Gamerith, Berthold

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Berthold Gamerith

Berthold Gamerith OCist

58. Abt von Zwettl

* 12. Dez. 1758 Altenburg, NÖ
† 28. Aug. 1834 Zistersdorf

Berthold Gamerith besuchte die Stiftsschule in Altenburg und studierte in Horn und Wien. 1782 in das Stift Zwettl eingetreten, war er Pfarrverweser von St. Wolfgang, ehe er am 5. Okt 1808 zum Abt gewählt und am 13. Okt. d. J. in St. Pölten infuliert (benediziert) wurde.

Seine ersten Amtsjahre fielen in die Zeit der napoleonischen Kriege. Mehrmals wurde das Stift von kaiserl. und franz. Truppen heimgesucht. Die durch die Einquartierungen verursachten Kosten wogen umso schwerer, als die Ernten der stiftlichen Weingüter (Nussdorf, Gobelsburg, Zwettl) nicht eingebracht werden konnten.

Abt Berthold ließ den alten Pfarrhof Zistersdorf verkaufen und das aufgehobene Franziskanerkloster Zistersdorf zum neuen Pfarrhof umbauen. Die Nikolaikirche wurde abgebrochen und die Franziskanerkirche zur Pfarrkirche erhoben. Hinzu kamen die Ablieferung des Kirchensilbers und der Verkauf des Stiftshofs in Wien, für den er eine Schuldverschreibung erhielt.

Trotz der angespannten Finanzlage verkaufte Abt Berthold Weingärten, kaufte ein Grundbuch in Hadersdorf und viele Bücher und Münzen, die er in der Stiftsbibliothek ausstellen ließ. Die Landwirtschaft des Stiftes vergrößerte er durch die Urbarmachung bisher wenig benutzter Gründe. In Gobelsburg ließ er einen Wein- und Obstgarten anlegen.

Da alle diese Ausgaben die Einkünfte des Klosters weit überstiegen, wurde Gamerith die alleinige Verantwortung für das Stift entzogen und ihm der Prior Benedikt Widhalm und der Kämmerer Anton Hanböck als Administratoren zur Seite gestellt. Nach der Visitation des Stiftes durch den St. Pöltener Bischof Frint im Juli 1828 zurückgetreten, lebte Gamerith bis 1833 im Stift Lilienfeld, dann mit Erlaubnis der Regierung des milderen Klimas wegen in Zistersdorf.

Nach seiner Absetzung kam das Stift unter Verwaltung, die dem Prior und Ruraldechanten P. Joseph Schmid übertragen wurde. Erst 1834 konnte mit Julius Hörweg wieder ein Abt gewählt werden.

gge


Daten:

Prof.: 15. Dez. 1782; Sac.: 1789; Abbas: el. 5. Okt. 1808, ben. 13. Okt. 1808.

Werke:

Von der Würde des Priesters und den Pflichten der Christen gegen die Priester. Predigt, gehalten bei der Primiz des P. Joseph Schmid, Cisterciensers im Stifte Zwettl. 1804. Wien, Druck von Schmid 1804 (Digitalisat) · Beschreibung des Bezirkes Zwettl V. 0. M. B., in: Verhandlungen der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft, 2. Bd., 1. Heft, Wien 1820.

Literatur:

Beiträge zur Geschichte der Cistercienser-Stifte. Wien : A. Hölder, 1891, S. 160f. (Stephan Rössler) · Johann von Frast: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. Das Decanat Groß-Gerungs und das Stift Zwettl (Wien 1838) S 185

Normdaten:

GND: 1057936731 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Gamerith, Berthold, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 5.12.2015, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gamerith,_Berthold