Dargnies, François

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

François de Paule Dargnies OCSO

François-de-Paule Dargnies

Zisterzienser der Abtei La Valsainte 1793–1808

* 29. Aug. 1761 Abbéville, Picardie
03. Mai 1824 Riaz, Kt. Freiburg, Schweiz

Nicolas-Claude Dargnies war der Sohn eines Advokaten am Parlement von Abbéville. 1786 zum Priester der Diözese Amiens geweiht, war er Kaplan in Abbéville, dann Landpfarrer in Corcelles-sous-Moyencourt. Während der Französischen Revolution emigrierte er im Februar 1793 in die Schweiz und trat an Pfingsten 1793 als P. François-de-Paule in die im Vorjahr von Augustin de Lestrange gegründete Trappistenabtei La Valsainte ein.

In Valsainte arbeitete Dargnies an der Ausarbeitung des von Lestrange erlassenen strengen Regelwerks mit. Als Oberer eines neu zu gründenden Tochterklosters in St. Petersburg ausersehen, reiste er am 7. Oktober 1794 mit P. Urbain Guillet und einem Novizen dorthin ab, musste aber schon nach wenigen Tagen, noch im Kanton Wallis, umkehren und kam nach Valsainte zurück (Knoll 51f.). Vor den heranrückenden französischen Truppen erneut ins Exil gezwungen, machte Dargnies die zweijährige Odyssée der Mönche, Nonnen und Kinder nach Russland und zurück mit (»Odyssée monastique«) und lebte nach der Rückkehr von Oktober 1800 bis Mai 1802 in Darfeld. 1802 kehrte er nach Valsainte zurück. Besorgt über den Zustand der Abtei und unzufrieden mit Abt Lestranges Führung, forderte Dargnies 1807 eine Visitation durch den päpstlichen Nuntius in Luzern und verfasste die Réflexions sur la réforme de la Trappe établie a la Valsainte, die nach Rom gesandt wurden.

Da sich Dargnies als Infirmar (Krankenbruder) um die Pflege der Kranken in der Umgebung kümmerte[1], war er auch außerhalb des Klosters gut bekannt. Nach dem Tod des Pfarrers von Charmey erbaten ihn daher die Gemeindemitglieder vom Freiburger Bischof als Nachfolger für die vakante Pfarrei. Im April 1808 verließ Dargnies das Kloster und übernahm die Pfarrstelle. Um seinen Austritt aus La Valsainte zu rechtfertigen, verfasste er um 1810 seine kritischen Mémoires en forme de lettres (dt. Memoiren in Briefform), mehrere hundert Seiten, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Fribourg erstmals herausgegeben wurden[2].

Angeklagt von einem Käsehändler, den er von der Kanzel aus angegriffen hatte, verlor Dargnies im Februar 1816 sein Amt und wurde schließlich nach Vuippens versetzt. 1821, inzwischen Kaplan an Sainte-Anne in Riaz, veröffentlichte er Dialogue sur la santé, pour le peuple, surtout de la campagne (dt. Gespräch über die Gesundheit : ein Lesebuch für's Stadt- und Landvolk, beide Fribourg, Eggendorffer, 1821). Als 1822 seine Haushälterin, die ihn seit dem Weggang von Valsainte begleitet hatte, schwanger wurde, geriet er in den Verdacht der Vaterschaft, bestritt aber jede Schuld. Er starb am 3. Mai 1824, 63 Jahre alt.

gge

  1. Dargnies hatte sich schon nach seiner Ankunft in Freiburg 1793 als Arzt niederlassen wollen, muss also gewisse medizinische Kenntnisse gehabt haben.
  2. In Mémorial de Fribourg Bd. III (1856) und IV. (1857). Die Originalbriefe, 1926 von Alexis Presse erworben, befinden sich heute im Archiv der Abtei Tamié.

Werke:

Mémoires en forme de lettres pour servir à l'histoire de la réforme de La Trappe établie par dom Augustin de Lestrange à La Valsainte, par un religieux qui y a vécu de 1793 à 1808, avec trois lettres inédites de dom Augustin de Lestrange à l'abbé Antoine-Sylvestre Receveur, hg. von Richard Moreau und Roger Teyssou, Paris : L'Harmattan, 2003.

Literatur:

Mémoires en forme de lettres, Paris 2003. · Knoll, Wilhelm. 30 Jahre Trappistenniederlassung in Darfeld, Aachen 2012, passim.

Normdaten:

GND: 174162561 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Dargnies, François, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 20.12.2015, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Dargnies,_Fran%C3%A7ois

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