Étienne Chappuis
letzter Abt von Novalesa und Mont-Cenis
* 1752 La Roche-sur-Foron
† 1835
Étienne Chappuis, geboren 1752 in La Roche-sur-Foron in Obersavoyen, trat 1771 in die Zisterzienserabtei Tamié ein, die 1792 durch die Französische Revolution aufgelöst wurde; die Mönche wurden vertrieben. Nachdem Napoleon 1801 dem Restkonvent unter der Leitung des Abtes Antoine Gabet das Hospiz Mont-Cenis (Montecenisio) an einer wichtigen Passstraße über die Alpen übergeben hatte, war er dort – wie schon in Tamié – als Kräuterkundiger und Apotheker tätig.
Nach Abt Gabets Tod 1813 leitete Antoine Mariettaz die Gemeinschaft, die sich schließlich in der 1792 aufgehobenen ehemaligen Feuillantenabtei Novalesa bei Susa am Fuß des Mont-Cenis niederließ. Nach dem Tod des Abtes Mariettaz am 31. Dezember 1820 wurde Chappuis (zunächst für drei Jahre) zum Nachfolger gewählt.
Die Wahl eines bereits 68-jährigen Geistlichen zeugt von der schwindenden Lebenskraft der Gemeinschaft, der es an Nachwuchs mangelte. Chappuis und seine Mönche fühlten sich wenig angezogen von der asketischen Strenge der (in der Restaurationszeit nach Frankreich zurückgekehrten) französischen Trappisten, die der Regel des Abtes Augustin de Lestrange folgten; auch die italienischen Zisterzienser der „Gemeinen Observanz“ übten keinen Reiz auf sie aus. Kaum zum Abt gewählt, bemühte sich Chappuis darum, seine kleine (überalterte) Gemeinschaft in eine Struktur einzubinden, die ihren Fortbestand sichern konnte; so erwirkte er die Angliederung von Novalesa und Mont-Cenis an die Cassinesische Benediktinerkongregation, die Papst Pius VII. mit Bulle vom 11. September 1821 bestätigte. Damit war die letzte Verbindung zur Abtei Tamié gekappt.
Abt Chappuis verbrachte seinen Lebensabend in Novalesa; dort gab er 1826 eine Sonnenuhr für den Kreuzgang in Auftrag und leitete 1828 die Restaurierung der romanischen Fresken in der Kapelle des Heiligen Eldrad. Er starb, zuletzt erblindet, 1835 im Alter von 82 Jahren.
gge, Juli 2026
Literatur:
Giovanni Lunardi, Natalino Bartolomasi, Gianluca Popolla: La Abbazia di Novalesa 726–1996. Alzani, 1998 · Martin, Bruno-Jean: Histoire des moines de Tamié et de quelques autres. 1982, S. 113 · Regat, Christian: L’abbé, le pape et l’empereur : les moines de Tamié au Mont-Cenis.Vorlage:Page.name: CHAPPUIS, Étienne OCist (1752–1835) – Biographia Cisterciensis
