Busse, Philipp

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Philipp Busse

Philipp Busse

Abt des Zisterzienserklosters Reifenstein 1599–1636

* um 1574
† 20. Sep. 1639 Reifenstein, Eichsfeld

Philipp Busse, ein Konvertit, aus Bockleheim (Bockelnhagen?), Sohn eines lutherischen Predigers, war Diakon im Zisterzienserkloster Reifenstein und mit der Erstellung stattlicher Chorbücher beschäftigt, eine Tätigkeit, die er in Hildesheim gelernt hatte. Bei der am 4. Oktober 1589 probehalber durch den Heiligenstädter Kommissar Heinrich Bunthe abgehaltenen Abtwahl (in Gegenwart des Abtes Jodokus Römer von Gerode) hatte er eine Stimme erhalten. Da der mit drei Stimmen gewählte Prior Heinrich Schneemann dem Kommissar als „unzuverlässig“ galt, stellte er dem Konvent am 26. Oktober 1589 mit Zustimmung des Kurfürsten den erst 25jährigen Philipp Busse als Abtsverweser vor.

Nachdem er das zerstörte Kloster wieder aufgebaut und „durch seine Wachsamkeit, seine mit Milde gepaarte Strenge, vor allem durch sein gutes Beispiel[1](Knieb) die desolate Disziplin und Ordnung[2] wiederhergestellt hatte, konnte Busse am 12. Juni 1598 dem Kurfürsten berichten, dass die alten und neuen Konventualen zur Beobachtung der Ordensregeln und Satzungen zurückgekehrt seien. Auf seine Bitte hin wurde er 1599 vom Kurfürsten definitiv zum Abt ernannt (16. Aug. 1599) und regierte das wirtschaftlich und geistlich erneuerte Kloster Reifenstein noch weitere 40 Jahre. 1629 unterstützte er Abt Jakob Mosbach von Kaisheim bei der Wiederinbesitznahme der Abtei Walkenried und war auch bei der Benediktion des Abtes Christoph Kölich im Februar 1630 anwesend.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kloster Reifenstein siebenmal komplett ausgeplündert und einmal von den Schweden fast ganz niedergebrannt. Abt Philipp musste sich zeitweise nach Mühlhausen flüchten. Als er sich im Mai 1632 zufallig in Heiligenstadt aufhielt, wurde er samt den dortigen Stiftsgeistlichen von dem schwedischen Kriegskommissar Lorenz Kramer ins Kollegium gerufen, mit den Jesuiten verhaftet und „ohne Sack und Ranzen“ nach Erfurt verschleppt. Während seiner Gefangenschaft wurde das Kloster von den Schweden überfallen und völlig ausgeplündert; sieben Patres und ein Diener, der Kalfaktor, wurden dabei getötet. Der greise Prior Heinrich Schneemann, ein geborener Duderstädter, der sich in Bauernkleidung im nahegelegenen Birkungen versteckte, wurde verraten und am 12. August von den Schweden so misshandelt, dass er drei Tage später seinen Verletzungen erlag.

Die von dem von den Schweden eingesetzten Verwalter Peter Hännichen geplante Aufhebung konnte durch den schwedischen Obersten und weimarischen Residenten Friedrich von Eßleben verhindert werden, der die Abtei am 17. Dezember 1632 – auf Abt Philipps Bitte hin – unter seinen Schutz nahm. Bald darauf kehrte Abt Philipp in das halbverbrannte und gänzlich ausgeplünderte Kloster zurück und begann mit der Reparatur der Schäden. Am 19. März 1633 nahm er vorübergehend die aus Heiligenstadt vertriebenen Jesuiten auf, 1635 herrschte eine Hungersnot im Kloster. Erst der Prager Frieden vom 30. Mai 1635, mit dem das Eichsfeld wieder zu Mainz kam, brachte ein paar ruhige Jahre, die Abt Philipp zum baulichen, wirtschaftlichen und geistlichen Wiederaufbau nutzte. 1639 erlebte er noch den Einfall der Truppen des Generals Königsmarck.

Er starb am 20. September 1639 im Alter von 75 Jahren. Von seinem in lateinischer Sprache abgefassten Tagebuch, das Johann Wolf für seine Politische Geschichte des Eichsfeldes (Göttingen 1792) noch vorlag, ist nur ein Fragment von wenigen Blättern erhalten.

gge, Jan. 2019

  1. 1596 nahm er mit einem Genossen an Exerzitien bei den Jesuiten in Heiligenstadt teil.
  2. Noch in der Woche nach seiner Amtseinsetzung war der Diakon Anton Hesse von dem betrunkenen Klosterschreiber im Streit erstochen worden (4. Nov. 1590).

Daten:

Abbas.: nom. 16. Aug. 1599.

Literatur:

Jürgensmeier, Friedhelm und ‎Regina Elisabeth Schwerdtfeger (Hg.): Die Mönchs- und Nonnenklöster der Zisterzienser in Hessen und Thüringen. 2011 · Knieb, Philipp: Zur Geschichte des ehemaligen Zisterzienser- Klosters Reifenstein, in: Unser Eichsfeld 9, Heiligenstadt 1914, S. 8–26, 103–119, 191–245, hier: 224ff. · Stürzer, Bonaventura: Reifenstein im Eichsfelde, in: Cistercienser Chronik 8 (1896), S. 1–10, 33–43, 65–74, 102–108.

Zitierempfehlung: Busse, Philipp, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.1.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Busse,_Philipp