Chateaubriand, Marie-Anne

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Marie des Séraphins de Chateaubriand

Marie des Séraphins de Chateaubriand

Oberin des Zisterzienserinnenkonvents in Grosbois, Valenton und Mondaye

* 01. Juni 1761 Saint-Malo, Bretagne
† 18. März 1832 Juaye-Mondaye, Dép. Calvados

Marie-Anne-Rénée de Chateubriand stammte aus einer provinzadeligen und durch die Ausrüstung von Schiffen zu Geld gekommenen[1] Familie aus der Bretagne. Sie war eine Kusine ersten Grades des Schriftstellers François-René de Chateaubriand und wurde wie dieser in Saint-Malo geboren. Dem Beispiel einer Tante folgend trat sie mit dem Ordensnamen Sr. des Séraphins in das Benediktinerinnenkloster Notre-Dame-de-la-Victoire ebenda ein, wo sie am 5. Mai 1780, im Beisein des zwölfjährigen Chateaubriand und der ganzen Familie, die Profess ablegte.[2][3] Nach der Schließung des Klosters im Zuge der Französischen Revolution am 4. Oktober 1792 kehrte Marie-Anne zu ihrer Familie nach Val zurück.

Die königstreue Familie Chateaubriand hatte während der Revolution einiges zu leiden. Das Herrenhaus Val wurde beschlagnahmt und diente als Kaserne; Marie Annes Vater Pierre und ihre Schwester Modeste starben im Gefängnis; der ältere Bruder Pierre ertrank als Besatzungsmitglied eines royalistischen Schiffs vor Afrika; die Mutter starb im Mai 1793.[4] Auch Marie Anne wurde mit zwei Schwestern, Emily und Modeste verhaftet, 1795 aber wieder freigelassen. Dank ihres energischen Einsatzes (sie verklagte sogar die Liquidatoren) gelang es Marie-Anne und ihrer Schwester Emily, Teile des elterlichen Gutes Val vor der Enteignung durch den Staat zu bewahren; da sie aber nicht in der Lage waren, es zu bewirtschaften, mussten die Schwestern das Herrenhaus schließlich doch verkaufen (26. Prairial IX, i.e. 15. Juni 1801).

Am 13. Februar 1805 schloss sich Marie-Anne de Chateubriand einer kleinen klösterlichen (nach dem Réglement des Abtes Rancé lebenden) Gemeinschaft von Frauen (und Männern) an, die sich unter der Leitung des ehemaligen Priors von Lulworth, Jean-Baptiste Desnoyers, im verlassenen Kamaldulenserpriorat Grosbois in Yerres niedergelassen hatte. Im März 1805 wurde sie dort eingekleidet und legte am 6. April 1806 die Profess ab. Grosbois war eine Spontangründung, die unter der Jurisdiktion des Bischofs von Versailles lebte, aber keinem Orden angehörte. Im März/April 1808 wurde das verschuldete Kloster von Abt Augustin de Lestrange übernommen und seiner sog. Kongregation von Valsainte angegliedert. Lestrange bezahlte die Schulden und trennte den Männer- und den Frauenkonvent, indem er die Frauengruppe im Dezember 1808 in das näher bei Paris gelegene Valenton verlegte (Notre-Dame du Sacré-Cœur).

Wann genau Marie-Anne de Chateaubriand die Leitung der Frauengruppe übernahm, ist nicht mehr zu ermitteln. Sie erscheint zum erstenmal am 19. Juli 1806 als Oberin bei einer Profess; zwei weitere Professen nahm sie am 13. September entgegen. Abt Lestrange scheint sie im Lauf des Jahres 1808 abberufen zu haben, denn eine Professurkunde vom 7. November 1808 nennt Mère Saint-Joseph Le Clercq als Oberin. Erst 1811 wird wieder Marie des Séraphins de Chateaubriand als Oberin genannt und bleibt in diesem Amt bis zu ihrem Tod 1832.

