Cesari, Teobaldo

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Teobaldo Cesari

Teobaldo Cesari OCist

Abt von Foce, Abt von San Bernardo alle Terme, Präses der Zisterzienserkongregation San Bernardo in Italia, Generalsuperior des Zisterzienserordens; de facto erster Generalabt des Zisterzienserordens seit der Französischen Revolution

* 28. Feb. 1804 Castello di Palazzo, Arcevia, Marken
† 29. April 1879 San Bernardo alle Terme, Rom

Cirillo Cesari kam mit 16 Jahren als Sohn einer wohlhabenden Grundbesitzerfamilie aus den Marken nach San Bernardo alle Terme (Rom), wo er im Frühjahr 1821 mit dem Zisterzienserhabit eingekleidet wurde und den Ordensnamen Teobaldo erhielt. Er gehörte damit zur ersten Novizengruppe der italienischen Zisterzienserkongregation nach der Klosterkrise der napoleonischen Zeit.

Sein Studium absolvierte er in der Hauslehranstalt von Santa Croce in Gerusalemme, 1826 empfing er die Priesterweihe. Von 1832 bis 1842 war er Prior bzw. Abtsvikar der Abtei Santa Maria delle Grazie in Foce (Umbrien). Als solcher war er gleichzeitig Seelsorger des Wallfahrtsortes und der Pfarre Foce. Seit 1839 gehörte er zum Leitungsgremium der italienischen Zisterzienserkongregation (zunächst als secretarius regiminis, später als Zweiter Visitator). Von 1842 bis 1844 hatte er das Amt eines Novizenmeisters in Santa Croce inne. Am 15. Jänner 1844 wurde er zum Socius Accademiae Religionis Catholicae promoviert. Seit 1843/44 war er Konsultor der Kongregation für die Indulgenzien und Reliquien (S. Congregatio Indulgentiarum et Sacrarum Reliquiarum), seit 28. August 1862 auch Konsultor der Kongregation für die Bischöfe und Ordensleute (S. Congregatio Episcoporum et Regularium). Das Generalkapitel der italienischen Zisterzienserkongregation berief ihn 1845 zum Abt von Santa Maria delle Grazie in Foce.

Zum 15. Juni 1850 wurde Abt Cesari Generalprokurator des Zisterzienserordens und Abt von San Bernardo alle Terme in Rom. Als solcher gelang es ihm, die Abtei San Bernardo für den Zisterzienserorden auch in jenen Monaten zu erhalten, in denen Papst Pius IX. beabsichtigte, dieses Kloster den Salesianerinnnen zu übertragen. Generalprokurator Cesari veröffentlichte 1852 im Namen des Zisterzienserordens ein Empfehlungsschreiben zugunsten einer Dogmatisierung der Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens. 1853 setzte er Initiativen zum 700-Jahr-Gedenken vom Tod des hl. Bernhard von Clairvaux.

Das Generalkapitel der italienischen Zisterzienserkongregation wählte ihn am 15. April 1856 zum Generalpräses der Kongregation. Er galt damit auch als formelles Oberhaupt des ganzen Zisterzienserordens. Da aufgrund der politischen Umwälzungen in Italien danach mehrere Jahrzehnte keine Generalkapitel mehr abgehalten werden konnten, wurde er am 4. Mai 1860 und am 12. Mai 1865 durch den Hl. Stuhl jeweils nach einer Briefwahl in seinem Amt bestätigt. Als Generalpräses des Ordens begleitete Abt Cesari aktiv die Gründung und Gestaltung der Kongregation von Sénanque, wenngleich er nicht immer die monastischen Ansichten des Gründers Bernard Marie Barnouin und seiner Mitbrüder teilte. 1863 schlug er brieflich vielen Zisterzienseräbten sowohl der allgemeinen als auch der strengeren Observanz ein gemeinsames Generalkapitel vor, fand dafür aber kaum Unterstützung. Im Auftrag des Heiligen Stuhles visitierte Abt Cesari 1867 mit seinem Sekretär Henricus Smeulders die beiden belgischen Klöster (Bornem und Val-Dieu) sowie den größten Teil der österreichisch-ungarischen Kongregation.

Mit Dekret vom 27. März 1868 weitete die Kongregation für die Bischöfe und Ordensleute die Jurisdiktion des Generalpräses auch auf die Zisterzienserklöster Belgiens und Österreich-Ungarns aus und nannte ihn erstmals Generalsuperior des Zisterzienserordens. Am 2. April 1868 legte der Generalprokurator der Trappisten, François-Régis de Martrin-Donos, in San Bernardo die feierliche Profess vor Abt Cesari ab, um damit die Einführung der feierlichen Profess für die Trappisten gemäß den Wünschen des Heiligen Stuhls zu ermöglichen. Primär für die Zisterzienserklöster Belgiens und Österreich-Ungarns fand 1869 in San Bernardo alle Terme unter Cesaris Vorsitz ein Generalkapitel statt, bei dem vereinbart wurde, das Oberhaupt des Zisterzienserordens gemäß alter Tradition wieder Generalabt zu nennen. Außerdem konnten Regelungen bezüglich der Ordensleitung vereinbart werden, die allerdings vom Heiligen Stuhl nie bestätigt wurden.

Teobaldo Cesari war 1869/70 stimmberechtigter Teilnehmer am Ersten Vatikanischen Konzil. Er betrieb von 1859 bis 1870 auch die Angelegenheiten des Prämonstatenserordens beim Heiligen Stuhl. Beim Streit um das Zisterzienser-Brevier setzte sich Abt Cesari vehement für dessen Erhaltung ein und erreichte zusammen mit den Vertretern der Trappisten beim Heiligen Stuhl die Anerkennung der überarbeiteten liturgischen Bücher der Zisterzienser (1871). Das polnische Zisterzienserkloster Mogila konnte Cesari durch eine Visitation im Herbst 1871 dem Zisterzienserorden erhalten.

