Bernhard, Athanasius

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Athanasius Bernhard

Athanasius Bernhard

Abt des Zisterzienserklosters Osek 1853–1875; Ordensvisitator und Generalvikar für Böhmen und die Lausitz; infulierter Landesprälat

* 02. Jan. 1815 Radonitz [Radonice u Kadaně]
† 18. März 1875 Ossegg [Osek]

Athanasius Bernhard, Taufname Philipp, Profess 1838; Priesterweihe 1840; Doktor der Theologie; 1841–1843 Regens chori, 1845–1847 Professor für Neues Testament am Hausstudium und 1847–1851 am bischöflichen Priesterseminar in Leitmeritz; äbtlicher Sekretär und zuletzt Sekretär in Ordensangelegenheiten bei Fürsterzbischof Kardinal Schwarzenberg. 1853 zum Abt gewählt; im Januar 1854 Ernennung zum Generalvikar für Böhmen und die Lausitz. Als solcher begleitete er 1854 den Bischof von Leitmeritz bei der apostolischen Visitation der Klöster. 1861 wurde er von dem im Landtag vertretenen Großgrundbesitz in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrats gewählt (1861–1866).

Athanasius Bernhard ließ 1869 mit großem Kostenaufwand das Innere der Stiftskirche renovieren und danach die Pfarrkirchen in Maria-Ratschitz und Klostergrab. Im Konvent führte er gemeinschaftliche Exerzitien ein und ließ für die Pfarrangehörigen mehrmals Missionen abhalten. Das von seinem Vorgänger Klement Zahrádka erbaute, von den Borromäerinnen geführte Krankenhaus (Klemenshospital) ließ er erweitern und gründete eine Privatschule für Mädchen, mit deren Leitung er wieder die Borromäerschwestern betraute.

Als durch zahlreiche Eisenbahnbauten große Strecken Feld und Wald vom Besitz des Klosters abgetrennt wurden, nutzte Abt Athanasius die Entschädigungszahlungen zum Ankauf einiger Bauerngüter und Ländereien, die an zum Stift gehörende Meierhöfe grenzten.

Im Deutschen Krieg von 1866 musste das Stift die Einquartierung österreichischer Truppen hinnehmen, die einen Monat hindurch versorgt werden mussten; danach 180 Mann sächsische Reiter, die aber nur einen Tag blieben. Mehrmals kamen auch feindliche preußische Truppen, es gelang jedoch jedesmal, einen friedlichen Ausgleich zu finden.

Weniger günstig entwickelten sich die wirtschaftlichen Unternehmungen des Klosters. 1872 scheiterte der Versuch, den schon 1707 wegen mangelnder Rentabilität aufgegebenen Kalksteinbruch in der Nähe des Stiftes wiederzubeleben. Nicht viel besser liefen die Kohlengruben; die Grube bei Strimitz wurde noch unter Abt Athanasius verkauft, die beiden Gruben in Wernsdorf und Briesen dann von seinen Nachfolgern.

1869 nahm Athanasius Bernhard am Generalkapitel in Rom teil, nachdem 1867 der Ordensgeneral Teobaldo Caesari die meisten Klöster der österreichischen Provinz, darunter auch Ossegg, besucht hatte.

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Daten:

Prof.: 1838; Sac.: 1840; Abbas: el. 15. Sep. 1853.

Werke:

Aus dem Kloster: Ein Beitrag zum Verständnisse der Klosterfrage in Oesterreich. Regensburg, 1848 (anonym erschienen) · mehrere beiträge im Kirchen-Lexikon von Wetzer und Weite, I. Aufl.: Dalmanutha, Deinas, Elias Levita, Ellipse, Emmaus, Emphasis, Erastus, Etymologie, Felix, röm. Landpfleger, Festus Porcius, Gnome, Ironie · Ueber die Lage und Bedürfnisse der alten Orden in Oesterreich zur Zeit des vaticanischen Concils, in: Dr. Friedrich H. Vering, Archiv für katholisches Kirchenrecht 1889. Drittes Heft, S. 418–427. Verfasst 21. Februar 1870.

Literatur:

Sturm, Heribert (Hg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. München und Oldenbourg, 1979–1984. · Weinmann, Josef: Egerländer biografisches Lexikon. Männedorf: Weinmann, 1985–1987. · Siegl, Meinrad: Die Abtei Ossegg in Böhmen, in: Brunner, Sebastian: Ein Cisterzienserbuch. Würzburg 1881, S. 280ff., bes. S. 339–341.

Normdaten:

GND: 116144521 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Bernhard, Athanasius, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 22.12.2015, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Bernhard,_Athanasius