Baindt

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Kloster Baindt (Zeichnung von 1889 nach älterer Vorlage)

Kloster Baindt

ehemalige Zisterzienserinnenabtei im oberschwäbischen Baindt, Landkreis Ravensburg, Baden-Württemberg.

Um 1240 gründete Reichsschenk Konrad von Winterstetten (†1242), der politische Vertraute des staufischen Kaisers Friedrich II. (1212–1250), ein Nonnenkloster, indem er eine nach 1220 in Seefelden oder Birnau entstandene, 1231 nach Boos verlegte und 1236 in den Zisterzienserorden einbezogene Frauengemeinschaft (Schwesternsammlung) nach Baindt (nördlich Weingarten) verpflanzte und die Nonnen an diesem Ort begüterte (u.a. mit dem Patronatsrecht über die dortige Kirche).

Das Kloster blieb mit den Herren von Winterstetten über Konrads Tod hinaus verbunden: Konrad wurde in Baindt begraben, die Winterstetten übten wohl Vogteirechte über das Kloster aus, Konrads Tochter Irmengard war Äbtissin des Klosters. Hinzu kam, dass Baindt Beziehungen zu Papsttum und deutschem Königtum aufbauen konnte; die Privilegien der Stauferherrscher Friedrich II. und Konrad IV. (1237–1254) sowie König Rudolfs I. (1273–1291) gehören hierher, ebenso ein Schutzbrief von 1479. Die dadurch erlangte Reichsunmittelbarkeit Baindts wurde noch durch die enge Anbindung an das zisterziensische Mutterkloster Salem verfestigt.

Die Nonnengemeinschaft konnte kein eigenes Klosterterritorium ausbilden und besaß nur eine kleine Grundherrschaft. Im Bauernkrieg (1524/25) fast völlig zerstört, konnte sich Baindt in der frühen Neuzeit dennoch behaupten. 1802 wurde das Kloster aufgehoben, 1806 in das württembergische Territorium eingegliedert. Heute sind vom Kloster noch die Kirche aus dem 13. Jahrhundert und Wirtschaftsgebäude vorhanden.

Michael Buhlmann


Literatur:

Beck, Otto (Hg.): Baindt – hortus floridus. Geschichte und Kunstwerke der früheren Zisterzienserinnen-Reichsabtei. Festschrift zur 750-Jahrfeier der Klostergründung 1240-1990 (=Große Kunstführer ; Bd. 173), München-Zürich 1990 · Riechert, Ursula: Oberschwäbische Reichsklöster im Beziehungsgeflecht mit Königtum, Adel und Städten (12. bis 15. Jahrhundert). Dargestellt am Beispiel von Weingarten, Weißenau und Baindt (= Europäische Hochschulschriften. Reihe III, Bd. 301), Frankfurt a.M.-Bern-New York 1986.

Zitierempfehlung: Baindt, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 9.7.2014, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Baindt