssen. Dorthin brachte er im folgenden Jahr auch den Kirchenschatz in Sicherheit. Der Ort Zwettl war von mehreren Regimentern besetzt, die von den Untertanen Geld und Unterhalt erpressten. Das Stift ließ Abt Koweindl von einer selbst aufgestellten Schutztruppe verteidigen. Prior, Kastner und Kämmerer mussten vor der Bedrohung in den naheliegenden Wäldern Unterschlupf suchen und flohen schließlich nach Kärnten und Wien. Zum sechsten Mal wurde das Kloster (diesmal von den Kaiserlichen) geplündert.
  
Koweindls Regierungszeit stand ganz unter dem Stern der Spätphase des Dreißigjährigen Krieges. Mehrfach, das erste mal schon im Jänner 1640 musste er vor den anrückenden schwedischen Truppen nach Wien flüchten müssen. Dorthin brachte er im folgenden Jahr auch den Kirchenschatz in Sicherheit. Der Ort Zwettl war von mehreren Regimentern besetzt, die von den Untertanen Geld und Unterhalt erpressten. Das Stift ließ Abt Koweindl von einer selbst aufgestellten Schutztruppe verteidigen. Prior, Kastner und Kämmerer mussten vor der Bedrohung in den naheliegenden Wäldern Unterschlupf suchen und flohen schließlich nach Kärnten und Wien. zum sechsten Mal wurde das Kloster (diesmal von den Kaiserlichen) geplündert.
+
Trotz aller Kriegsdrangsale leitete Abt Georg so gut es die Umstände zuließen sein Kloster. Von ihm ist bekannt, dass er nach dem Aussterben der weltlichen Beamten seine Geistlichen in die Stiftsämter einsetzte, dass er die von seinem Vorgänger begonnenen Bauarbeiten im Konvent zum Ende führte, die Zehnten zu Krems und das Gut Weinzierl, das schon lange verpfändet war, einlöste und den Hof wieder herstellte. Seine Bemühungen, St Bernhard und Neunzen wieder an das Stift zu bringen, waren ebenso vergeblich wie seine Bitte um ein Salzdeputat gegen Haltung eines jährlichen Gottesdienstes für die kaiserliche Familie. Aus den im Stift vorhandenen Urkunden entwarf er einen Stammbaum der Künringer, den er in Form eines Baumes, dessen Früchte Bildnisse der Familienglieder sind, malen ließ.  
 
 
Trotz aller Kriegsdrangsale leitete Abt Georg so gut es die umstände zuließen sein Kloster. Von ihm ist bekannt, dass er nach dem Aussterben der weltlichen Beamten seine Geistlichen in die Stiftsämter einsetzte, dass er die von seinem Vorgänger begonnenen Bauarbeiten im Konvent zum Ende führte, die Zehnten zu Krems und das Gut Weinzierl, das schon lange verpfändet war, einlöste und den Hof wieder herstellte. Seine Bemühungen, St Bernhard und Neunzen wieder an das Stift zu bringen, waren ebenso vergeblich wie seine Bitte um ein Salzdeputat gegen Haltung eines jährlichen Gottesdienstes für die kaiserliche Familie. Er war es übrigens der Aus den im Stift vorhandenen Urkunden entwarf er einen Stammbaum der Künringer, den er in Form eines Baumes, dessen Früchte Bildnisse der Familienglieder sind, malen ließ.  
 
  
 
Er starb am 17. Mai 1645 in Wien an der „Lungensucht“ und wurde in Heiligenkreuz begraben.
 
Er starb am 17. Mai 1645 in Wien an der „Lungensucht“ und wurde in Heiligenkreuz begraben.
  
Nach Koweindls Tod bestellte der Kaiser den Stiftshofmeister zu Wien, P. Ferdinand Metter, zum Stiftsverweser, der aber am 4. Oktober 1645 an einer pestartigen Krankheit in Wien starb. Sein ernannter Nachfolger P. Michael eilte wegen der Übernahme nach Wien wurde, wurde aber am 26. Oktober ebenfalls ein Opfer der Pest. Erst am 23. September 1646 wurde mit dem Kämmerer [[Link, Johann Bernhard|Malachias Link]] wieder ein Abt gewählt.
+
Nach Koweindls Tod bestellte der Kaiser den Stiftshofmeister zu Wien, P. Ferdinand Metter, zum Stiftsverweser, der aber am 4. Oktober 1645 an einer pestartigen Krankheit in Wien starb. Sein ernannter Nachfolger P. Michael eilte wegen der Übernahme nach Wien, wurde aber am 26. Oktober ebenfalls ein Opfer der Pest. Erst am 23. September 1646 wurde mit dem Kämmerer [[Link, Johann Bernhard|Malachias Link]] wieder ein Abt gewählt.
  