Die Dames Trappistes lebten in Valenton unter schwierigsten Bedingungen. Davon zeugt die hohe Sterblichkeit, die auch die Besorgnis des Bürgermeisters erregte. Nachdem Napoleon 1811 alle Trappistenklöster aufgehoben hatte, verließen sie Valenton am 12. August 1811 Richtung Paris, wo sie auf Vermittlung François-René de Chateaubriands bis Februar 1812 im Hinterhof eines Gerichtsgebäudes unterkamen. Wohl ebenfalls von Chateaubriand mit Pässen ausgestattet, reisten die Schwestern im März 1812 nach Tréguier in der Bretagne, wo sie im Stillen bis zu Napoleons Sturz lebten und der Verfolgung entgingen. Unter der Führung der Oberin Marie des Séraphins machten sie sich im Frühjahr 1815 zu Fuß (so groß war die Armut) auf den Weg zurück nach Valenton, entschieden sich aber unterwegs um und kauften die in der Revolution verlassene Prämonstratenserabtei Mondaye in Juaye bei Bayeux, die sie am 8. Mai 1815 in Besitz nahmen. Wie hoch der Kaufpreis war und wer ihn bezahlt hat, ist nicht überliefert.

Auch in Mondaye lebten die Schwestern in großer Armut. Ein im Archiv der Abtei La Trappe erhaltener Visitationsrezess des Abtes Lestranges (der den Opfergeist der Schwestern lobt) berichtet detailliert darüber. Es gab kein Feuerholz, keine warmen Decken und kein zweites Ordenskleid zum Wechseln; auch die Ernährung war mangelhaft. Die jahrelangen Entbehrungen führten zu vielen Todesfällen (wie in allen Frauenkonventen unter der Leitung Lestranges) und waren wahrscheinlich auch der Grund, warum die zunächst zahlreichen Neueintritte der ersten Jahre allmählich ausblieben.

Oberin Marie-des Séraphins starb am 18. März 1832, im Alter von 71 Jahren, und wurde auf dem Klosterfriedhof von Mondaye begraben. Der stark geschrumpfte Konvent wurde 1836 zwar noch mit zehn Schwestern aus Laval (La Coudre) verstärkt, konnte sich aber trotzdem nur noch bis 1845 in Mondaye halten und ging dann nach La Cour-Petral in Boissy-le-Sec in der Diözese Chartres.

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  1. Die Brüder Chateaubriand waren in jüngster Zeit Schlossherren geworden. René-Auguste, der Vater des Schriftstellers, kaufte 1761 dem Herzog von Duras das Château de Combourg ab, sein Bruder Pierre, Vater von Marie-Anne, kaufte 1777 das Château du Val de l’Arguenon bei Plancoët.
  2. Die feierliche Zeremonie beeindruckte den jungen Chateaubriand so sehr, dass er sie später in seiner Novelle Réné verarbeitete und wiedergab.
  3. Im selben Kloster kamen, nachdem die heimliche Eheschließung von einem Verwandten angefochten worden war, Chateaubriands junge Ehefrau Céleste Buisson de la Vigne und seine Schwester Lucile für kurze Zeit als Pensionärinnen unter.
  4. Ein weiterer Bruder, Armand, wurde am 31. März 1809 als royalistischer Agent von Napoleon füsiliert.

Daten:

Vest.: März 1805; Prof.: 6. April 1806.

Literatur:

Kervingant, Marie: Monastic Odyssey. Kalamazoo, Mich.: Cistercian Publications, 1999, S. 310–311, 380–381, 384–385 · Herpin, E. [Eugène]: Chateaubriand et sa cousine Mère des Séraphins, in: Mercure de France, Bd. 96, Nr. 355, 1. April 1912, S. 504–513.

Zitierempfehlung: Chateaubriand, Marie-Anne, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 10.6.2016, URL: http://www.biocist.org/wiki/Chateaubriand,_Marie-Anne