Amatori, Alberico

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Alberico Amatori

Alberico Amatori

Bibliothekar der Abtei S. Croce in Rom; Generalprokurator 1845–1847; Abt von Valdiponte 1850–1860

* 17. Juli 1811 Monteroberto, bei Jesi [heutige Provinz Ancona, Marken]
† 15. Nov. 1875 San Lorenzo in Doliolo, bei San Severino (Marken)

Zum sozialen Umfeld der Familie des späteren Mönches und zum Beruf des Vaters fehlen Nachrichten, außer zum Namen der Eltern, Pietro Amatori und Maria Cardinali. Deren Sohn studierte unter seinem Taufnamen Benedetto Amatori (in Rom später geführt auch in der Schreibweise „Amadori“) am Seminar von Recanati (Marken) und wurde Präfekt am dortigen Collegio Nobile. Nach der Einkleidung als Zisterzienser in Rom, Santa Croce in Gerusalemme (1. Januar 1831), der Ordensprofess (22. Januar 1832) und Studien in Rom erhielt er die Priesterweihe in Santa Croce in Gerusalemme (20. April 1834) und wurde Ende 1834 Custos (Präfekt) der berühmten Abteibibliothek Sessoriana im gleichen Kloster.

In dieser Zeit begann seine Bekanntschaft mit dem Präfekten (Primus Custos) der Vatikanbibliothek, Angelo Mai († 1854), der sich durch seine Entdeckungen zahlreicher antiker und patristischer Handschriften einen Namen machte. Amatori arbeitete dem berühmten Präfekten zu und stellte diesem Nachrichten und Teilabschriften aus dem Handschriftenbestand der Biblioteca Sessoriana in S. Croce zur Verfügung.

Der für eine strenge Ordenszucht eintretende Amatori stieß sich an dem angeblich willkürlichen Regime des damaligen (1835–1845) Abtes und gleichzeitigen Abtpräses der italienischen Kongregation Nivardo Tassini und wurde durch das Kapitel im Mai 1840 aus Rom entfernt, indem man ihn in seine Heimat in den Marken versetzte. Dort findet man ihn von 1840 an als cellerarius in der Abtei Chiaravalle d’Ancona, genannt S. Maria di Castagnola, über die er 1843 eine kurze Geschichte schrieb (1994 veröffentlicht). Von 1845 an war er wieder in Rom, wo der 1845 gewählte neue Abtpräses Livio Fabretti das diesem selber zustehende Amt eines Generalprokurators für den lombardischen Zisterzienserzweig dem Bibliothekar Amatori überließ (Mai 1845 bis August 1847). Wohl durch Empfehlung und Vermittlung des inzwischen zum Kardinal ernannten Angelo Mai, seit 1843 Präfekt der Kongregation für den Index der verbotenen Bücher, ernannte Papst Pius IX. am 19. April 1848 Amatori zum Berater und Gutachter (Konsultor) der Indexkongregation.

Wegen der politischen Revolutionen in Europa, die 1848 auch in Rom zu schweren Auseinandersetzungen führten, dauerte die Amtszeit Amatoris als Indexkonsultor nicht länger als Ende 1849. Kardinal Mai gab im September 1848 wegen der internen Konflikte seine Demission als Präfekt, und nach der Ermordung des Premierministers Pellegrino Rossi in Rom (November 1848) wurde die Abtei S. Croce – gelegen unmittelbar an der Stadtmauer zwischen den Stadttoren Porta Maggiore und S. Giovanni in Laterano – in die Kämpfe um die Stadteingänge einbezogen als Fluchtburg und als Verbandsplatz. Die Kirche mit Gebäuden und die Bibliothek wurden von Soldaten und Zivilisten geplündert (April–Mai 1849).

Nach der Ausrufung der römischen Republik und der Flucht des Papstes aus Rom in das Königreich Neapel (November 1849) verließen viele auswärtige Ordensleute die Stadt. Von 1850 an ist Amatori in der Abtei S. Maria di Valdiponte bei Perugia (Umbrien) nachgewiesen, zunächst als cellerarius und Novizenmeister. Dort wurde er (letzter) Abt und erhielt am 30. Oktober 1850 die Abtweihe (Benediktion). Mit dem Vorrücken der piemontesischen Truppen im Kampf gegen das päpstliche Militär (italienische Einigungsbewegung) und dem Zusammenbruch der päpstlichen Verwaltung in den nördlichen Provinzen des Kirchenstaates wie Umbrien und Marken folgten nun die erzwungenen Klosterauflösungen ab 1860.