 
{{autor|gge, April 2020}}
 
{{autor|gge, April 2020}}

Aktuelle Version vom 7. April 2020, 13:23 Uhr

Georg Nivard Koweindl

Georg Nivard Koweindl

50. Abt des Zisterzienserstiftes Zwettl 1639–1645

† 17. Mai 1645 Wien

Georg Nivard Koweindl aus Mautern an der Donau, Kapitular der Zisterzienserabtei Zwettl und Pfarrer in Zistersdorf, wurde am 29. Mai 1639 mit acht von elf Stimmen als Nachfolger des verstorbenen Martin Günter zum Abt gewählt.

Die Wahl hatte unter der Leitung des Abtes Michael Schnabel von Heiligenkreuz im Beisein des Abtes Petrus Wilhelmi von Eußerthal, des Propstes Titel von Zwettl, zweier kaiserlicher Kommissäre und eines Sekretärs stattgefunden. Dem Konvent als Abt empfohlen hatte das Wahlkomitee im Namen Kaiser Ferdinands III. den Freiherrn Bernhard von Schrattenbach aus der Abtei Salem am Bodensee, den sie mitgebracht hatten, der aber vom Konvent nicht akzeptiert wurde. Vom Kaiser bestätigt, wurde Abt Koweindl am 14. Februar 1640 infuliert und von Abt Schnabel in die Abtei und von den kaiserlichen Kommissaren in die Kanzlei investiert.

Koweindls Regierungszeit stand ganz unter dem Stern der Spätphase des Dreißigjährigen Krieges. Mehrfach, das erste mal schon im Jänner 1640 musste er vor den anrückenden schwedischen Truppen nach Wien flüchten müssen. Dorthin brachte er im folgenden Jahr auch den Kirchenschatz in Sicherheit. Der Ort Zwettl war von mehreren Regimentern besetzt, die von den Untertanen Geld und Unterhalt erpressten. Das Stift ließ Abt Koweindl von einer selbst aufgestellten Schutztruppe verteidigen. Prior, Kastner und Kämmerer mussten vor der Bedrohung in den naheliegenden Wäldern Unterschlupf suchen und flohen schließlich nach Kärnten und Wien. Zum sechsten Mal wurde das Kloster (diesmal von den Kaiserlichen) geplündert.

Trotz aller Kriegsdrangsale leitete Abt Georg so gut es die Umstände zuließen sein Kloster. Von ihm ist bekannt, dass er nach dem Aussterben der weltlichen Beamten seine Geistlichen in die Stiftsämter einsetzte, dass er die von seinem Vorgänger begonnenen Bauarbeiten im Konvent zum Ende führte, die Zehnten zu Krems und das Gut Weinzierl, das schon lange verpfändet war, einlöste und den Hof wieder herstellte. Seine Bemühungen, St Bernhard und Neunzen wieder an das Stift zu bringen, waren ebenso vergeblich wie seine Bitte um ein Salzdeputat gegen Haltung eines jährlichen Gottesdienstes für die kaiserliche Familie. Aus den im Stift vorhandenen Urkunden entwarf er einen Stammbaum der Künringer, den er in Form eines Baumes, dessen Früchte Bildnisse der Familienglieder sind, malen ließ.

Er starb am 17. Mai 1645 in Wien an der „Lungensucht“ und wurde in Heiligenkreuz begraben.

Nach Koweindls Tod bestellte der Kaiser den Stiftshofmeister zu Wien, P. Ferdinand Metter, zum Stiftsverweser, der aber am 4. Oktober 1645 an einer pestartigen Krankheit in Wien starb. Sein ernannter Nachfolger P. Michael eilte wegen der Übernahme nach Wien, wurde aber am 26. Oktober ebenfalls ein Opfer der Pest. Erst am 23. September 1646 wurde mit dem Kämmerer Malachias Link wieder ein Abt gewählt.

gge, April 2020


Daten:

Abbas: el. 29. Mai 1639, ben. 14. Feb. 1640.

Literatur:

Frast, Johann: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich 16: Das Decanat Groß-Gerungs und das Stift Zwettl. Wien: Franz Wimmer, 1838, S. 138–141.

Zitierempfehlung: Koweindl, Georg Nivard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 7.04.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Koweindl,_Georg_Nivard

Vorlage:Page.name: KOWEINDL, Georg Nivard OCist – Biographia Cisterciensis