Bühlmann, Hedwig

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Hedwig Bühlmann OCist

Hedwig Bühlmann OCist

18. Äbtissin von Eschenbach 1974–2000

* 22. Feb. 1925 Eschenbach
08. Aug. 2009 Eschenbach

Hedwig (Rosalia) Bühlmann, geboren am 22. Feb. 1925 im Klosterdorf Eschenbach als 16. von 18 Kindern des Kloster- und Staatsbannwarts Jakob Bühlmann und seiner Frau Maria Bühlmann-Anderhub, arbeitete nach der Primar- und Sekundarschulzeit in Eschenbach und dem frühen Tod der Mutter zunächst als Hilfskraft auf dem Bauernhof einer ihrer Schwestern in Hohenrain (Kanton Luzern), dann zwei Jahre in Altdorf (Kanton Uri) bei einer anderen Schwester, die dort ein Hotel-Restaurant führte, und absolvierte schließlich eine Lehre als Verkäuferin in Birsfelden (Kanton Baselland). 1946 trat sie, dem Beispiel zweier älterer Schwestern folgend, in das Zisterzienserinnenkloster Eschenbach ein.

Im Kloster fand Sr. Hedwig ihr Aufgabengebiet in der Paramentenwerkstatt, deren Leitung ihr 1952 übertragen wurde. Ihr Können erweiterte sie durch Kurse an der Kunstgewerbeschule Luzern bei Prof. Erna Schillig († 1993). Nach der Resignation von Äbtissin M. Brigitta Knüsel († 1976) von der damals noch fünfzig Schwestern zählenden Klostergemeinschaft zur Äbtissin gewählt und am Fest der hl. Klosterpatronin Katharina (25. Nov. 1974) vom Baseler Bischof Dr. Anton Hänggi benediziert, übernahm Sr. Hedwig Bühlmann die Leitung der Abtei.

Als Äbtissin förderte Hedwig Bühlmann, neben der Erneuerung und Vertiefung des klösterlichen und geistlichen Lebens im Sinne des 2. Vatikanischen Konzils, die Weiterbildung der Schwestern, insbesondere das Studium der Heiligen Schrift und der spirituellen Werke der Zisterzienserväter. Eine Frucht dieser wissenschaftlichen Tätigkeit waren die deutschen Übersetzungen geistlicher und mystischer Schriften der Lehrmeister des zisterziensischen Mönchtums, die das Kloster Eschenbach von 1983 bis 1998 unter dem Titel Texte der Zisterzienser-Väter redigiert und herausgegeben hat. Außerdem ließ sie die seit dem 18. Jahrhundert bestehende Paramentenweberei ausbauen und modernisieren. Dazu ließ sie drei Schwestern der Gemeinschaft an der Fachhochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern studieren.

Als Baumeisterin ließ Äbtissin Hedwig mehrere Gebäude und Räume des Klosters und der Pachthöfe sanieren und restaurieren, beginnend 1977 mit der Außenrenovation von Klosterkirche und Gästehaus. Wichtige häusliche Einrichtungen wie Küche (1995/1996), Waschhaus (1979) und Krankenabteilung (1996/1998) wurden modernisiert und zweckmäßig gestaltet. Von 1987 bis 1989 wurde die St. Katharinenkapelle in Inwil (Kanton Luzern) restauriert.

Auch im Zisterzienserorden, in den das Kloster Eschenbach am 6. April 1990 wieder voll inkorporiert wurde, besonders der Mehrerauer Kongregation, zu der das Kloster Eschenbach gehört, stand Äbtissin Hedwig in hohem Ansehen. Hier setzte sie sich besonders für die 2000 erreichte Einbindung der Frauenklöster in die Leitungsstrukturen ein. Finanzschwache Klöster und das Generalatshaus in Rom unterstützte sie mit finanziellen Zuwendungen.

1996 infolge der Komplikationen einer Operation dem Tode nah, genas sie wieder soweit, dass sie ihr Amt mit Unterstützung ihrer Priorin und Amtsnachfolgerin Lutgard Feierabend bis zum Erreichen der Altersgrenze im Februar 2000 weiterführen konnte. Sie starb am Morgen des 8. August 2009 im Kloster Eschenbach und wurde in der Äbtissinnengruft beigesetzt.


Genealogie:

V.: Jakob Bühlmann († 1944), Kloster- und Staatsbannwart; M.: Maria Bühlmann-Anderhub († 1939); G.: 17 Geschwister, u.a. Margrith (* 1917) als Sr. M. Stephanie im Kloster Eschenbach und Mathilde als Sr. M. Angela († 2000) im Kloster Frauenthal.

Daten:

Vest.: 3. Mai 1947; Prof.: 4. Mai 1948, 8. Mai 1951; Äbtissin: el. 4. Okt. 1974, ben. 25. Nov. 1974 (Bf. Dr. Anton Hänggi), res. 22. Feb. 2000; Dev.: Meine Liebe gehört euch allen in Christus Jesus (1 Kor 16,24).

Quelle:

Altermatt, Alberich: Äbtissin M. Hedwig Rosalia Bühlmann O.Cist. (1925–2009). In: ACi 59 (2009) 486–489 [Nachruf]

Zitierempfehlung: Bühlmann, Hedwig, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 24.5.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/B%C3%BChlmann,_Hedwig