Delcourt, Guillaume

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Guillaume Delcourt

Guillaume Delcourt

32. Abt des Klosters Cambron 1561–1572

† 23. Okt. 1572

Guillaume Delcourt, eigentlich Guillaume Moreau, wurde als Sohn des Landwirts Nicolas Moreau und seiner Frau Jeanne Berlant in Ath geboren. Seine Eltern bewirtschafteten den Hof La Court, dessen Namen Guillaume und seine Brüder während der Kollegzeit in Ath annahmen.[1]

Als Landwirtssohn hatte Guillaume Delcourt eine besondere Eignung für die Landwirtschaft und wurde daher als Priester von Abt Jean Beghin als „Trésorier“ mit der Leitung der Wirtschaftsverwaltung der Abtei Cambron beauftragt, die er bis zu Beghins Tod 1561 innehatte. Die Statthalterin der spanischen Niederlande, Margarethe von Parma, übertrug den Äbten Louis de Blois von Liessies und Martin Cuper (oder De Cuyper) von Crespin, Weihbischof in Cambrai, den Vorsitz der Abtwahl, die am 7. September 1561 stattfand. Die Herzogin von Parma und der Abt von Clairvaux bestätigten die Wahl des jungen Prälaten, er war kaum 30 Jahre alt.

Wie auch sein Vorgänger Beghin legte Abt Delcourt großen Wert auf die Einhaltung der monastischen Disziplin. Bei Verstößen verhängte er strenge Strafen. Nachdem er die Finanzen saniert hatte, ließ er einige Bauarbeiten ausführen, wie z.B. die Erweiterung des Gästequartiers, und die Kirche mit einem schönen Alabasterrepositorium ausstatten.

Als die Protestanten unter Ludwig von Nassau-Dillenburg im Mai 1572 die Stadt Mons (Bergen) einnahmen, zog sich der Abt mit einem Teil des Konvents in die Stadtmauern von Ath zurück, wo sie bis zur Rückeroberung durch den Herzog von Alba im September blieben. Seinem späteren Nachfolger Robert d’Ostelart gelang es dabei, auch das Archiv und das Kirchensilber dorthin in Sicherheit zu bringen. Trotz der Katastrophen des Bürgerkriegs fasste Abt Delcour den Plan, das Dormitorium wieder aufzubauen, ein neues Kloster aus behauenem Stein und eine Bibliothek zu bauen, jedoch machte sein Tod seinen Plänen ein Ende.

Der gichtkranke Abt starb am 23. Oktober 1572, im Alter von dreiundvierzig Jahren, und wurde als erster der Äbte im Chorraum der Abteikirche beigesetzt. Hervorgehoben werden seine Tugend, seine Gelehrsamkeit und seine Klugheit.

gge, Sep. 2017

  1. Angeblich, weil die anderen Schüler riefen „Voilà encore ceux del Court!“, wenn die Moreau-Kinder von dem entfernt gelegenen Hof zu spät zum Unterricht kamen.

Daten:

Abbas: el. 7. Sep. 1561; Dev.: Homo sicut fanum, dies eius.[1]

Literatur:

Monnier, Clément: Histoire de l'abbaye de Cambron, in: Annales du Cercle archéologique de Mons XIV (1876), S. 115–117, 287 · Smet, Joseph-Jean de: Cartulaire de l'abbaye de Cambron, in: Monuments pour servir a l'histoire des provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, tome deux, première parte. Bruxelles: M. Hayez, 1869.
  1. Im Französischen (La vie de l’homme est courte) ein Wortspiel mit seinem Namen.

Zitierempfehlung: Delcourt, Guillaume, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 1.10.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Delcourt,_Guillaume