Desvignes, Antoine-Louis

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Antoine-Louis Desvignes

Antoine-Louis Desvignes de La Cerve

letzter Abt von La Ferté 1777–1791

* 27. Dez. 1738 Mâcon
† 27. Aug. 1794 Paris

Antoine-Louis Desvignes de La Cerve wurde am 27. Dezember 1738 als jüngstes der zehn Kinder des Claude-François-Joseph Desvignes de La Cerve, Davayé, Solutré, Pouilly, la Grange du Bois-Maconnais usw. und seiner Frau Marie-Suzanne Bernard geboren und am folgenden Tag auf den Namen Louis Antoine getauft. Sein Großvater Pierre Desvignes de Davayé (1657–1727) hatte die Herrschaft Davayé gekauft und war erster Bürgermeister der Stadt Mâcon gewesen. Zwei von Antoine-Louis’ Schwestern traten in Ordensgemeinschaften ein, zwei Brüder wurden Offiziere der französischen Armee. Ein Neffe, Abel-Jean-Baptiste Desvignes de Davayé (1765–1833), war royalistischer Offizier und von 1815 bis 1830 Bürgermeister von Mâcon.

Antoine Louis wurde in jungen Jahren als Oblate in die nahegelegene Zisterzienserabtei La Ferté-sur Grosne gegeben und erhielt, da es in La Ferté keine Schule gab, seine Schulbildung in einem Internat in oder um Vitry (Poststempel seiner Briefe). Danach trat er in das Noviziat der Abtei ein, studierte in Paris (Collège des Bernardins, Sorbonne) und wurde ebenda zum Priester geweiht.

1763 nach La Ferté zurückgekehrt, war er Cellerar und Prokurator und wurde am 16. Juni 1777 zum Abt gewählt und vom König bestätigt. Nach der Aufhebung der Abtei infolge der Französischen Revolution 1791, zog er sich zunächst in das Herrenhaus von Sermaizey in Laives zurück und ging dann zu seiner verwitweten Schwägerin Marie-Anne de Lamartine d’Hurigny de Davayé nach Mâcon.

Da er den Eid auf die Zivilverfassung für den Klerus nicht leisten wollte, wurde Dom de La Cerve im April 1793 zunächst unter Hausarrest gestellt, im folgenden Jahr aber nach einer Denunziation verhaftet und wegen Unterschlagung von Nationaleigentum[1] vor dem Distriktsdirektorium in Mâcon angeklagt. Am 8. Floréal (27. April) wurde er zum Prozess vor dem Revolutionstribunal nach Paris gebracht. da er auf der langen Reise (er kam erst im Juli dort an) schwer erkrankt war, wurde er nicht in das zum Revolutionsgefängnis umgewandelte Collège du Plessis („Maison Égalité“) gebracht, sondern in die zugehörige, in einem Teil des ehemaligen erzbischöflichen Palais eingerichtete Krankenstation (Hospice national)[2] Dort starb er am 10. Fructidor II.[3]

gge, Nov. 2017

  1. Man hatte bei einer Wohnungsdurchsuchung Geld, Wertgegenstände und Urkunden aus dem Besitz der Abtei La Ferté bei ihm gefunden, außerdem Briefe und Schriften mit antirevolutionärer Gesinnung.
  2. Über das Hospice siehe: Legrand, [Léon-Frédéric]: L'Hospice national du Tribunal révolutionnaire, Paris, 1890, 43 p., in: Revue des questions historiques 48 (1er juillet 1890), S. 133–173.
  3. Lt. Montarlot, S. 243, am 30. Thermidor (17. August).

Daten:

Abbas: 16. Juni 1777.

Literatur:

Guillo, Gaëtan; Amic, Antonin: Le dernier abbé de La Ferté-sur-Grosne, Antoine-Louis Desvignes de la Cerve (1730–1793). Ligugé: Imprimerie E. Aubin, 1908 (auch in Revue Mabillon 3 (1907), S. 239–263 und 357–389 · Montarlot, Paul: Les Accusés de Saône-et-Loire aux tribunaux révolutionnaires (fin), in: Mémoires de la Société Éduenne. Société éduenne (Autun, Saône-et-Loire) 29 (1901), S. 239–243.

Zitierempfehlung: Desvignes, Antoine-Louis, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 30.11.2017, URL: http://www.biocist.org/wiki/Desvignes,_Antoine-Louis