Beauregard, Antoine

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Antoine de Beauregard

Antoine Saulnier de Beauregard

Abt der Trappistenklöster Lulworth und Melleray 1813–1839

* 20. Aug. 1764 Joigny, Dép. Yonne
06. Jan. 1839 La Meilleraye-de-Bretagne

Charles Saulnier, genannt de Beauregard[1], stammte aus der Oberschicht der Stadt Joigny in der Bourgogne. Die Familie gehörte zum Parlamentsadel: sein Vater Edme Saulnier war Advokat am Parlement, Provost und Rat, seine Mutter war Marie-Marthe Bazin. Der früh für den geistlichen Stand bestimmte Sohn erhielt schon als Siebenjähriger die Tonsur und die erste kirchliche Pfründe (N.-D. des Porchers) und – nach den Gymnasialstudien am Kolleg seiner Geburtsstadt – als Vierzehnjähriger eine Domherrenstelle in Sens. Mit Auszeichnung studierte er Philosophie am Seminar Saint-Firmin in Paris und Theologie am Collège de Navarre. Am 11. April 1789 (Ostersamstag) wurde er von Jean-Baptiste Miroudot OCist, Bischof von Babylon-Bagdad, in der Kapelle des Bischofspalastes von Meaux zum Priester geweiht, 1790 von der Sorbonne zum Doktor der Theologie promoviert. Nach dem Theologiestudium widmete er sich dem Studium der Rechte und der Naturwissenschaften und erhielt den Posten eines Conseillier-Clerc (Conseiller d'Eglise) am Obersten Gerichtshof (Parlement) von Paris.

Der Terror der Französischen Revolution machte Saulniers aussichtsreicher Karriere ein Ende. Nach den Septembermassakern 1792 ging er ins Exil nach Brüssel, wo er eine Stelle als Hauslehrer annahm. Dort begegnete er – ebenso wie der Landpfarrer Pierre-François Malmy, der spätere Abt von Aiguebelle – der von La Valsainte zur Gründung einer Niederlassung in Kanada ausgesandten Gruppe um Eugène de Laprade und Jean-Baptiste Desnoyers. Vor den nach der Schlacht bei Fleurus (26. Juni 1794) näherrückenden französischen Revolutionstruppen floh er nach London, wo er mehrere Monate in der Gesellschaft der französischen Emigrés lebte bis er am 1. Juni 1795 als Frère Antoine in das neu entstehende Trappistenkloster Lulworth in Dorsetshire eintrat. Das Leben dort war hart, das Kloster erst im Aufbau. Der ehemalige elegante Pariser Doktor der Theologie Saulnier arbeitete in der Landwirtschaft (Mühle, Feldarbeit) und wurde nach seiner Profess (15. Juni 1796) Küchenmeister, später Cellerar und Ökonom. Nach dem Tod des Superiors Maur Adam 1810 ernannte Abt Augustin de Lestrange Saulnier zum (von ihm abhängigen) Prior und am Vortag seiner Einschiffung nach Amerika im Dezember 1812 schließlich zum Abt von Lulworth (päpstl. Bestätigung Mai 1813). Die Benediktion erteilte ihm Bischof William Poynter in London (Aug. 1813). Am 31. Juli 1814 wurde das Priorat Lulworth vom hl. Stuhl zur Abtei erhoben.

Die Existenz eines katholischen Klosters im anglikanischen England war nicht überall gern gesehen, besonders nachdem Abt Lestrange den Mönchen 1813 verboten hatte, für den König zu beten. Mehrmals musste sich Saulnier vor der Regierung in London gegen Verleumdungen rechtfertigen und erhielt schließlich die Aufforderung, mit seinem Konvent das Land wieder zu verlassen, sobald die Verhältnisse in Frankreich eine Rückkehr erlaubten. Nach der Rückkehr der Bourbonen auf den französischen Königsthron bereiste er mehrmals die westlichen Provinzen Frankreichs und konnte schließlich im Frühjahr 1817 die Ruinen der alten Abtei Melleray in der Bretagne erwerben. Die französische Regierung stellte zwei Schiffe zur Verfügung, Gerätschaften und Vieh wurden verkauft und am 7. August 1817 zog der knapp 60 Mönche zählende Konvent feierlich in Melleray ein. Sofort machten sich die Zisterzienser an den Wiederaufbau der Gebäude und besonders der Landwirtschaft, die bald zum Muster- und Lehrbetrieb wurde. Innerhalb von zwölf Jahren wuchs die Mönchsgemeinde auf knapp 200 Mitglieder an. 1822 nahm Saulnier auch die Novizen des wegen der Kompetenzstreitigkeiten des Abtes Lestrange mit dem Diözesanbischof von Sées vorübergehend aufgegebenen Klosters La Trappe auf, die unter der Führung des ehemaligen Priors von Westmalle, Maur Mori, nach Melleray gekommen waren (Le Clère, S. 568).

Die hohe Wertschätzung der Person des Abtes zeigt sich u.a. darin, dass er 1820 von den Rittern des Ordens vom hl. Ludwig und dem Bischof von Nantes gedrängt wurde, in der Kathedrale von Nantes eine Leichenpredigt auf den in Paris ermordeten Herzog von Berry zu halten. Die Predigt erschien im Druck und erlebte mehrere Auflagen. 1828 besuchte die Herzogin von Berry das Kloster Melleray. 1830 schenkte der Bischof von La Rochelle dem Abt einen Mantel, der Papst Pius VI. gehört hatte. Mehrfach besuchte während dieser Zeit auch der junge Weltpriester Prosper Guerangér Melleray und holte sich von Abt Saulnier Rat zur Gründung seines eigenen Klosters Solesmes (Halgouët 286).

