Fiderer, Eugen

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Eugen Fiderer OCist

Eugen Fiderer OCist

40. Abt des Zisterzienserstiftes Stams 1949–1968

* 24. Feb. 1894 Emerkingen, Württemberg
† 16. Feb. 1973 Monte Rosso, Italien

Josef Aloys Fiderer wurde am 24. Februar 1894 als jüngstes der neun Kinder des Schneidermeisters Josef Fiderer und seiner Frau Klara geb. Friton in Emerkingen, Württemberg, geboren. Er besuchte die Volksschule in seinem Heimatort (1900–1904) und die Lateinschule in Munderkingen (1904–1907). 1907 trat er in die Zisterzienserabtei Sittich (Stična) im heutigen Slowenien ein, 1910 begann er dort sein Noviziat. 1916 durch Erzbischof Sedej von Görz zum Priester geweiht, war er von 1918 bis 1943 Novizenmeister, von 1921 bis 1924 auch Präfekt der Studenten. Danach leitete er drei Jahre als Rektor das Studienhaus in Laibach (Ljubljana).

1943 musste er infolge der Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs Sittich verlassen und ging nach Spanien, wo er sich am Wiederaufbau des 1835 säkularisierten Königsklosters Poblet beteiligte und ein Buch ins Deutsche übersetzte[1]. 1946 von der Ordensleitung zum Oberen des Klosters Stams in Tirol ernannt, reiste Fiderer dorthin und übernahm das Kloster von dessen Verwalter P. Alberich Gerards.

Stift Stams war 1938 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und 1939 aufgelöst worden. Die Gebäude dienten während des Zweiten Weltkriegs als Umsiedlungsheim für Auswanderer aus Südtirol, die Stiftskirche als Lagerhalle. 1945 war das Kloster zunächst von amerikanischen, dann französisch-marokkanischen Besatzungstruppen besetzt worden. Von der ehemals blühenden Abtei waren nur noch die leeren, mit grünbrauner Tarnfarbe übertünchten Gebäude übrig, sämtliches bewegliche Gut, darunter ganze Wagenladungen wertvoller Stilmöbel, waren geplündert, der Konvent in alle Winde zerstreut. Einige Stamser Mönche kehrten nach dem Abzug der Besatzungstruppen ins Stift zurück, dazu kamen mehrere aus Sittich vertriebene Zisterzienser, ohne die die Wiederbelebung des Klosters nicht möglich gewesen wäre. Zu ihnen gehörten Eugen Fiderer und der spätere Abt Bernhard Slovsa. Am 1. Juli 1946 übernahm Eugen Fiderer als Prior die Leitung und begann mit dem zähen, aber stetigen Wiederaufbau. Am 1. Oktober 1949 wurde er zum Abt gewählt und erhielt am 9. Oktober durch (Weih-)Bischof Paulus Rusch von Innsbruck die Benediktion.

Am 15. Oktober 1949 eröffnete Abt Eugen im sog. »Fürstentrakt« die private Maturaschule für Spätberufene mit angeschlossenem Internat, die 1961 in eine fünfklassige Aufbaurealschule mit Öffentlichkeitsrecht umgewandelt wurde. Sie sicherte dem Stift und der Diözese Innsbruck viele Jahre den Priesternachwuchs. 1962/63 erhielt sie einen gymnasialen Zweig; gleichzeitig wurde im ehemaligen Bibliothekstrakt das Internat Meinhardinum für 120 Schüler gebaut. 1965 folgten die Turnhalle und das Hallenbad. Auch das 1967 eröffnete Skigymnasium und die neue Hauptschule in Stams gehen auf Abt Eugens Initiative zurück.

Die Patronatsrechte und -pflichten des Stiftes konnte der Abt an die Diözese Innsbruck abgeben, ebenso die im 18. Jahrhundert von Abt Vigilius Kranicher übernommene Pfarrei Seefeld (Okt. 1949). Durch eine Grundzusammenlegung von 250 Hektar beendete Abt Eugen jahrhundertealte Pachtverhältnisse und machte so aus 68 Stamser Bauern Grundeigentümer; 32 bauwilligen Bürgern stellte er zu günstigen Konditionen ehemaliges Stiftsland als Baugrund zur Verfügung. In der so entstandenen Siedlung ist, ebenso wie in seinem Geburtsort, eine Straße nach ihm benannt. Das Land Tirol zeichnete Eugen Fiderer mit dem Ehrenzeichen des Landes Tirol aus.

1968 aus Altersgründen resigniert, verbrachte Eugen Fiderer seinen Lebensabend in Untermais/Meran, wo er noch fünf Jahre in der Seelsorge tätig war. 1971 besuchte er zum letzten Mal seine Heimatgemeinde. Er starb am 16. Februar 1973 während eines Erholungsurlaubes in Monte Rosso, Italien, und wurde am 24. Februar, seinem 79. Geburtstag, in Stams beigesetzt, seinem Wunsch gemäß in der Blutskapelle vor dem Bildnis der von ihm verehrten »Mutter vom guten Rat«.

gge


  1. Carlos Maria de Heredia: Fuenta de energia. Deutsche Ausgabe: Eine Quelle der Kraft : Vom Bittgebet, das Berge versetzt. Übersetzt von Eugen Fiderer; Innsbruck ; Wien ; München : Tyrolia, 1952.

D:

Vest.: 14. Aug. 1910; Prof.: 15. Aug. 1911; Sac.: 12. Juli 1916; Abbas: el. 1. Okt. 1949, ben. 9. Okt. 1949, res. 8. Juli 1968.

Q:

Stift Stams (Hg.): 700 Jahre Stift Stams 1273–1973. Stams 1973. · Mitteilungen der Familie.

Normdaten:

GND: 105804827 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Fiderer, Eugen, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.1.2013, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Fiderer,_Eugen