Clavey, Johann

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Johann Clavey

Johann Clavey

Abt des Zisterzienserstiftes Hohenfurt 1669–1687

* 1617 Belfort, Elsass
† 29. Nov. 1687 Hohenfurt

Johann IV. Clavey stammte aus Belfort im Elsass. Er machte am 8. September 1640 Profess und wurde 1644 Priester. Danach war er Pfarrer in Gratzen 1650, in Hohenfurt 1655, in Oberhaid 1658; später häuslicher Wirtschaftsprovisor, erster Superior des 1634 gegründeten Bernardinums in Prag[1], Propst der Zisterzienserinnenabtei St. Marienstern in der Lausitz. Am 1. März 1669 wurde er unter dem Vorsitz des Generalvikars Laurentius Scipio in Vertretung des erkrankten Vaterabts Caspar Orlacher von Wilhering zum Abt gewählt.

Abt Johann IV. führte den erbitterten Kampf mit dem Fürsten Johann Christian von Eggenberg um den Bierausschank (eine wesentliche Einnahmequelle) in Höritz weiter, der schließlich damit endete, dass fürstliche Bauernhorden das Gasthaus zerstörten und der Kaiser 1675 die Braugerechtigkeit für immer dem Fürsten zusprach. Ebenso erfolglos waren seine Bemühungen, die Stiftsherrschaft ganz aus dem Fürstentum Krumau zu lösen. Auch um das Patronatsrecht in den Stiftspfarreien musste Abt Johann mit dem Prager Erzbischof kämpfen. Hier konnte er sich schließlich durchsetzen, musste aber das Installationrecht des Erzbischofs anerkennen.

In wirtschaftlicher Hinsicht konnte er die beiden Güter Sedlo und Stradow durch Kauf erwerben und erhielt 1676 das Gut Lzin mit dem Dorf Lhotta bei Sobeslau [Soběslav], das der spätere Abt Franz Wendschuh als sein Erbteil dem Kloster vermachte. Die Belagerung Wiens durch die Türken 1683 führte dazu, dass das Kloster ein Drittel des seit 1660 gewonnenen Vermögens als „Türkensteuer“ abführen musste.

Unter Abt Johanns Regierung erreichte das Kloster den ungewöhnlich hohen Mitgliederstand von 58 Mönchen. Deshalb ließ der Abt 1671 das derzeitige Konventgebäude erbauen und – entgegen dem ursprünglichen Ordensverbot – den ersten Turm der Klosterkirche. 1684 schaffte er auch eine Turmuhr an. 1676 wurde der Hohenfurter Professe Benedikt Zaunmüller zum Abt von Saar berufen.

Abt Johann starb am 29. November 1687 und wurde in der Stiftskirche vor den Stufen des Presbyteriums bestattet. Sein Grabstein aus rotem Marmor trägt die Inschrift Obiit Reverendissimus D.D. Joannes Clavey abbas hujus loci 1687 die 29 Novembris aetatis suae 69 regiminis 19. Cuius anima requiescat in pace. Orate pro eo.

gge, Sep. 2012, rev. April 2017

  1. Bredl, Sigismund: Die Superioren und Rectoren des St. Bernards-Colleg's vom Jahre 1662 bis 1785, in: StMBO 15 (1894), S. 90–94, nennt ihn nicht.

Daten:

Prof.: 8. Sep. 1640; Sac.: 1644; Abbas: el. 1. März 1669.

Literatur:

Gottsmich, Severin: Hohenfurt. Zur Geschichte seines Stiftes und seiner Pfarreien, in: Cistercienser Chronik 76 (1969) S. 27–139, bes. 75–77 · Kaindl, Dominik: Geschichte des Zisterzienserstiftes Hohenfurt in Böhmen. Hohenfurt, 1930, S. 78–83 · Pavel, Raphael: Hohenfurt, in: Beiträge zur Geschichte der Cistercienser-Stifte. (=Xenia Bernardina III). Wien : A. Hölder, 1891, S. 344f. · Proschko, Franz Isidor: Das Cistercienser-Stift Hohenfurth in Böhmen. Linz: Babette Eurich, 1858 · Mikowec, Ferdinand Bretislav: Das Cistercienserstift Hohenfurt in Böhmen. Eine monografische Skizze. Wien und Olmütz: Eduard Hölzel, 1858 · M[illauer], M[aximilian]: Reihenfolge der Äbte des Cistercienser-Stiftes Hohenfurth, in: Monatschrift der Gesellschaft des Vaterländischen Museums in Böhmen, 2. Jg. Prag, 1828, S. 166–178.

Normdaten:

GND: 104279354 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Clavey, Johann, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 22.12.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Clavey,_Johann