Favre, Bernard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bernard Favre OCSO

Marie-Bernard Favre OCSO

1. Abt von Consolation 1891–1900

* 17. Aug. 1854 Thoissey (Ain)
05. Juli 1900 Kloster Consolation (China)

Bernard Favre, Taufname Laurent, wurde am 17. August 1854 als fünftes Kind des Ehepaares Antoine Favre und Marie Granger geboren und am 20. April getauft. Taufpate war Laurent Dubost, Ehemann von Cécile Favre, der Schwester des Vaters. Die Familie war nicht wohlhabend, der Vater ein sog. Kleinverdiener; bei den Taufeinträgen der Kinder wird sein Beruf als Gastwirt, Drechsler oder Tagelöhner angegeben. Er starb am 16. Dezember 1860, die Mutter einen Monat später, am 19. Januar 1861. Der sechsjährige Laurent kam dann zu seinem Paten Laurent Dubost nach Lyon. Sein Berufswunsch war General oder Missionar; beides fand nicht die Zustimmung seines Paten.

Gegen dessen Willen trat Laurent Favre am 4. September 1868, vierzehnjährig, in die reformierte Zisterzienserabtei Grâce-Dieu ein. Warum dort und nicht in die nähergelegenen Abtei Dombes, ist nicht bekannt. Da er noch zu jung für ein Noviziat war, wurde er als Oblate aufgenommen und schloss seine Schulausbildung ab. Am 15. August 1871 wurde er als Novize eingekleidet und legte am 15. August 1873 die ersten Gelübde an, denen am 16. August 1876 die feierliche Profess folgte. 1879 zum Priester geweiht, erhielt er trotz seiner Jugend das Amt des Cellerars.

Zur Zeit der Vertreibungen 1880 zog seine Gemeinschaft ins Exil nach Österreich (Neudorf), aber er ging nicht mit und seine Spur verliert sich für einige Jahre. Am 14. Dezember 1883 stieß er zu der von Dom Ephrem Seignol, dem Prior von Tamié, geführten Gründungskolonie in Yang-Kia-Ping bei Peking (China) Dort beteiligte er sich am Aufbau des Klosters Notre-Dame de La Consolation), das am 16. Juni 1884 eingeweiht wurde und schon bald auch chinesische Novizen aufnahm. 1886 schickte ihn Dom Ephrem zum Generalkapitel der Kongregation (von Sept-Fons). Dort wurde das neue Kloster, dessen Paternität die Abtei Sept-Fons übernommen hatte, in den Rang eines Priorats erhoben und Favre zum Titularprior ernannt. Der so in die Reihe der Mönche verwiesene Dom Ephrem fügte sich widerspruchslos. Auf dem Generalkapitel vom 8. Mai 1891 zum ersten Abt von N.-D. de la Consolation ernannt, erhielt Favre in Sept-Fons von Bischof de Dreux- Brézé von Moulins die Benediktion und schiffte sich am 21. Februar 1892 in Marseille wieder ein (Miss.Cath. 1892, S. 99).

1895 wieder nach Frankreich gereist, stellte er dem Generalkapitel seine Idee einer Klostergründung in Japan vor. Authorisiert, ein Männer- und ein Frauenkloster in Japan aufzubauen, besuchte er die französischen und belgischen Trappistenklöster, um Freiwillige für sein Gründungsprojekt anzuwerben, die sich aber nur spärlich fanden. Ende September 1896 reiste er mit einigen Freiwilligen nach Asien zurück und gründete das Männerkloster Notre-Dame-duPhare (U.L.F. vom Leuchtturm) in Tobetsu, Japan, wo am 29. Oktober 1896 das reguläre Klosterleben aufgenommen wurde. Zwei Jahre danach gründete Abt Favre mit Schwestern aus dem französischen Kloster Ubexy das Frauenkloster Tenshien (21. November 1898). Die Paternität über beide Gründungen übernahm Abt Vital Lehodey von Briquebec.

Im Jahr 1900 zählte der Konvent von Consolation über 70 Mönche. Abt Favre hatte noch weitere Tochtergründungen vor, jedoch machte sein früher Tod allen Plänen ein Ende. Am 19. April 1900 zu Weihe des Koadjutorbischofs Stanislas-François Jarlin nach Peking gereist, kehrte er mit einer Gangrän in sein Kloster zurück, wo er am 5. Juli 1900 starb. Sein Nachfolger wurde Maur Veychard.

gge, März 2010, rev. Juli 2018


Daten:

Vest.: 15. Aug. 1871; Prof.: 15. Aug. 1873, 16. Aug. 1876; Prior tit.: 10. Aug. 1886 – 8. Mai 1891; Abbas: nom. 8. Mai 1891; Dev.: Ut in omnibus glorificetur Deus.

Bibliographie:

Cte. de Saint-Saud: Armorial des prélats français du XIXe siècle. Paris : Daragon, 1906 · Auguste Limagne: Les Trappistes en Chine. Paris: J. De Gigord, 1911 · Goutagny, Etienne: Un dombiste moine-missionnaire, Dom Bernard Favre (1854–1900), in: Dombes. Revue de l’Académie de la Dombes, Nr. 13, Herbst 1993.

Zitierempfehlung: Favre, Bernard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 10.7.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Favre,_Bernard