Abt Cesari hegte noch im Frühjahr 1870 für San Bernardo alle Terme den Plan, ein Kolleg zu errichten, was aber durch die politischen Ereignisse im Herbst 1870 vereitelt wurde. Bald nach der Eroberung Roms durch König Viktor Emanuel II. (20. September 1870) bereiteten die neuen Machthaber die Aufhebung der Klöster Roms vor. Cesari versuchte mit all seinem Einfluss die zivilrechtliche Aufhebung und Enteignung von San Bernardo alle Terme und Santa Croce in Gerusalemme zu verhindern, hatte damit letztlich aber keinen Erfolg. Weil San Bernardo als Generalatshaus galt, wurde die Enteignung etwas verzögert, per Dekret vom 31. März 1874 aber endgültig verordnet. Abt Cesari, Generalprokurator Smeulders und einige weitere Zisterzienser konnten in einem kleinen Teil des bisherigen Klostergebäudes wohnen bleiben; der restliche Teil des Klosters wurde in eine Kaserne umgewandelt, die Gärten zum Baugelände für Miethäuser gemacht. Durch den Ankauf eines Hauses in Cortona konnte die italienische Zisterzienserkongregation 1875 die Grundlage für die Aufnahme von Novizen legen, auch wenn Cesari selbst die Aufnahme von Novizen nicht mehr erlebte. Seit 1863 setzte er sich für die Anerkennung Papst Eugens III. als Seligen ein, was Papst Pius IX. 1872 auch gewährte.

Die letzten Jahre seines Lebens wurde Abt Cesari mehrmals in seinen Ämtern als Generalsuperior des Zisterzienserordens und als Generalpräses der italienischen Zisterzienserkongregation vom Heiligen Stuhl bestätigt, ohne dass eine Wahl stattfand: am 6. Mai 1870 (aufgrund des Ersten Vatikanischen Konzils) für ein Jahr, am 17. März 1871 und am 12. April 1872 (wegen der politischen Ereignisse) jeweils um ein Jahr, am 14. Juni 1873 (wegen der politischen Ereignisse) auf unbestimmte Dauer. Am 7. Februar 1879 nahm der Hl. Stuhl Cesaris Resignation als Generalpräses der italienischen Zisterzienserkongregation an und ernannte Gregorio Bartolini zum provisorischen Nachfolger. Cesari blieb aber Generalsuperior (Generalabt) des ganzen Zisterzienserordens bis zu seinem Tod am 29. April 1879. Sein Todestag fiel auf den damaligen liturgischen Festtag des hl. Roberts von Molesme. 1891 wurden seine Gebeine, die zunächst am römischen Campo Verano bestattet worden waren, in die Klostergruft von Santa Croce in Gerusalemme übertragen. Dort befindet sich in der Kapelle des hl. Gregor auch ein Denkmal für ihn.

Teobaldo Cesari zeigte sich zeit seines Lebens als ein Verfechter eines soliden römisch-katholischen Glaubens und als glühender Verehrer des Papstes. Er war ein Mann von einer umfangreichen klassischen und theologischen Bildung und förderte – auch als Mitglied der Accademia dell’Arcadia – die italienische Poesie.

Pius Maurer, Februar 2014


Werke:

Istoria della miracolosa immagine di Nostra Signora delle Grazie che si venera nella chiesa de’ RR. Monaci Cistercensi presso il Castello di Foce scritta da Don Teobaldo Cesari priore e vicario abbaziale di quel monistero. Rom : Tipografia Salviucci, 1841; ²1858 · Giardino Spirituale. Rom : Tipografia Salviucci, 1844; ²1864 · Ordinis Cisterciensis Suffragia pro Dogmatica Ferenda Sententia super Mysterio Immaculatæ Conceptionis B. V. Mariae, in: Pareri dell’episcopato cattolico, di capitoli, di congregazioni, di università, di personaggi ragguardevoli ecc. ecc. sulla definizione dogmatica dell’Immacolato Concepimento della Beata Vergine Maria, rassegnati alla Santità di Pio IX. P. M. in occasione della sua enciclica data da Gaeta il 2 febbraio 1849, Volume 9 (Rom 1852) 269–312, nachgedruckt in: Teobaldo Cesari: Ordinis Cisterciensis Suffragia pro Dogmatica Ferenda Sententia super Mysterio Immaculatæ Conceptionis B. V. Mariae (Terni 1854). · Litterae postulatoriae pro recognitione cultus publici B. Eugenio III ab immemorabili tempore praestiti Eugenio Papae III sancto ac beato nuncupato (1863), in: ASOC 1 (1945) 4–8 · Te in questo dì festivo, o sommo PIO, in: Nel faustissimo giorno 3. Giugno 1877. Pel Giubileo Episcopale del Sommo Pontefice Pio Nono (Rom 1877) 3f.

Literatur:

Fiorucci, Ildebrando: Cenno storico della Congregazione Cistercense Italiana. Serie degli Abati Presidenti Generali dal 1761 al 1900 (Rom 1997) 50–52 · Maurer, Pius: Generalabt Teobaldo Cesari (1804–1879), sein Leben und Wirken, in: ACi 63 (2013) 37–401.

Normdaten:

GND: 188916296 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Cesari, Teobaldo, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 20.1.2016, URL: http://www.biocist.org/wiki/Cesari,_Teobaldo