Scipio, Laurentius

Laurentius Scipio

Laurentius Scipio

eigentl. Laurentius Knittel

30. Abt von Osek 1650–1691

* 11. Nov. 1611 Oberlangenau, Schlesien [Długopole Górne]
† 17. Juli 1691 Ossegg

Laurentius Knittel, latinisiert Scipio, wurde am 11. November 1611 in Oberlangenau in der Grafschaft Glatz geboren. In die Zisterzienserabtei Ossegg eingetreten, legte er 1635 die Profess ab und wurde 1639 zum Priester geweiht. Danach war er Pfarrer in Wteln (Vtelno), Janegg (Jeníkov), Klostergrab (Chrob) und Niklasberg (Mikulov), außerdem Propst im Zisterzienserinnenkloster Mariasaal in Alt-Brünn.

Am 18. März 1650 wurde er in Königsaal zum ersten Abt nach der Restitution (1626) des Klosters Ossegg gewählt. Da nur drei Wähler anwesend waren, nämlich Wenzel Zriba, Laurentius Scipio und Petrus Marquard, wurden die Stimmen durch den zwei Tage zuvor gewählten Visitator Jakob Martini, den Abt von Plass, Jakob Perger († 1651), und den Abt von Hohenfurt, Georg Wendschuh ergänzt (Siegl, Cistercienserbuch, S. 314–315).

In vierzigjähriger Regierungszeit gelang es Knittel, das im Dreißigjährigen Krieg und durch den Brand 1646 zerstörte Kloster wieder aufzubauen und zu neuer, v.a. auch wirtschaftlicher Blüte zu führen. Er schuf damit die Grundlage für den von seinem Nachfolger Benedikt Littwerig (reg. 1691–1726) veranlassten barocken Ausbau des Klosters.

Gleich nach seiner Wahl machte er die Abtei- und Konventgebäude wieder bewohnbar und nahm im folgenden Jahr die nötigen Reparaturen an der im Krieg ausgebrannten Kirche vor. 1658 bis 1660 ließ er einen neuen Hochaltar und zwei neue Seitenaltäre an den Säulen des Chores. Er ließ die Werkstätten, Meierhöfe und Wirtschaftsgebäude ausbauen und westlich des Klosters einen großen Obst- und Gemüsegarten anlegen. 1666 wurde er zum Visitator und Generalvikar für Böhmen und die Lausitz gewählt und nahm 1667 am Generalkapitel in Cîteaux teil. Er war auch Visitator des Klosters der Magdalenerinnen in Brüx (Most).

1678 beim Kaiser in Ungnade gefallen, legte Scipio sein Generalvikariat nieder, verließ Böhmen und ging nach Neuzelle, mit dessen Abt Eugenius Haumann (reg. 1685–1695) er befreundet war. Dort lebte er auf dem gepachteten Landgut Ossendorf. Erst 1688 kehrte er schwer krank nach Ossegg zurück. Trotz seines hohen Alters raffte er sich von dieser Krankheit wieder auf; er starb am 17. Juli 1691, nachdem er dem Kloster 41 Jahre lang vorgestanden hatte.

Von Bedeutung sind seine kritischen Anmerkungen zur gesellschaftlichen Entwicklung seiner Zeit (Aliqua gusius notata de mala nostra œconomia, 1677).

gge, Okt. 2009, rev. Okt. 2012, April 2010


Daten:

Prof.: 1635; Sac.: 1639; Abbas: el. 18. März 1650.

Werke:

Des Abtes Laurentius Scipio von Ossegg Reise zum General-Capitel im Jahre 1667, in: Cistercienser Chronik 8 (1896), S. 289–296, 321–328. · Eine Vicariats-Streitigkeit, in: Cistercienser Chronik 9 (1897), S. 206–210, 235–238.

Literatur:

Schiel, Dominik: Ein Zisterzienserabt als Sozialpolitiker, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 58 (1920) 15–38 · Seibt, Ferdinand et.al.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, Bd. IV: Lieferung 1: Scip-Site – München : Oldenbourg, 2003 · Töpler, Winfried: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. Berlin, 2003, S. 335–336 · Siegl, Meinrad: Die Abtei Ossegg in Böhmen, in: Brunner, Sebastian: Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, S. 280ff., bes. S. 314–319 · Album Ossecense; oder, Verzeichnis der Mitglieder des Cistercienser-Stiftes Ossegg vom Jahre 1645-1896. Anlaesslich des siebenhundertjaehrigen Gruendungs-Jubliaeums zusammengestellt von einem Capitularen dieses Stiftes. Verlag des Cistercienser-Stiftes Ossegg, 1896, S. 26.

Zitierempfehlung: Scipio, Laurentius, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 25.04.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Scipio,_Laurentius

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