Besozzi, Gioacchino

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gioacchino Besozzi

Gioacchino Besozzi

Abt von Santa Cruce in Gerusalemme, Rom, 1724–1743; Kardinal

* 23. Dez. 1679 Mailand
† 18. Juni 1755 Tivoli

Gioacchino Besozzi wurde am 23. Dezember 1679 in Mailand geboren. Angeblich stammte er aus einem der Zweige der in Mailand und Umgebung ansässigen Adelsfamilie Besozzi (vgl. Moroni 5, S. 187f.: „nobile milanese“, DBI 9, 677: „da nobile famiglia“), jedoch kann sie der Familienhistoriker A. Giulini keinem der Familienzweige zuordnen (vgl. Giulini, Appunti, 81). Nach anderen Quellen waren seine Eltern arme Leute (vgl. Seidler/Weber: Päpste, 322: „poveri, ma onesti e pii genitori“).

Mit sechzehn Jahren trat Besozzi in die lombardische Zisterzienserprovinz ein und setzte seine Studien fort, vor allem klassische Sprachen und Theologie. Danach lehrte er an den Lehranstalten der Kongregation in Mailand (Chiaravalle, später S. Ambrogio, und Rom, Santa Croce). 1720 wurde er durch päpstliches Breve zum Titularabt des Klosters in Venedig ernannt, es ist aber nicht klar, ob er sich jemals dorthin begeben hat. 1723 studierte er in Mailand Logik und Physik. Aus diesem Jahr stammt wahrscheinlich auch seine Quaestiones logicales, Quaestiones in philosophiam naturae seu in octo libros Physicorum Aristotelis (Manuscript, Biblioteca nazionale centrale di Roma, cod. Sessoriano 264). 1724 wurde er Abt des Klosters Santa Croce in Gerusalemme in Rom und zugleich Generalprokurator der lombardischen Zisterzienserkongregation.

Große Aufmerksamkeit widmete Abt Besozzi dem Ausbau und der Erweiterung der sessorianischen Bibliothek durch Ankauf wertvoller Handschriften (Übersicht bei Trasselli) sowie der Ordnung und Katalogisierung der Bestände (vgl. die codd. Sessoriani 486, 488, 490). Dabei stand er in freundschaftlichem Kontakt mit bedeutenden Gelehrten und Sammlern seiner Zeit, wie Filippo Argelati (1685–1755), dem Marchese Gregorio Capponi (1683–1746) und dem Veroneser Oratorianer Giuseppe Bianchini (1704–1764). Außerdem begründete er einen Lehrstuhl für Hebräisch und Griechisch und ein Münzkabinett, das Papst Benedikt XIII. 1727 besuchte. Demselben Papst hatte Besozzi anlässlich seiner Erhebung auf den päpstlichen Thron die Abhandlung Officiorum Romani pontificis [1] gewidmet, in der er die Tugenden eines Papstes darlegt und Ratschläge gibt zum Umgang mit Kardinälen, Verwandten, Ministern, ausländischen Botschaftern und Bischöfen sowie Kriterien zur Auswahl der apostolischen Nuntien. Bemerkenswert ist der Vorschlag, dass der Papst bei der Auswahl von Kardinälen nicht nur die Stadt Rom, sondern die gesamte Kirche im Blick haben solle („non Romam tantum sed orbem universum Catholicum mente perlustrare debet“, Kap. VII).

Papst Benedikt XIII. ernannte ihn 1728 zum Gutachter und Berater (Konsultor) des Sacrum Offizium (der römischen Inquisition), Clemens XII. gewährte ihm eine jährliche Pension und beauftragte ihn mit einer Stellungnahme zur Gültigkeit interkonfessioneller Eheschließungen in Flandern ohne tridentinische Trauungsform. Nachdem er 1740 Konklavebeichtvater des Kardinalskollegiums gewesen war, erhob ihn der neue Papst Benedikt XIV. Lambertini im Konsistorium vom 9. September 1743 zum Kardinalpriester von S. Pancrazio (Installation 23. September 1743). Damit verbunden war der Verzicht Besozzis auf seine Abtei.[2] Am 12. September setzte der Papst Besozzi den roten Hut auf und berief ihn wenig später zum Mitglied der Kongregationen der Inquisition, des Konzils, des Index’, der Bischöfe und Ordensleute, der Indulgentien und Reliquien sowie der neu geschaffenen Kongregation für die Revision der liturgischen Bücher der orientalischen Kirchen. 1744 wurde er zum Mitglied der Kommission zur Revision des römischen Breviers ernannt (deren Arbeit den Papst jedoch nicht zufriedenstellte). Am 5. April 1745 tauschte er seine Titelkirche San Pancrazio gegen die vakant gewordene Basilika seines eigenen Klosters, Santa Croce in Gerusalemme.[3] 1747 ernannte ihn Benedikt XIV. in der Nachfolge des verstorbenen Kardinals Vincenzo Petra zum Großpönitentiar.

Als Zensor und Inquisitor war der wie auch Papst Benedikt XIV. selbst zu den Gemäßigten zählende Besozzi an mehreren Gutachten beteiligt. Eine wichtige und schwierige Aufgabe, die er mit dem Kardinal Fortunato Tamburini, dem Dominikanergeneral Antonin Bremond und dem Minoriten Balestracci zu erfüllen hatte, war die Prüfung der Schriften der von mehreren Seiten des Jansensismus beschuldigten Augustinereremiten Fulgenzio Bellelli und Gianlorenzo Berti. In der Angelegenheit des durch den Domdekan des schismatischen Erzbistums Utrecht, Nicolas Broedersen (c1690–1772), unternommenen Versöhnungsversuchs mit der römischen Kirche hatte Besozzi mit den Kardinälen Valenti, Corsini und Tamburini Broedersens Vorschläge zu prüfen (sie hielten sie für unzureichend). 1752 wurde Besozzi, wieder mit Kardinal Tamburini, beauftragt, eine Zensur der theologischen Fakultät von Nantes (Censura Sacrae Facultatis theologiae Nannetensis) gegen vier am Collegio Clementino diskutierte Propositionen zu untersuchen und kam zu dem Schluss, dass die Vorschläge zwar falsch, aber nicht zensurwürdig seien.

