Baier, Bonaventura

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bonaventura Baier

Bonaventura Baier

Prior 1882–1886 und 1. Abt von Mariastern 1886–1893

* 12. Dez. 1818 Amorbach, Unterfranken
† 12. Dez. 1893 Fiume [Rijeka], Kroatien

Bonaventura Baier, Taufname Joseph Ignaz, geboren 1818 in Amorbach in Unterfranken, war Professe (1851) der französischen Abtei Port-du-Salut und kam 1874 als Novizenmeister nach Mariastern (Marija Zwijezda). Als der bisherige Obere Franz Pfanner 1879 nach Natal ging überließ er die Leitung von Mariastern kommissarisch dem Subprior Baier. Erst als Pfanner sich 1883 entschloss, dauerhaft in Südafrika zu bleiben, wurde Baier zum Titularprior gewählt und am 27. August 1883 bestätigt. Mit Krediten aus Port-du-Salut brachte er die Klosterfinanzen in Ordnung und bereitete Mariastern so auf die Unabhängigkeit vor. Nach einer erfolgreichen Visitation durch den Generalvikar Jérôme Guénat von Sept-Fons im Juli 1885 wurde das Priorat auf Beschluss des Generalkapitels vom hl. Stuhl mit Datum 4. Dezember 1885 zur Abtei erhoben und am 27. Januar 1886 Prior Bonaventura Baier zum Abt gewählt[1] (Bestätigung 4. Feb. 1886).

Nachdem die Trappisten schon 1884 ihren Beitrag zum Bau der Kathedrale von Banja Luka geleistet hatten[2], begann Baier im nächsten Jahr mit der Vergößerung der zu klein gewordenen Klosterkapelle und dem Bau eines Glockenturms (die Zeit der Türkenherrschaft war vorbei). Die neben der Kapelle begrabenen Toten wurden exhumiert und in einem gemeinsamen Grab auf dem neuen Friedhof begraben. Die erste Messe in der (noch unfertigen) erweiterten Kirche war am 29. Juni 1886 die feierliche Abtbenediktion durch Bischof Marijan Marković OFM von Banja Luka. Bis 1887 wurde die Kirche fertiggestellt und mit neuen Altären ausgestattet, bis 1889 das Klosterquadrum durch Nord- und Südflügel ergänzt. Die Werkstätten ließ Abt Baier um zwei Käsereien[3], eine Bäckerei (1889) und eine Gerberei (1892) erweitern. Dazu kamen noch ein Haus für die Arbeiter und ein großes Kühlhaus. Die Erweiterung des Klosters schuf Raum für den Ausbau des Waisenhauses, das beständig anwuchs (Fertigstellung 1890).

Inzwischen war auch der Personalstand soweit angewachsen, dass Abt Baier an die Gründung von Zweigstellen denken konnte. In Bosnien gründete er zwei sehr erfolgreiche abhängige Häuser, 1887 Josipovac (Josefsburg) und 1893 Marijin Dvor (Marienburg), dazu ebenfalls 1893 das Priorat Zemunik in Zadar in Dalmatien (Kroatien), das aber 1921 aufgrund der politischen Verhältnisse wieder aufgegeben werden musste. Auf der Reise dorthin stürzte er wegen seiner Kurzsichtigkeit, durch elektrisches Licht geblendet, beim Besteigen des Dampfers ins Meer und ertrank, an seinem 75. Geburtstag. Der Leichnam wurde in einem Metallsarg nach Banja Luka überführt und auf dem Klosterfriedhof begraben. Zum Nachfolger wurde Dominikus Aßfalg gewählt.

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  1. Unter dem Vorsitz des Priors von Landpreis, Laurent Lainé, als Delegat des Generalvikars.
  2. Indem sie 75.000 in der eigenen Ziegelei hergestellte Ziegelsteine und 25.000 Fliesen spendeten. Außerdem wurden die Türen und Fenster in der Klosterwerkstatt hergestellt.
  3. Die Anfänge der Käseproduktion in Mariastern gehen in das Jahr 1872 zurück, waren aber wegen Tierseuchen, die einen Milchmangel zur Folge hatten, nicht sehr erfolgreich. Die Produktion des „echten“ Trappistenkäses begann erst wieder 1882, nachdem ein Käsespezialist aus Port-du-Salut nach Mariastern gekommen war (Fr. Ignace), der das streng gehütet Produktionsverfahren kannte.

Literatur:

Goutagny, Etienne: Der Zisterzienserorden im ehemaligen Jugoslawien. CistC 103 (1986) 190ff. [„Boier“] · Ivica Božinović: Banjalučki trapisti, feljton (br. 1–30), Nezavisne novine, Banja Luka 17. März bis 15. April 2009 8, 9 und 10.

Zitierempfehlung: Baier, Bonaventura, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 7.1.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Baier,_Bonaventura