Court, Eugène

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Eugène Court

Eugène Court OCSO

1. Abt von Acey 1938–1946 und 7. Abt von Aiguebelle 1946–1956

* 01. Mai 1893 Crest, Drôme
† 30. Nov./1. Dez. 1960 Le Cayrol, Aveyron

Eugène Court aus Crest im Département Drôme war während des Ersten Weltkriegs Unteroffizier gewesen und mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. zweimal mit dem Croix de Guerre. Nach der Lektüre der Lebensgeschichte der später heiliggesprochenen Therese von Lisieux legte er am 3. Dezember 1918 seine Orden und Ehrenzeichen auf deren Grab nieder und trat im Juni 1919 in die Zisterzienserabtei strengerer Observanz Aiguebelle ein. Am 21. Mai 1925 zum Priester geweiht, wurde er 1928 Klaustralprior in Aiguebelle und im September 1937 als Oberer einer aus mehreren Mönchen und Konversen bestehenden Gruppe zur personellen Verstärkung in das 1873 von Aiguebelle übernommene Tochterkloster Notre-Dame-d’Acey im Jura geschickt und am 3. Oktober 1938 dort zum ersten Abt gewählt. Nach dem Rücktritt des Vaterabtes Bernard Delauze 1946 wurde Dom Eugène als dessen Nachfolger auf den Abtstuhl von Aiguebelle berufen (12. Dez. 1946).

Dom Eugènes Abbatiat ist neben mehreren Feierlichkeiten (Empfang des Reliquienschreins der heiligen Therese von Lisieux am 24. April 1947, 500-Jahr-Feier der Stadt Montjoyer am 22. Juni 1947, 800-Jahr-Feier des hl. Bernhard von Clairvaux 1953) vor allem durch zwei Dinge geprägt.

Das eine war die von Generalabt Dominique Nogues, der die klösterliche Ruhe und Abgeschiedenheit gefährdet sah, geforderte Verlegung der Distillerie nach Réauville. Mit hohem finanziellem Aufwand wurde dort 1948/49 eine neue Likörfabrik errichtet. Da inzwischen aber der Absatz des Likörs durch ’zivile’ Konkurrenten dramatisch eingebrochen war, wurde der Fabrikneubau zur wirtschaftlichen „Katastrophe“ (Court). Dem Abt blieb nichts anderes übrig, als die Fabrik in Réauville zu schließen, die Produktion nach Aiguebelle zurückzuholen und den größten Teil des Personals zu entlassen. Dieser Rückschlag belastete die Klostergemeinde viele Jahre. Trotzdem konnte Abt Eugène 1953 die 1925 von Abt Bernard Delauze verkaufte Grangie Notre-Dame in Aubagne zurückkaufen und die Arbeit der historischen Kommission des Ordens (Commission d'histoire de l'Ordre de Cîteaux) finanzieren, die ihren Sitz in Aiguebelle hatte und 1953 eine Lebensbeschreibung des hl. Bernhard von Clairvaux (mit einem Vorwort von Thomas Merton) und 1954 die Chartes et document de l'Abbaye de N.-D. d'Aiguebelle herausbrachte.

Die zweite große Unternehmung war die Gründung des ersten Zisterzienserklosters in Schwarzafrika, die Abt Eugène 1950/51 im Auftrag des Generalkapitel vornahm. Nach einer längeren Sondierungsreise, die ihn Anfang 1951 durch den Senegal, Guinea, den Sudan, Obervolta und die Elfenbeinküste führte, gründete Abt Eugène schließlich im Juli 1951 eine Niederlassung in Minlaba, Kamerun (Notre-Dame-d’Afrique). Sie wurde 1955 nach Obout (Notre-Dame-de-Grandselve) und 1968 nach Koutaba verlegt.

Vorzeitig erschöpft und von der Diabetes gezeichnet, legte Eugène Court sein Amt zum 1. August 1956 nieder und wurde Hausgeistlicher der Zisterzienserinnen in Bonneval. Am 27. März 1958 erhielt er für seine Förderung der Résistance in Acey das Kreuz der Ehrenlegion. Er starb in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember 1960 in Bonneval und wurde in Acey beigesetzt. Sein Nachfolger in Aiguebelle wurde der spätere Generalabt Ignace Gillet.

gge


Daten:

Sac.: 21. Mai 1925; Abbas: el. 3. Okt. 1938 (Acey), ben. 18. Okt. 1938, el. 12. Dez. 1946 (Aiguebelle), res. 1. Aug. 1956.

Literatur:

L’Abbatiat de Dom Eugène Court (1946–1956), in: Huit siècles de vie monastique : L'Abbaye de Notre-Dame d'Aiguebelle, 1978, S. 79–81.

Zitierempfehlung: Court, Eugène, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.4.2016, URL: http://www.biocist.org/wiki/Court,_Eug%C3%A8ne