Court, Guillaume

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Guillaume Court OCist

Guillaume Court

lat. Guillelmus Curti

französischer Zisterzienser, Bischof von Nîmes (1337), Erzbischof von Albi (1337), Kardinal (1338)

† 12. Juni 1361 Avignon

Guillaume Court wurde in Belpech im heutigen Département Aude in Frankreich geboren. Seine Profess legte er in der Zisterzienserabtei Boulbonne (Dép. Ariège) ab und studierte Theologie in Paris, wo ihm auf Anweisung Papst Johannes’ XXII. im Mai 1319 der Doktortitel verliehen wurde. Wohl als Zeichen besonderer Wertschätzung übertrug ihm Johannes’ Nachfolger Benedikt XII., selbst Zisterzienser, unter Verletzung bestehender Rechte des örtlichen Konvents das Privileg, die Wahl des zukünftigen Abtes von Fontfroide zu bestätigen und beauftragte ihn mit der Untersuchung von Vorwürfen, die sich gegen Konversen und Oblaten des Klosters von Grandselve richteten.

Am 30. April 1337 wurde er zum Bischof von Nîmes ernannt, doch bereits am 3. Dezember d. J. erfolgte die Translation auf die erzbischöfliche cathedra von Albi. Guillaume zeigte sich um Wiederherstellung und Wahrung erzbischöflicher Rechte bemüht. Der Aufstieg innerhalb der Hierarchie fand seinen Abschluss mit der Kreation zum Kardinalpresbyter tit. SS. Quattro Coronati am 18. Dezember 1338. Vor Inbesitznahme seiner Titelkirche musste der neue Kardinal zunächst die Opposition der Benediktiner überwinden, denen bisher die Sorge um diese Kirche oblegen hatte.

Das Generalkapitel in Cîteaux gewährte dem Kardinal, der aufgrund seines Zisterzienserhabits auch cardinalis albus (weißer Kardinal) genannt wurde, eine jährliche Zahlung von 3000 Florin. Doch auch vor diesem Hintergrund – hinzugerechnet werden müssen Einkünfte aus lukrativem Pfründenbesitz in Spanien – agierte er in seinen Bittschriften (Suppliken) an den Papst um Pfründenzuweisung vergleichsweise bescheiden und supplizierte lediglich um Pfründen in den Bistümern Toulouse, Mirepoix, Agrigent, Gerona und Barcelona. In diesen Bittschriften bezeichnet er sich selbst als protector ordinis (Beschützer des Ordens).

In Avignon logierte Court innerhalb des päpstlichen Palastes in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Papst, wechselte später jedoch in eine eigene Residenz, die Livrée d’Amiens, über. Seine Sommerresidenz befand sich nahe Caumont. Auch unter Clemens VI. setzte sich der brillante Aufstieg des Kardinals fort. Anlässlich seiner Promotion zum Kardinalbischof von Tusculum ehrte ihn der Papst am 25. Oktober 1350 mit einer Ansprache, die – selten bei päpstlichen Predigten der Zeit – ausgesprochen persönliche Züge trägt. Im Oktober 1342 erfolgte die Entsendung zu einer ersten diplomatischen Mission. Der Zweck dieser Legation bestand in der Vermittlung von Friedensverträgen in der Lombardei und dem Schmieden einer Allianz gegen Ludwig den Bayern. Daneben sollten Venedig und andere oberitalienische Städte von der Dringlichkeit eines Kreuzzugs gegen die Türken überzeugt werden. Der Legat kehrte am 30. Oktober 1343 nach Avignon zurück und erfuhr dort die Ehre, in einer Begrüßungsansprache (Collatio) durch den Papst gewürdigt zu werden. Der erzielte diplomatische Erfolg währte jedoch nicht lange. Bereits 1344 musste Clemens VI. die Einhaltung des von Guillaume vermittelten Waffenstillstands im Piemont anmahnen. Seit dem 31. Mai 1348 fungierte der Kardinal bis zu seinem Tod als Kämmerer des Kardinalskollegs. Gute Kontakte unterhielt er zum französischen Königshof: Philipp VI. von Frankreich bezeichnete ihn als seinen besonderen Freund (amicus specialis). 1349 hielt Guillaume Court die Traueransprache auf den Tod von Kardinal Aimeric de Châtelus.

Während des Pontifikates Innozenz’ VI. agierte Court als Wahrer der Orthodoxie. Er war Mitglied der Kardinalskommission, die die Schriften des Erzbischofs von Armagh, Richard Fitz-Ralph, auf Rechtgläubigkeit hin untersuchte. Mit dem in Avignon eingekerkerten Franziskaner Jean de Roquetaillade pflegte er regen Kontakt.

Guillaume Court starb am 12. Juni 1361 in Avignon. Im Collège S. Bernard in Paris, das er bereits zu Lebzeiten großzügigst bedacht hatte, wurde eine jährliche Gedächtnismesse eingerichtet. Die Gründung des Hospitals in seiner Heimatstadt Belpech wird ihm zugeschrieben. Überliefert sind neben der oben erwähnten Totenpredigt einige dem Kardinal zugeschriebene elegische Distichen. Ms 340 aus Darmstadt (fol. 306r–319r) überliefert ein noch unediertes Inquisitionsprotokoll, das Guillaume Court als Vorsitzenden eines 1354 gegen Franciscus de Arquata und Johannes de Castellione geführten Häresieprozesses zeigt.

Guillaume Court nutzte seine Ordenszugehörigkeit als Sprungbrett zu Höherem. Nach seiner Ernennung zum Kardinal sind die Kontakte zum eigenen Orden im besten Falle als sporadisch zu charakterisieren. Darüber können auch seine Titel als „Weißer Kardinal“ (cardinalis albus) und „Ordensprotektor“ (protector ordinis) nicht hinwegtäuschen. Das Ideal persönlicher Armut spielte für Guillaume Court keine Rolle. Gegen ihn gerichtete Vorwürfe, er stehe Geld und Reichtum allzu positiv gegenüber, scheinen angesichts seines in Avignon gepflegten aufwändigen Lebensstils nicht aus der Luft gegriffen.

Kardinal Court war der Prototyp eines Kardinals der zweiten Reihe. Standesbewusst und diplomatisch nur mäßig begabt, fand er seine Bestimmung innerhalb der kurialen Administration, wo er als Kämmerer des Kardinalskollegs und gesuchter Richter in Inquisitionsprozessen agierte.

Ralf Lützelschwab


Lit.:

Art. Guillaume Court (G. Mollat), in: Dictionnaire d’histoire et de géographie ecclésiastiques 13 (1956), Sp. 951–952 · Lützelschwab, Ralf : Flectat cardinales ad velle suum? Clemens VI. (1342–1352) und sein Kardinalskolleg. Ein Beitrag zur kurialen Politik in der Mitte des 14. Jahrhunderts (Pariser Historische Studien, 80), München 2007, S. 231–247, 463–465 (mit umfangreicher Bibliographie) · Ders.: Cardinalis albus – On the Career of the Cistercian Monk Guillaume Court (†1361), in: Cistercian Studies Quarterly 45 (2010) 141–167 · Geschichte des Kardinalats im Mittelalter (Päpste und Papsttum, 39), hg. v. Jürgen Dendorfer, Ralf Lützelschwab, Stuttgart 2011, 237–240, 487.

Zitierempfehlung: Ralf Lützelschwab: Court, Guillaume, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 29.1.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Court,_Guillaume