Durrus, Matthias

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Matthias Durrus

Matthias Durrus

Abt des Klosters Villers-Bettnach 1591–1614

† um 1624

Matthias Durrus wurde im Oktober 1591, nach dem Rücktritt oder der Absetzung seines Vorgängers Matthias Metzinger, zum Abt der Zisterzienserabtei Villers-Bettnach in Lothringen gewählt. Über seine Herkunft und sein Vorleben ist nichts bekannt, sein Name erscheint zum erstenmal im Wahlprotokoll. Wahrscheinlich stammte er aus einer Bauernfamilie, die lange Höfe des Klosters bewirtschaftete. Ein Nicolas Durrus war 1676 bis 1680 Bürgermeister von Hickange; ein anderer Nicolas Durrus war 1664 Bauer in Petite-Villers (Nidange). Zur Zeit des Abtes Durrus war ein Nicolas Durrus Bauer in Bibiche. Wann Abt Durrus bestätigt und benediziert wurdee, ist ebenfalls unbekannt; überliefert sind nur die Kosten der Installation mit 1600 Franc.

Der neue Abt übernahm die Abtei in schlechtem Zustand. Die Schäden, die sie wenige Jahre zuvor im Krieg zwischen der königstreuen Stadt Metz und dem ligistischen Herzog Karl III. von Lothringen erlitten hatte (die Abtei lag im Kriegsgebiet), waren noch nicht beseitigt: die Altäre waren zerstört, die Fenster entfernt, um an das Blei zu gelangen, aus demselben Grund war das Dach abgenommen, wobei ein Teil des Dachstuhls eingestürzt war; aus dem Turm waren vier Glocken entfernt, die Turmuhr abmontiert (Trapp, S. 145). Bei einem nicht näher bezeichneten Überfall waren 120 Stück Vieh und 80 Pferde entwendet worden. Alle Räume waren geplündert, Ställe und Scheunen zerstört, die Holzvorräte weggebracht, auch mehrere Klosterhöfe überfallen und dort ebenfalls Vieh und Getreide konfisziert. Viele Güter waren durch den Verlust des 1552 abhanden gekommenen und 1560 nur lückenhaft wiederhergestellten Cartulars komplett verloren.

Auch innerhalb des Konvents hatte Abt Durrus Widerstände zu überwinden. Sein Vorgänger Matthias Metzinger hatte 1580 in der Person des Dom Remi Pichart einen Koadjutor bestellt, der seine Rechte auf die Abtei nicht aufgeben wollte und 1595, nach Intervention des Generalabtes Edmond de la Croix von Cîteaux, mit einer Pension abgefunden wurde, für die die Abtei ein Darlehen aufnehmen musste. Kreditfinanziert war auch der langsame und zähe Wiederaufbau. Dabei waren nicht nur die laufenden Kosten (u.a. Steuern) zu decken, sondern auch die von seinen Vorgängern übernommenen Schulden abzutragen. Mit Gottvertrauen gingen die Mönche an die Arbeit und bis 1605 waren die Gebäude wiederhergestellt. Auch der reguläre Gottesdienst war wieder aufgenommen worden, die Kirche repariert und mit neuen Altären ausgestattet worden. Für 700 Francs hatte Abt Durrus in Trieux vier neue Altarbilder anfertigen lassen. Auch die Glocken und die Turmuhr konnten ersetzt werden. Genauso wie das Kloster selbst wurden auch die Grangien als Haupteinahmequelle wiederhergestellt, neu strukturiert und verpachtet. Darüberhinaus wurden Anstrengungen unternommen, verlorengegangene Güter und Renten wieder an das Kloster zu bringen. Mit den gestiegenen einnahmen war es möglich, die Schulden zu tilgen. In diese Zeit fällt auch die Gründung dreier Ortschaften: La Petite Villers, Saint-Hubert und Belle-Fontaine. Jahr für Jahr wuchs auch die 1595 nur noch aus sieben Religiosen und dem Abt bestehende Mönchsgemeinschaft wieder an. 1605 bestand der Konvent aus elf Mitgliedern. Um für Kriegsfälle mit einem Exil gewappnet zu sein, ließ Abt Durrus in Sierck ein neues großes Haus für die Mönche bauen.

In der Leitung des Zisterzienserordens war Abt Durrus nicht ohne Einfluss. Zweifellos gehörte er zu der Anfang des 17. Jahrhunderts aufkommenden Reformbewegung um Edmond de la Croix in Cîteaux, Denis Largentier in Clairvaux und Bernard de Montgaillard im nahegelegenen Orval. 1601 und 1609 wählte ihn das Generalkapitel zum Definitor und beauftragte ihn 1612 mit der Visitation der Zisterzen in Deutschland (in Himmerod war er schon 1598 mit Denis Largentier gewesen).

Während seiner Visitationsreise durch Deutschland wurde Durrus in Rom verschiedener Vergehen angeklagt (verleumdet) und legte daraufhin sein Amt 1614 nieder. Er lebte dann mit einer Pension versehen in Sierck, von wo aus er in Rom erfolgreich seine Rehabilitation betrieb. Über sein Lebensende ist nichts bekannt, auch kein Todesdatum. Möglicherweise starb Durrus um 1624. Er war der letzte Regularabt von Villers-Bettnach. Nach ihm begann die Zeit der Kommendataräbte, die mit Unterbrechung bis zur Auflösung des Klosters 1790 dauerte.

gge, Mai 2018


Daten:

Abbas: el. Okt. 1591, res. 1. Feb. 1614.

Literatur:

Jean B. Kaiser: Mathias II. Durrus, abbé de Villers-Bettnach, in: Annuaire de la Société d'Histoire et d'Archéologie de la Lorraine (ASHAL) 20 (1920), S. 143–187 · Trapp, Thomas: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter. Saarbrucken: SDV Saarbrucker Druckerei und Verlag, 1996 (zgl. Dissertation Philosophische Fakultät, Universität des Saarlandes, 1993.

Zitierempfehlung: Durrus, Matthias, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 29.5.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Durrus,_Matthias