Clerc, Jean-Marie

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Jean-Marie Clerc

Jean-Marie Clerc OCSO

5. Abt der wiederbegründeten Abtei La Trappe 1924–1939

* 16. März 1882 Paris
05. Feb. 1971 Orval, Belgien

Jean-Marie Clerc, Taufname Maurice, geboren am 16. März 1882 in Paris (VIIe), trat am 22. September 1906 in die reformierte Zisterzienserabtei La Trappe in der Normandie ein. Am 29. April 1912 legte er die Profess ab und wurde am 17. Mai 1913 zum Priester geweiht. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu den Waffen gerufen, kam er mit einem Expeditionskorps auf den Balkan. Nach seiner Rückkehr wurde er in La Trappe die rechte Hand des Abtes Bernard Chevalier und am 2. Dezember 1924 zu dessen Nachfolger gewählt. Die Benediktion erhielt er am 26. Januar 1925 von Bischof Georges Grente von Le Mans im Beisein des Generalabtes Jean-Baptiste Ollitrault de Kéryvallan.

Abt Jean-Marie erwies sich als schwieriger Charakter. Dubois spricht von einem Mangel an Taktgefühl und einer gewissen Härte, die durch seine Krankheit (er musste sich 1922 wegen Magengeschwüren einer Operation unterziehen) nicht gemildert wurde. Ähnlich wie sein Vorgänger Étienne Salasc (reg. 1881–1911) führte er die Abtei autokratisch, ohne Rücksprache mit dem Konvent zu halten. Bald nach seiner Abtwahl übernahm er zugleich auch noch das Amt des Cellerars. Da sich einige Konventsmitglieder an das „System Salasc“ erinnert fühlten, das die Abtei in die wirtschaftliche Katastrophe geführt hatte, beschwerten sie sich anonym in Rom. Ein Schreiben des Priors Raymond Planeuf an den Generalabt aus dem Jahre 1939 zeigt jedoch, dass die Majorität der Mönche ihrem Abt die Treue hielt.

Im Kloster ließ Abt Jean-Marie einige Modernisierungen und Neubauten durchführen. Es wurden Telefonanschlüsse gelegt, 1927 ein Turmsilo errichtet, die Bäckerei verlegt und das ehemalige Waisenhaus abgebrochen, neue Hühnerställe errichtet, 1935 Zwischenwände im Kirchenschiff durchbrochen und später mit Glastüren wieder verschlossen, um den Durchzug zu verhindern. Die Schokoladenfabrik wurde 1934/35 geschlossen; das übriggebliebene Verpackungsmaterial diente den Mönchen noch lange Zeit als „Schmierpapier“. 1926 kam es zu einer Klostergründung in Orval, Belgien, die vor allem von dem ehemaligen Cellerar Albert Van der Cruyssen, einem vormaligen belgischen Unternehmer, betrieben und durchgeführt wurde. Sie wurde später von Sept-Fons übernommen und mit den aus Brasilien (Maristella) zurückgekehrten Mönchen besiedelt (1935 Abtei).

Aus gesundheitlichen Gründen trat Abt Jean-Marie zum 21. November 1939 von seinem Amt zurück. 1945 ging er nach Orval, wo er am 5. Februar 1971 im Alter von 88 Jahren starb.

Da nach seinem Rücktritt wegen des Krieges keine Abtwahl möglich war, übernahm der Prior Raymond Planeuf als kommissarischer Oberer die Leitung der Abtei. Erst 1945 wurde mit Étienne Chenevière wieder ein Abt gewählt.

gge


Daten:

Prof.: 29. April 1912; Sac.: 17. Mai 1913; Abbas: el. 2. Dez. 1924, ben. 26. Jan. 1925, res. 21. Nov. 1939; † ; Dev.: Ecce mater tua.

Literatur:

J. H. Willems, H. Lamant, Jean-Yves Conan: Armorial français, ou Répertoire alphabetique de tous les blasons et notices: Cursay-Custines, Band 8, 1975, S. 82 · Dubois, Marie-Gérard et. al.: L'abbaye Notre-Dame de la Trappe. Amis du Perche, [2001], S. 125–129.

Zitierempfehlung: Clerc, Jean-Marie, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 16.4.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Clerc,_Jean-Marie