Göldlin, Nikolaus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Nikolaus Göldlin von Tiefenau

Nikolaus Göldlin, Edler von Tiefenau

Abt der Klöster Tennenbach 1664–1679 und Wettingen 1676–1686

* 12. Jan. 1625 Luzern
† 15. Feb. 1686 Wettingen

Nikolaus Göldlin von Tiefenau war der Spross einer bekannten Luzerner Patrizierfamilie, die nach ihrem Stammsitz Tiefenau bei Sinzheim benannt war. Er wurde am 12. Januar 1625 als Sohn des Offiziers in französischen Diensten Renwart Göldlin und der Margareta Pfyffer von Altishofen in Luzern geboren und auf den Namen Walter getauft. Nach dem Besuch des Jesuitenkollegs in seiner Heimatstadt Luzern 1640 unter Abt Christoph Bachmann in die Zisterzienserabtei Wettingen eingetreten, legte er am 22. September 1641, erst 16 Jahre alt, als erster Professe vor Abt Nikolaus von Flüe die Gelübde ab und erhielt daher den Ordensnamen Nikolaus. Das Subdiakonat empfing er am 26. Mai 1646 im Kloster Fischingen OSB durch den Nuntius Laurentius Gavotti, die Diakonatsweihe am 6. April 1647, die Priesterweihe am 20. März 1649 in Luzern durch den Nuntius Francesco Buccapaduglio. Danach studierte er drei Jahre lang die Rechte in Freiburg i. Breisgau.

Am 26. September 1652 wurde er zum Pfarrer in Dietikon ernannt. Am 14. August 1654 wurde er, noch nicht 30 Jahre alt, Prior und Präses, in welcher Stellung er bis Dezember 1657 blieb. Vom Dezember 1657 bis 1660 war er wieder Pfarrer in Dietikon und wurde am 16. Oktober 1661 Beichtiger im Kloster Frauental, nachdem er schon im November 1660 zum Statthalter in Walterswil ernannt worden war.

Am 17. Mai 1664 postulierte ihn der Konvent des Zisterzienserklosters Tennenbach im Schwarzwald auf Vorschlag des Generalvikars Edmund Schnyder von St. Urban zu seinem (33.) Abt. Als solcher wurde er am 29. Juni 1664 in Wettingen von Abt Schnyder benediziert. Seine Aufgabe in Tennenbach war es, das durch den Dreißigjährigen Krieg sehr in Mitleidenschaft gezogene Kloster zu reformieren, bessere Bildungsmöglichkeiten für die Mönche zu schaffen (u.a. in Wettingen) und auch für die vier Tennenbach affiliierten Frauenklöster zu sorgen. Durch Tausch mit der alten Benediktiner-Reichsabtei Schuttern bei Lahr brachte er den Wöpplinsberger Hof in Mundingen an Tennenbach. Im Tennenbacher Münster ließ Göldlin eine neue Orgel einbauen, außerdem ließ er den vom Dreißigjährigen Krieg in Mitleidenschaft gezogenen großen Tennenbacher Hof in Freiburg samt Scheune neu erbauen. 1667 nahm er am Generalkapitel in Cîteaux teil und assistierte am 30. Oktober 1668 bei der Primizfeier des badischen Markgrafen und späteren Kardinals Gustav-Adolf-Bernhard in Baden-Baden.

Als Abt Marian Ryser von Wettingen auf seine Würde verzichtete, wurde Abt Nikolaus Göldlin von Tennenbach bei der Wahl am 5. September 1676 unter dem Vorsitz des Vaterabtes Anselm Muotelsee von Salem im ersten Wahlgang einstimmig zum Abt von Wettingen postuliert, als solcher aber erst am 17. Oktober 1677, dem Kirchweihfest, feierlich installiert, nachdem die päpstliche Bestätigung im September 1677 schließlich eingetroffen war. Man war in Rom der irrigen Ansicht gewesen, dass es einer solchen Bestätigung nicht mehr bedürfe, da Nikolaus Göldlin bereits Abt sei. Auf Wunsch des Tennenbacher Konventes behielt Göldlin mit Genehmigung des Generalabtes noch drei Jahre als Administrator die Leitung des Klosters Tennenbach bei, bis dort im August 1679 unter seiner Leitung mit Robert Handtmann ein neuer Abt gewählt werden konnte. Am 5. Juli 1677 wurde er in Olten anstelle des verstorbenen Abtes Edmund Schnyder zum Generalvikar der Zisterzienserklöster in der Schweiz, im Elsass und im Breisgau gewählt. Beim Generalkapitel 1683 war er einer der Confessarii Capituli Generalis und hielt am 19. Mai das feierliche Requiem. Am 30. August nahm er am Nationalkapitel der Oberdeutschen Kongregation in Salem teil.

Während seiner zehnjährigen Regierungszeit in Wettingen versuchte Abt Göldlin als Grund- und Gerichtsherr, wie auch schon in Tennenbach, die Rechts- und Besitzverhältnisse des Klosters zu klären. In diesem Zusammenhang wurde auch mit den Arbeiten zur Urkundensammlung „Archiv des hochlöblichen Gottshauses Wettingen“ begonnen, die unter seinem Nachfolger Ulrich Meyer gedruckt wurde. Die alte Muttergotteskapelle im Abteistock und die St.-Annakapelle ließ er restaurieren, beschaffte silberne Statuen für die Altäre und richtete über dem Sommerrefektorium (Speisesaal) einen großen Studiensaal für die Kleriker ein. Der von ihm angestrebte Verkauf der Walterswiler Güter wurde durch ein Veto des Generalabtes verhindert.

Abt Nikolaus Göldlin starb am 15. Februar 1686, nachmittags fünf Uhr, nach langer schmerzhafter Krankheit und wurde im Mittelschiff der Wettinger Klosterkirche begraben, weshalb er der einzige der 42 Tennenbacher Äbte ist, dessen Grab sich bis heute erhalten hat.

gge, Okt. 2009, rev. Juli 2018


Daten:

Prof.: 22. Sep. 1641; Sac.: 20. März 1649; Abbas: el. 17. Mai 1664 (Tennenbach), el. 5. Sep. 1676 (Wettingen), ben. 29. Juni 1664.

Literatur:

Arnold, Adalrich: Nikolaus Göldlin von Tiefenau, Abt zu Tennenbach-Wettingen (1625–1686), Bregenz, 1933 (Separatdruck aus Cistercienser Chronik 45 (1933), S. 1–11, 44–48, 77–84, 105–113) · Willi, Dominikus: Album Wettingense: Verzeichnis Der Mitglieder Des Exemten Und Konsistorialen Cistercienser-Stiftes B. V. M. de Marisstella Zu Wettingen-Mehrerau 1227–1904. Limburg a. d. Lahn, Limburger Vereinsdruckerei, 1904, Nr. 616 · Ders.: Zur Geschichte des Klosters Wettingen-Mehrerau, in: Cistercienser Chronik 14 (1902), S. 153–155 · Helvetia Sacra III/3, S. 477–478.

Normdaten:

GND: 1012266923 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Göldlin, Nikolaus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 2.12.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/G%C3%B6ldlin,_Nikolaus