Kardinal Besozzi starb am 18. Juli 1755 in Tivoli, wohin er sich zur Erholung begeben hatte, und wurde – seiner testamentarischen Verfügung gemäß in einfachem zisterziensischem Ritus – in seiner Titelkirche Santa Croce in Gerusalemme beigesetzt[4]. Dort ließ ihm Papst Benedikt XIV. ein prachtvolles Grabdenkmal aus weißem Marmor errichten (Cappella Gregoriana, rechts neben dem Altar). Die Grabrede in Sant’Ambrogio in Mailand hielt der Regularkanoniker Fulvio Bonaci, sie erschien noch im selben Jahr im Druck.

gge, Aug. 2017

  1. Nur der erste Teil ist als Manuskript erhalten (vgl. Codice Sessoriano 449).
  2. Sein Nachfolger als Abt von Santa Croce wurde der ebenfalls aus Mailand stammende Raimondo Besozzi, mit dem er trotz der Namensgleichheit wahrscheinlich nicht verwandt war.
  3. Santa Croce war von 1728 bis 1740 auch die Titelkirche Papst Benedikts XIV. als Kardinal gewesen.
  4. Die feierlichen Exequien waren vorher in S. Marcello al Corso gehalten worden.

Werke:

Censurarum operum PP. Bolielli et Berti, in: Alcuni scritti apologetici contro l'autore della storia letteraria d'Italia, Band 1, Napoli 1757, S. 121–152 · Validitas Matrimoniorum Hollandiae, in: Declaratio Benedicti XIV. super Matrimoniis inter Protestantes et Catholicos. coloniae: apud Johannem Wilhelmum Krakamp & haeredes Christiani Simonis, 1746, S. 106–138 (Digitalisat) · Validitas Matrimoniorum Hollandiae, in: De matrimoniis inter haereticos ac inter haereticos et catholicos initis in Foederatis Belgii provinciis. Romae: typis [et] sumptibus Hieronymi Mainardi, 1741, S. 56–72.

Literatur:

Guerrieri Borsoi, Maria Barbara: Il cardinale Gioacchino Besozzi e la sua collezione, in: Roberto Cassanelli, Emilia Stolfi (a cura di): Gerusalemme a Roma. La basilica di S. Croce in Gerusalemme a Roma e le reliquie della Passione, Milano 2012, S. 153–156 · Schwedt, Herman H. (unter Mitarbeit von Thomas Lagatz): Prosopographie von Römischer Inquisition und Indexkongregation 1701–1813. Paderborn 2010, hrsg. v. H. Wolf, Bd. 1, S. 157–160 · Trasselli, Franca: Il cardinale Gioacchino Besozzi collezionista di codici, quadri, medaglie e altre antiquità, in: Aevum 83, Fasc. 3 (Sept.–Dez. 2009), S. 875–933 · Seidler, Sabrina und Christoph Weber: Päpste und Kardinäle in der Mitte des 18. Jahrhunderts (1730–1777). Das biographische Werk des Patriziers von Lucca Bartolomeo Antonio Talenti (Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte ; 18), Frankfurt am Main u.a. 2007, S. 322f. · Guerrieri Borsoi, Maria Barbara: La collezione del cardinale Gioacchino Besozzi ereditata dalla basilica di S. Croce in Gerusalemme a Roma, in: Artisti e mecenati: dipinti, disegni, sculture, carteggio nella Roma curiale, a c. di E. Debenedetti (Studi sul Settecento Romano, 12), Bonsignori, Rom 1996, S. 59–94 · Pignatelli, Giuseppe: Besozzi, Gioacchino, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 9, Rom 1967, S. 677–679 · Willi, Dominikus: Päpste, Kardinäle und Bischöfe aus dem Cistercienserorden, Bregenz 1912, S. 20 · Giulini, Alessandro: Appunti storici sulla nobile famiglia Besozzi (linee estinte), in : Giornale araldico-genealogico-diplomatico italiano 26, nuova serie 7, 1898, S. 71–81, bes. 81 · Martini, Giuseppe: Elogio storico del cardinale Gioachino Besozzi. Rom: tipografia Salviucci, 1845 · Moroni, Gaetano: Dizionario di erudizione storico-ecclesiastica, Band 5, Venedig 1840, Sp. 187–188 · Cardella, Lorenzo: Memorie storiche de’ Cardinali della S. Romana Chiesa, Band IX, Rom 1797, S. 21–23 · Mazzuchelli, Giammaria: Gli Scrittori d'Italia, Band II/2, Brescia 1760, S. 1079–1080 · Besozzi, Raimondo: La storia della basilica di S. Croce in Gerusalemme, Rom 1750, S. 134, 213, 221–222 · Bonacina, Fulvio: Orazione funebre recitata nelle solenni esequie dell'eminentissimo cardinale D. Gioachimo Besozzi, Mailand 1755 (Grabrede) · Argelati, Filippo: Bibliotheca scriptorum Mediolanensium, Milano 1745, Band I/1, S. CIV, DLXVII, DLXIX; 2, col. 151.

Normdaten:

GND: 14306567X · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Besozzi, Gioacchino, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 3.8.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Besozzi,_Gioacchino