Amatori sah als letzter Abt das Ende seines historischen Klosters Valdiponte, dessen Stiftungsgüter vom piemontesischen König ausgebeutet und dessen Kunst- und Kulturschätze enteignet wurden. Von 1860 an hielt er sich in der Abtei San Lorenzo in Doliolo (Marken) auf. Wegen der auch gegen diese Abtei gerichteten Maßnahmen der italienischen Eroberer mit Säkularisierung der Klostergüter erhielt Amatori die Stelle eines Seelsorgers der Pfarrei San Lorenzo, ohne den offiziellen Titel als Pfarrer, und durfte als solcher im Gebäude der Abtei wohnen. Die Stadtverwaltung aus dem nahe gelegenen San Severino ernannte ihn zu ihrem Bibliothekar zwecks Betreuung der enteigneten und jetzt der Zivilgemeinde zugeschlagenen Klosterbibliotheken, darunter auch der Bestände aus der Abtei San Lorenzo. Er starb am 15. November 1875 an Tuberkulose.

Als Bibliothekar verfasste Amatori mehrere historische Abhandlungen und zahlreiche Findmittel (Kataloge, Inventare, Regesten, Auszüge usw.), einige davon druckfertig, ausführlich beschrieben von F. Trasselli (s.u.). – Zur Rolle in der Indexkongregation vgl. Archivio Congregazione per la Dottrina della Fede, Roma, Index Diari vol. 19 (1807–1865) Bl. 91; Archivio Segreto Vaticano, Segreteria di Stato Epistole moderne 1848, 14, Bl. 22; Epist. mod. Protocolli vol. 198, n. 5032 (Schwedt, s.u.).

Herman H. Schwedt


Daten:

Vest.: 1. Jan. 1831; Prof.:22. Jan. 1832; Sac.: 20. April 1834; Abbas: ben. 30. Okt. 1850.

Werke:

Aponii scriptoris vetustissimi in Canticum Canticorum explanationis libri duodecim, curantibus Hieronymo Bottino, Josepho Martini. Romæ 1843 [bearbeitet von A. Amatori „nella più parte“: Trasselli 2010 s.u., S. 414] · Le abazie e monasteri piceni: notizia breve di Alberico Amatori abate benedettino dell'Ordine cisterciense. Camerino 1870 (30 Seiten; anastat. Neudruck Rom 2006) · Cenni storici sopra l'antichissima Abbadia di Chiaravalle detta di Castagnola, raccolti attorno all'anno 1843 dell'abate Alberico Amatori. Chiaravalle 1994 (89 Seiten).

Literatur:

Forcella, Vincenzo: Iscrizioni delle chiese e d’altri edifici di Roma dal secolo XI fino ai giorni nostri. Roma 1876, vol. 8, S. 518 Nr. 1202 [Inschrift Amatoris von 1843, Text] · Luzi, Emido: Gli antichi monasteri benedettini in Ascoli Piceno: aggiunta al catalogo delle abazie e monasteri piceni di Alberico Amatori, in: Atti della Società Storico-Archeologica delle Marche in Fermo, vol. 2. Fermo 1877 (Sonderdruck, 32 S.) · Ricci, Ettore: Santa Maria di Valdiponte, in: Bollettino della Regia Deputazione di Storia Patria per l'Umbria 33, 1936, S. 249–324 · Schwedt, Herman H. (unter Mitarbeit von Tobias Lagatz): Prosopographie von römischer Inquisition und Indexkongregation 1814–1917. Hrsg. v. H. Wolf. Paderborn 2005, Bd. 1, S. 38–39 [„Amadori“] · Trasselli, Franca: Un ritrovato inventario della Biblioteca sessoriana: l'Index codicum... di Alberico Amatori, in: Rivista cistercense, 13 (1996), S. 42–65 · Trasselli, Franca: Un paziente ordinatore delle nostre memorie: il cistercense Alberico Amatori (1811–1875), in: Benedictina 57 (2010), S. 378–417.

Normdaten:

GND: 18881647X · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Amatori, Alberico, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 10.3.2014, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Amatori,_Alberico