Galbiers, Bernhard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bernhard Galbiers

Bernhard Galbiers

letzter Abt des Zisterzienserstiftes Rauden 1798–1810

* 17. Nov. 1746 Trenkowitz
† 16. Juli 1819 Ratibor

Abt Bernhard (Andreas) Galbiers wurde 1746 in Trenkowitz bei Gleiwitz geboren. Er besuchte die Lateinschule der Zisterzienser in Rauden und studierte drei Jahre Philosophie in Breslau. 1771 trat er in die Zisterzienserabtei Rauden ein, studierte dort Theologie bei P. Nepomuk Sczyrba und wurde 1776 von Weihbischof Johann Moritz von Strachwitz in der Abteikirche zum Priester geweiht.

Als junger Priester teilte P. Bernhard Galbiers einige Zeit den Armen an der Pforte Speise aus und wirkte als Kaplan an der Stiftskirche. 1780 wurde er Weinkellermeister, 1781 Professor der Philosophie, 1783 Subprior und 1792 Prior. 1798 als einer der drei für die Abtwürde in Betracht kommenden Kandidaten gewählt, wurde er vom König bestätigt und von Abt Konstantin Gloger von Heinrichau als Generalvikar des Ordens in sein Amt eingesetzt. Weihbischof Emanuel von Schimonsky infulierte ihn am 23. Juni 1799.

Abt Bernhard, »ein Mann von wahrer Gottesfurcht und tiefer Kenntnis der Schrift und der Kirchenväter«, scheint sein Amt gut versehen zu haben. Der Dichter Joseph von Eichendorff, der ihn 1810 in Pogrzebin im Haus seines zukünftigen Schwiegervaters Johann von Larisch getroffen hat, bezeichnet ihn in seinem Tagebuch als »guten Prälaten«. Gegen die Umwälzungen der napoleonischen Zeit konnte Abt Galbiers jedoch wenig ausrichten.

Ein schwerer Schlag traf das Stift, als am 20. August 1801 unvermutet das Raudener Klostergymnasium, an dem 247 Schüler unterrichtet wurden, und das Schullehrerseminar von der Regierung aufgehoben wurden. Bernhard Galbiers bemühte sich um die Wiederherstellung des »zerstörten Gymnasii« und konnte schließlich erreichen, dass die Regierung eine zweiklassige Bürgerschule erlaubte, die dann um zwei Klassen erweitert und später in ein förmliches Gymnasium mit sechs Lehrern umgewandelt wurde[1]

Erhebliche Kosten verursachte dem Kloster der Einfall der Franzosen. Die Lieferungen von Februar 1807 bis Oktober 1808 hatten einen Wert von 11.470 Talern. Das Lazarett, das die Franzosen in Rauden einrichteten, verursachte den Mönchen 24.000 Taler Kosten.

Der düsterste Tag im Leben des Abtes aber war der 26. November 1810, als der königliche Kommissar nach den Vespern dem versammelten Konvent das Aufhebungsdekret vorlas und der Abt sämtliche Insignien der Prälatenwürde, das Siegel, die Schlüssel der Kassen und des Archivs ausliefern musste. Der Kommissar verlangte vom ihm, er solle in pontificalibus, d. h. mit Mitra und Hirtenstab, zu dem Aufhebungsakt erscheinen. Der Abt lehnte das Ansinnen jedoch ab und erschien in seinem täglichen Ordensgewand. Als dem Kommissar die Prälatenkreuze überreicht worden waren, »erlaubte« er dem Abt, sich eines davon auszuwählen. Galbiers wählte das einfachste aus, worauf der Kommissar es ihm eigenhändig umhängte mit den Worten: »Zum äußerlichen Zeichen der Würde gebe ich Ihnen dieses Kreuz zurück, welches Sie tragen bis zum Tode. Se. Majestät der König erlaubt es Ihnen.« Abt Galbiers begab sich mit P. Alexius Kaffka nach Ratibor, wo er eine jährliche Pension von 1200 Reichstalern bezog. In Rauden blieben noch zehn ehemalige Konventualen, u.a. die Lehrer am Gymnasium, der Pfarrer und die Kapläne, bis sie auf Geheiß der königlichen Kommission das Kloster am 2. Juni 1813 ebenfalls verlassen mussten.

Bernhard Galbiers starb am 16. Juli 1819 im Alter von 71 Jahren und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in der Krypta der Raudener Marienkapelle beigesetzt.

gge

  1. 1816 wurde das Gymnasium nach Gleiwitz verlegt.

D:

Vest.: 22. Nov. 1771; Prof.: 8. Dez. 1772; Sac.: 16. Juli 1776; Primiz: 28. Juli 1776; Abbas: el. 10. Sep. 1798, conf. 19. Okt. 1798, inst. 13. Nov. 1798, ben. 23. Juni 1799.

L:

Nowack, Alfons: Die Priester der Zisterzienserabtei Rauden OS. 1682–1810 (1856) : 106 Lebensskizzen nach dem Handschriftlichen Catalogus des Stiftes. Breslau: Kommissionsverlag der Ostdeutschen Buchhandlung, 1935, S. 40–42.

Zitierempfehlung: Galbiers, Bernhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 23.8.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Galbiers,_Bernhard