Allard, Marie

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Marie du Saint-Esprit Allard

Marie du Saint-Esprit Allard

Oberin des Trappistinnenkonvents Riedera 1802–1816 bzw. Lyon-Vaise 1817–1824

* 11. Feb. 1755 Lyon, Frankreich
01. Jan. 1827 Lyon, Frankreich

Marie du Saint-Esprit Allard, Taufname Dorothée, geboren am 11. Februar 1755 in Lyon als Tochter des Lyoner Bürgers Jacques Allard und seiner Frau Catherine Rubie, war Kapuzinerin in Paris gewesen, hatte aber während der Französischen Revolution ihr Kloster verlassen müssen. In die Schweiz emigriert, trat sie am 14. Juli 1797 als Postulantin in das von Augustin de Lestrange eröffnete erste Frauenkloster der Reform von La Trappe ein (La Sainte Volonté de Dieu in Sembrancher) und wurde dort am 10. August 1797 als Novizin eingekleidet.

Wegen des Einmarschs französischer Revolutionstruppen in die Schweiz hatte das Kloster Sembrancher, wie das der Männer in La Valsainte, nur bis Februar 1798 Bestand. In mehreren Gruppen machten sich die 42 Schwestern als Wanderkloster auf den Weg nach Russland, wo ihnen Zar Paul I. auf Vermittlung der Novizin Sr. Marie-Joseph de la Miséricorde (d.i. Louise-Adélaïde de Bourbon-Condé) Asyl gewährt hatte (sog. Odyssée monastique). Auf dem Weg dorthin schwer erkrankt, legte Sr. Marie du Saint-Esprit im Januar 1799 bei Lemberg (Lwow) in articulo mortis die Profess ab, erholte sich aber wieder. Erst nach der Rückkehr aus Russland wurde die Zeremonie am 20. August 1802 in Darfeld-Rosenthal (Westfalen) wiederholt.

Bald darauf zur Oberin der ersten in die Schweiz zurückkehrenden Gruppe (sechs Schwestern, davon fünf Postulantinnen) bestimmt, reiste sie Anfang Oktober 1802 trotz der in der Schweiz herrschenden bürgerkriegsähnlichen Zustände nach Villarvolard im Kanton Freiburg (Sembrancher war verkauft), wo sich die Gruppe in einem großen Landhaus einrichtete. Im Juni 1803 kam noch eine weitere aus Paderborn gekommene Gruppe dazu, außerdem gab es Neueintritte, so dass das Haus bald zu klein wurde. Abt Lestrange verlegte den Konvent deshalb 1804 nach Riedera, wo er in achtzehnmonatiger Bauzeit ein bestehendes Landgut mit kleiner Kapelle zum Kloster umbauen ließ (Notre-Dame-de-La-Sainte-Trinité). Am 18. November 1805 zogen die Schwestern dort ein und nahmen, wie auch schon in Vilarvollards, den Schulbetrieb wieder auf. Priorin war Marie Allard, Subpriorin Stanislas Michel.

Von der Schließung der Trappistenklöster durch Napoleon 1811 blieb La Riedera verschont, wurde aber im Zuge der allgemeinen Rückwanderungsbewegung der Trappisten nach Frankreich 1816 aufgegeben. M. Marie du Saint-Esprit führte einen Teil des Konvents im Oktober 1816 über Zwischenstationen in Frénouville (Normandie) und Caluire (Lyon) schließlich 1820 nach Lyon-Vaise.

Altersschwach und nahezu erblindet bat sie Abt Lestrange im Januar 1823 um Entpflichtung, wurde aber erst im folgenden Jahr durch M. Victime du Cœur-de-Jésus (Catherine Olivier) aus dem Kloster Les Gardes ersetzt. Sie starb am 1. Januar 1827 als drittletzte der 42 Schwestern, die 1798 von Sembrancher auszogen waren.

Der Konvent von Lyon-Vaise wurde 1834 nach Maubec verlegt. Ein Teil kam 1837 wieder zurück nach Lyon (Priorat von Maubec), wurde aber durch den Klostersturm 1901–1904 wieder vertrieben und emigrierte 1904 nach Rogersville in Kanada (Notre-Dame-de-L’Assomption).

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Daten:

20. Aug. 1802.

Literatur:

Kervingant, Marie: Monastic Odyssey. Kalamazoo, Mich.: Cistercian Publications, 1999, passim [Des moniales face à la Révolution française : aux origines des Cisterciennes-Trappistines. Paris : Beauchesne, 1989].

Zitierempfehlung: Allard, Marie, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 20.12.2015, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Allard,_Marie