Fontgombault

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Fontgombault

BMV de Fontgombault
Ort: Fontgombault, Dép. Indre, Frankreich
Observanz: OCSO
gegründet: 1849
aufgehoben: 1905
Mutterabtei: Bellefontaine (1849–1852), Melleray (1852–1905)

Notre-Dame de La Trappe de Fontgombault, ehem. Abtei der Zisterzienser der strengeren Observanz (»Trappisten«); gegründet 1849 von Bellefontaine, 1852 Wechsel der Paternität nach Melleray; 1859 Abtei, 1905 aufgehoben.

Geschichte

Fontgombault entstand aus einem Oratorium, gegründet 1091 bei der Einsiedelei des Eremiten Gumbald, das zum Ausgangspunkt einer Klostergründung wurde. 1141 wurde der Chor der Abteikirche geweiht. Im Hundertjährigen Krieg wurde Fontgombault zerstört und 1501 Kommende. 1741 wurde das Kloster aufgehoben und den Lazaristen übergeben, die es bis 1786 besaßen. Nach der Französischen Revolution war es teilweise zerstört und verfallen (LThK3, Bd. 3, Sp. 1348–49).

1849 wurden die verbliebenen Gebäude von reformierten Zisterziensern („Trappisten“) der Abtei Bellefontaine unter der Führung des Abtes Augustin de La Forest-Divonne wiederbesiedelt. Am 1. November 1849 nahm er das Kloster in Besitz und am 21. Mai 1850 wurde die aus 12 Mönchen bestehende Gründungskolonie feierlich eingeführt. 1851 wurde eine Strafgefangenenkolonie mit 40 jungen Sträflingen eingerichtet (Colonie agricole), die in der Landwirtschaft arbeiteten und zu landwirtschaftlichen Fachkräften ausgebildet wurden. 1852/53 wurde das Kloster von Mönchen der Abtei Melleray übernommen, 1854 das Refektorium fertiggestellt und 1857 der Hauptaltar geweiht. Mit Dekret vom 11. Februar 1859 wurde das Priorat zur Abtei erhoben und am 23. September 1859 Dom Dosithée Pellan von Melleray zum ersten Abt gewählt.

Während Dom Dosithées Amtszeit blühten Abtei und Landwirtschaft weiter auf. 1865 bestand die Sträflingskolonie aus 211 und 1875 aus 388 Gefangenen. Während der Amtszeit des zweiten Abtes Albéric Baranger (reg. 1878–1902) kam es durch das religionsfeindliche Klima der dritten französischen Republik zu massiven Einschränkungen (1880 Abzug der Gefangenenkolonie, hohe Steuerbelastung, 1899 Unterbrechung der Kirchweihe durch die Polizei), die das Kloster in seinem Bestand gefährdeten. 1903 emigrierte daher eine Gruppe von zwanzig Mönchen in die USA, wo sie in Oregon eine Neugründung versuchten (Our Lady of Jordan). Unter der Leitung des dritten und letzten Abtes Fortunat Marchand (el. 11. Okt. 1902) wurde das Kloster schließlich aufgehoben und zur Bedienung der Gläubiger verkauft. Dom Fortunat folgte seinen Mönchen nach Amerika, wo er 1913 starb. Die Niederlassung in Jordan wurde 1909/10 aufgelöst.

In den Klostergebäuden wurde zunächst eine Knopffabrik eingerichtet, während des Ersten Weltkriegs dann ein Lazarett für die belgische Armee. Von 1919 bis 1948 dienten sie als Spätberufenenseminar der Diözese Bourges. Im September 1948 wurde Fontgombault von Benediktinern der Abtei Solesmes wiederbesiedelt und ist seit 1953 wieder Abtei. 1971 gründete Fontgombault das Tochterkloster Randol (1981 Abtei), 1975 Cricigliano bei Florenz (geschlossen 1990), 1984 Triors bei Romans-sur-Isère (Drôme), 1994 Gaussan und 1999 Clear Creek in Oklahoma, USA (2010 Abtei).

Äbteliste

Nr. Name Amtszeit
1. Dosithée Pellan 1860–1878
2. Albéric Baranger 1878–1902
3. Fortunat Marchand 1902–1905

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Zitierempfehlung: Fontgombault, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 9.8.2015, URL: http://www.biocist.org/wiki/Fontgombault