Fölsch, Leopold

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Leopold Fölsch

Leopold Fölsch

33. Abt des Zisterzienserstiftes Neuberg 1671–1700

* 1635 Graz, Steiermark
† 29. Sep. 1700 Bad Fischau-Brunn, Niederösterreich

Leopold Fölsch wurde 1635 in Graz geboren und legte wahrscheinlich 1661 die Profess im Zisterzienserstift Neuberg ab. Vor seiner Wahl zum Abt am 8. September 1671 war er Ökonom (Wirtschaftsverwalter) des Klosters gewesen.

Während seiner Amtszeit wurden (Nieder-)Österreich und die Steiermark 1673, 1679/80 und 1691 von Seuchen heimgesucht; dazu kamen während der zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683 türkische Streifscharen bis in die Gegend von Reichenau und verwüsteten einen Großteil der Besitzungen. Für die Wiedererrichtung der zerstörten Pfarrhöfe, Kirchen und Wirtschaftsgebäude musste Abt Leopold bis 1698 insgesamt 125.000 Gulden aufwenden. Allein der Wiederaufbau des Neubergerhofes in Wien verschlang 76.000 Gulden, brachte aber dennoch keinen Gewinn. Als außerordentlich kostspielig erwies sich auch der Betrieb des Kupferbergwerks am Rabenstein und die 1690 auf Initiative des Priors Gottfried Haller erfolgte Wiedereröffnung des Eisenbergbaus samt Errichtung eines neuen Schmelz- und Hammerwerks in der Krampen. 1699 ließ sich Abt Leopold ein Privileg für den Abbau von Eisenerz am Knappenberg oberhalb von Edlach ausstellen.

Möglicherweise war die steigende Schuldenlast der Anlass, warum sich Abt Leopold von 1685 an immer mehr der Alchemie verschrieb und versuchte mit Hilfe eines unbekannten Laboranten in der Feste Reichenau, wo er sich fast ständig aufhielt, aus Silber Gold zu machen. Diese Experimente verschlangen nicht nur einen Großteil des Silbergeschirrs, sondern auch tausende von Gulden, sodass sich der Schuldenstand auf 200.000 Gulden erhöhte. Die Situation eskalierte schließlich so sehr, dass Prior Haller und die Mehrheit des Konvents am 25. Februar 1698 den Vaterabt Marian Schirmer von Heiligenkreuz um eine Visitation baten. Diese wurde am 30. Juni 1698 gemeinsam mit dem Regierungskommissar Markowitsch durchgeführt und erbrachte schwere Vorwürfe gegen den Abt (er soll im Konkubinat gelebt haben) und große Misstände im Kloster. Ein Weiteres tat der Klosterbrand vom 20. August 1699, der nach Angaben des Abtes Martin Prunmayr das halbe Kloster zerstörte, sodass im September 1699 eine weitere Regierungskommission unter der Leitung des Grafen Philipp von Inzaghi (Vater des Benediktinerabtes von St. Lambrecht, Eugen Graf Inzaghi) nach Neuberg abgeordnet wurde.

Aufgrund des Berichts dieser Kommission wurde Abt Leopold durch den Vaterabt Marian veranlasst, sein Amt Ende Februar 1700 zurückzulegen. Er zog sich auf den Freihof Fischau zurück, wo er noch im selben Jahr, am 29. September 1700, starb. Die geistliche und wirtschaftliche Verwaltung der Abtei übernahm Abt Marian Schirmer (1. März 1700 bis 28. Feb. 1701), bis am 9. April 1701 Martin Prunmayr zum Abt von Neuberg gewählt wurde. Das von Abt Gottfried Haller beauftragte Epitaph für Abt Leopold Fölsch befindet sich in der Abteikirche.

Aus Abt Leopolds Zeit stammen das Bildnis des hl. Robert von Molesme im Nordschiff der Abteikirche und das des hl. Edmund von Abingdon an der Südwand, außerdem die Reliquienschreine des Annenaltares (datiert 1692). Die Holzbalustrade der großen Westempore trägt sein Wappenschild und das seines Vorgängers Johann Ludwig Holtz.

gge, März 2019


Daten:

Abbas: el. 8. Sep. 1671, res. 27. Feb. 1700.

Literatur:

Pichler, Franz Sales: Die Habsburger Stiftung Cistercienser Abtei Neuberg in Steiermark, Wien 1884 · Lindner, Pirmin: Monasticon metropolis Salzburgensis antiquae, Band 2, 1908, S. 87 · Pickl, Othmar: Geschichte des Klosters und der Marktgemeinde Neuberg an der Mürz. Selbstverlag der Gemeinde Neuburg an der Mürz, 1996, S. 130–134 · Unger, Arnvid: Epitaphe im ehemaligen Zisterzienserstift Neuberg an der Mürz, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 97 (2006), 67–122.

Zitierempfehlung: Fölsch, Leopold, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 4.3.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/F%C3%B6lsch,_Leopold