Bürgisser, Gerhard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gerhard Bürgisser

Gerhard Bürgisser

30. Abt des Klosters Wettingen 1659–1670

* 19. Mai 1608 Bremgarten
† 12. Juni 1670 Wettingen

Gerhard Bürgisser, Taufname Jakob, wurde 1608 als Sohn des Bürgers Jakob Bürgisser und dessen Frau Magdalena Sager in Bremgarten im Aargau geboren. Am 20. August 1625 legte er zusammen mit seinem Vorgänger Bernhard Keller in der Zisterzienserabtei Wettingen die Profess ab, wurde am 25. Mai 1629 in Luzern zum Subdiakon und am 12. März 1633 zum Priester geweiht. Vom 31. Oktober 1635 bis 1641 war er Kleinkellner (Cellerarius minor), vom 10. Mai 1641 bis 1648 Großkellner, vom März 1649 bis 1653 Prior, vom 16. Mai 1658 an wieder Großkellner. Am Tag der Resignation seines Mitprofessen Bernhard Keller, dem 13. September 1659, wurde er unter dem Vorsitz des Abtes und Generalvikars Edmund Schnyder[1] von St. Urban dessen Nachfolger.[2]

Da der Konvent im Vorfeld der Wahl bezweifelte, dass es eine absolute Mehrheit für einen Kandidaten geben würde, hatte er zwar für eine Wahl durch Skrutinium (Befragung jedes einzelnen Wählers) seine Zustimmung gegeben, zugleich aber den Äbten Edmund Schnyder und Joachim Müller von Bebenhausen sowie dem Notar P. Magnus Herbst für den Fall, dass im 1. Skrutinium eine Wahl durch absolute Mehrheit nicht erfolgen sollte, die Befugnis erteilt, durch Kompromiss denjenigen zum Abt auszurufen, der die relative Mehrheit erlangt hatte, oder bei Stimmengleichheit denjenigen, den sie für den Würdigsten hielten. Und so kam es. Nach dem ersten ergebnislosen Wahlgang riefen die drei Vertrauensmänner den Großkellner Gerhard Bürgisser zum kanonisch erwählten Abt aus.

Schon am 18. September 1659 bestätigte Generalabt Claude Vaussin von Cîteaux die Wahl und beauftragte Abt Edmund Schnyder mit der Benediktion, die jedoch auf Hindernisse stieß. Da Abt Bernhard Keller das Kloster, das 1656 im ersten Villmerger Krieg zwischen Katholiken und Reformierten der Schweiz schweren Schaden erlitten hatte, in bedrängter finanzieller Lage hatte zurücklassen müssen, machten die Konventualen – bestärkt durch Generalabt Vaussin – den Versuch, die päpstliche Bestätigung der Wahl ohne Taxe zu erlangen. Jedoch hatten diese Bemühungen keine andere Folge, als dass die Ausfertigung der Bulle zwei Jahre und fünf Monate auf sich warten ließ. Erst nachdem sich St. Urban, Cîteaux und der Gardehauptmann Ludwig Pfyffer in Rom eingeschaltet hatten, wurde die Urkunde im November 1661 ausgestellt und traf Ende Januar 1662 in Wettingen ein. „Ex specialissima gratia“ war die Taxe auf 379 Scudi festgesetzt worden, also eher vermehrt als vermindert worden. Die Benediktion empfing Abt Gerhard schließlich am 12. Februar 1662 in Wettingen durch Abt Edmund Schnyder, dem die Äbte Bernhard v. Freyburg OSB von Rheinau und Aegidius v. Waldkirch OSB von Muri assistierten.

Um die schlechte Finanzlage in Ordnung zu bringen, ließ Gerhard Bürgisser 1661 ein Verzeichnis über die bei der Resignation seines Vorgängers vorhandenen Schulden und Guthaben erstellen. Diverse Schulden zahlte er zurück. Den Zisterzienserinnen in Gnadenthal erließ er eine Schuld von 4.600 fl. Schon 1660 hatte er mit dem Rat von Zürich einen Streit um die Jagdrechte im Gerichtsbezirk Dietikon auzutragen, die unter Berufung auf die urkunde von 1259 dem Kloster zugesprochen wurden. 1661 kam ein lange ersehnter Vertrag mit dem Bistum Konstanz über das Verhältnis der Wettingen inkorporierten Pfarreien (Wettingen, Würenlos, Dietikon, Dänikon, Magdenau und Baden) zum Bistum zustande. 1667 nahm Abt Gerhard am Generalkapitel teil. In den elf Jahren seiner Regierung nahm er 20 Novizen die Profess ab, darunter Wilhelm Reding von Biberegg, Verfasser zweier Chroniken zur Schweizer Geschichte. 1664 wurde der Wettinger Konventuale und spätere Abt Nikolaus Göldlin von Tiefenau zum Abt von Tennenbach ernannt.

Am 8. Juni 1670 erlitt Gerhard Bürgisser nach der Vesper in der Klosterkirche einen Schlaganfall, dem er am 12. Juni 1670, morgens 3 Uhr, in seiner Klosterzelle erlag. Er wurde vor dem Altar des hl. Bernhard von Clairvaux im südlichen Seitenschiff der Klosterkirche begraben. Bei seinem Tod zählte der Konvent 27 Priester, neun Kleriker und sechs Konversen, in Summe 42 Mitglieder. Zu seinem Nachfolger wurde Benedikt Staub gewählt.

gge, Juli 2018

  1. Schnyder handelte mit ausdrücklicber Vollmacht des Generalabts Claude Vaussin von Cîteaux und des Vaterabts Thomas Wunn von Salem.
  2. Skrutatoren waren Abt Joachim Müller von Bebenhausen und Dr. Bernhard Baldinger, Propst zu Baden, Notar P. Magnus Herbst aus Salem, Sekretär der Oberdeutscben Kongregation.

Daten:

Prof.: 20. August 1625; Sac.: 12. März 1633, Abbas: el. 13. Sep. 1659, ben. 12. Feb. 1662.

Literatur:

Willi, Dominikus: Album Wettingense: Verzeichnis Der Mitglieder Des Exemten Und Konsistorialen Cistercienser-Stiftes B. V. M. de Marisstella Zu Wettingen-Mehrerau 1227–1904. Limburg a. d. Lahn, Limburger Vereinsdruckerei, 1904, Nr. 595 · Ders.: Zur Geschichte des Klosters Wettingen-Mehrerau, in: Cistercienser Chronik 14 (1902), S. 149–150 · Hägler, André und Kottmann, Anton: Wettingen, in: Helvetia Sacra III/3, S. 474f.

Normdaten:

GND: 136459846 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Bürgisser, Gerhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 25.7.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/B%C3%BCrgisser,_Gerhard