Nach dem Tod des Abtes Lestrange 1827 ernannte der hl. Stuhl Dom Saulnier zum 'Generaloberen' der Klöster der Reform von La Trappe in Frankreich und beauftragte ihn, alle französischen Trappistenklöster zu visitieren und Vorschläge zur Vereinheitlichung der Observanzen vorzulegen. Von Dezember 1827 bis November 1828 besuchte Saulnier alle 18 Männer- und Frauenklöster und fertigte einen Bericht darüber an (Compte-rendu par ordre de Sa Sainteté de l’état des Maisons de la réforme de la Trappe établies en France[2]. Acht Klöster folgten dem Reglement von Valsainte[3], acht den Reglements von Rancé[4]. Zwei weitere gehörten dem Dritten Orden an: Louvigné-du-Désert und N.-D. des Lumières in der Nähe von Avignon – beide wurden aufgegeben. Angesichts der durch die unterschiedlichen Lebensweisen verursachten Probleme, insbesondere übertriebener Strenge, vor allem in den Nonnenklöstern, sprach sich Saulnier für eine Rückkehr zum Reglement des Abtes Rancé aus. Es wäre vielleicht auch dazu gekommen, hätte sich der Heilige Stuhl gleich dazu geäußert, aber der Tod Leos XII. 1829 und Pius’ VIII. 1830 verzögerte die Sache.

Die Julirevolution von 1830 brachte der Abtei Melleray 1831 die gewaltsame Auflösung. Der Abt wurde wegen seiner Verbundenheit mit der Herzogin von Berry politisch kompromittiert, der Konvent zerstreut. Die englisch- und irischstämmigen Mönche wurden nach Irland verschifft, wo sie 1832 das Kloster Mount Melleray gründeten, und von dort aus 1835 Mount Saint Bernard in England. Abt Saulnier lebte während dieser Zeit zurückgezogen in Melleray, das sein persönliches Eigentum war und ihm deshalb nicht genommen werden konnte. Brieflich hielt er Kontakt mit seinen Mönchen. Nachdem sich die politische Lage beruhigt hatte, zog er die in Frankreich verbliebenen Konventsmitglieder wieder zusammen und begann erneut mit dem regulären Klosterleben, wenn auch in kleinerem Maßstab.

Saulnier blieb Generalvisitator bis zur Vereinigung der französischen Trappistenklöster zu einer gemeinsamen Kongregation Unserer Lieben Frau von La Trappe durch Papst Gregor XVI. 1834. Er starb am 6. Januar 1839. Das Kloster Melleray hatte er testamentarisch einem Mönch vermacht, da der Orden in Frankreich nicht erbberechtigt war. Die dadurch ausgelöste Erbschaftssteuer von 15.000 Franken brachte die Mönchsgemeinschaft in finanzielle Verlegenheit, konnte aber nach und nach abgetragen werden.

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  1.  »Beauregard« ist weder Namensbestandteil noch Adelsprädikat, sondern der Name eines kleinen Bauernhofs, dessen Einkünfte ihm sein Vater anlässlich seines Subdiakonats als Klerikaltitel überschrieben hatte, um seinem Sohn ein Minumum an Einkommen zu sichern. Antoine Saulnier duldete zwar, so angesprochen zu werden, unterzeichnete selbst aber stets mit »Saulnier«.
  2. Abdruck: Les maisons de la Réforme de La Trappe établie en France en 1828, Revue Mabillon, Juillet-Septembre 1938, n° 111, p. 134 [PDF]
  3. La Trappe, Melleray, Bellefontaine, Aiguebelle, Sainte-Baume (1835 geschlossen), Les Gardes, Lyon-Vaise, Mondaye
  4. Port-du-Salut, Le Gard, Oelenberg (Mönche und Nonnen), Mont-des-Cats, Bricquebec, Saint Aubin (das 1825 zur Observanz von Rancé übergegangen war und 1828 geschlossen wurde), Laval

Werke:

Oraison funèbre de... Charles-Ferdinand d'Artois, fils de France, duc de Berry, prononcée au service de l'Association des chevaliers de S.-Louis, en l'église cathédrale de Nantes, le 22 mars 1820, par le R. P. Antoine, Abbé de La Trappe de Melleray et Vic.-Gén. de Nantes, Nantes, 1820 [1].

Literatur:

Vie Du R.P. D. Antoine (Anne-Nicolas-Charles Saulnier de Beauregard), Abbè De La Trappe De Melleray. Rèdigè par deux de ses Amis. Paris: A. Pihan de la Forest, 1840. [2] · Le Clère, Adrien: L'Ami de la religion et du roi: journal ecclésiastique, politique et littéraire, tome centième, Paris 1839, S. 567–570 [3] · Halgouët, Jérôme du: Pierres d’attent pour une histoire de l’ordre dans la première moitié du XIXe siècle, VII: Anne Nicolas Charles Saulnier de Beauregard, in: Citeaux 21 (1970) 279-299.

Zitierempfehlung: Beauregard, Antoine, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 21.4.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Beauregard,_Antoine