Gervaise, François-Armand

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

François-Armand Gervaise, Histoire générale de la réforme de l'Ordre de Cîteaux en France, Avignon 1746, Titelblatt

François-Armand Gervaise

3. Abt der reformierten Zisterzienserabtei La Trappe 1696–1698

* 1660 Paris
† 21. Sep. 1751 Talus-Saint-Prix, Marne

Armand Gervaise, Taufname François, wurde 1660 in Paris geboren. Sein Vater Nicolas Gervaise (c1610–1672) war der Leibarzt und Vertraute des 1661 in Ungnade gefallenen Finanzintendanten Nicolas Fouquet, sein Bruder Nicolas Gervaise (1662–1729), Bischof von Horrea i.p.i., wurde 1729 auf einer Missionsreise in Südamerika getötet. François Gervaise studierte bei den Jesuiten und trat um 1678 in den Orden der unbeschuhten Karmeliten ein, wo er als P. Agathange Philosophie und Theologie lehrte und als Prediger wirkte.

Als Prior von Grégy bei Meaux kam Gervaise in Kontakt mit Bischof Jacques Bossuet, der in der Nähe des Klosters sein Sommerhaus hatte. Mit ihm korrespondierte er auch noch in La Trappe. Zur Regelung von Ordensangelegenheiten schickten ihn seine Oberen nach Rom. Von dort zurückgekehrt, trat er in die von Armand-Jean Le Bouthillier de Rancé reformierte Zisterzienserabtei La Trappe ein, wo er am 25. September 1695 die Profess ablegte und zu Ehren Rancés Armand als Ordensnamen erhielt. Bald danach ernannte ihn Abt Zozime Foisil zum Novizenmeister, am 28. Dezember 1695 wurde er Prior. Seine theologische Bildung und sein monastischer Eifer (und wohl auch Bossuet) empfahlen ihn trotz seiner kurzen Professdauer Abt Rancé, der ihn König Ludwig XIV. als Nachfolger des am 3. März 1696 gestorbenen Zozime Foisil vorschlug. Die Ernennung durch den König erfolgte am 29. März 1996. Am 18. Oktober 1696 nahm Gervaise die Abtei in Besitz und wurde zwei Tage später von Bischof Savary von Sées benediziert.

Dom Gervaise regierte kurz und wenig glücklich. Nach Fisquet war er wegen seines „unruhigen und bizarren Charakters“ für das Leitungsamt nicht geeignet, nach Krailsheimer fehlten ihm lediglich die Weisheit Foisils und die Authorität Rancés. Fehlentscheidungen wie die versuchte Übernahme des Klosters l’Estrées bei Dreux führten zu Streitigkeiten über die zukünftige Ausrichtung der Abtei und Spaltungen im Konvent, denen weder der schwerkranke Rancé noch der führungsschwache Gervaise begegnen konnten. Intrigen von Rancés Sekretär Charles Maisne und dem Herzog von Saint-Simon, die den Abt nach außen kompromittierten, untergruben seine Autorität weiter. Im Juli 1696 schickte Dom Gervaise seine Resignation an den König, die aber nicht sofort akzeptiert wurde; im Oktober 1696 hatte er eine Unterredung mit Pére de La Chaise in Fontainebleau und schlug Jacques de La Cour als seinen Nachfolger vor. Als seine Demission im Dezember 1698 akzeptiert war, ging er im Juli 1699, begleitet von zwei Getreuen, dem Prior Jean-Baptise de La Cour und dem Prokurator, nach Clairvaux oder Longpont, wahrscheinlich, um sich von einem Nervenzusammenbruch zu erholen. Nachdem er von Kloster zu Kloster geirrt war, ließ ihn Staatsminister Maurepas auf Drängen des Abtes Andoche Pernot von Cîteaux schließlich am 20. Juli 1746 in Paris aufgreifen und verbannte ihn in die Abtei Notre-Dame-de-Reclus im Bistum Troyes, wo er am 21. September 1751 im Alter von 91 Jahren starb.

Nach seinem Austritt aus La Trappe hatte Armand-François Gervaise zahlreiche biographische und historische Werke, u.a. über Rancé und den Zisterzienserorden verfasst, die teilweise auch seiner eigenen Rechtfertigung dienten. Seine verzerrenden Darstellungen in der Histoire générale de la réforme de l'Ordre de Cîteaux en France (angeblich 1746 in Avignon erschienen, d.h. unter päpstlicher Souveränität, tatsächlich aber heimlich in Paris gedruckt) führten zu Verstimmungen in Cîteaux und schließlich zu seiner Verbannung. Graf Maurepas ließ die gedruckten Exemplare und sämtliche Manuskripte konfiszieren, darunter auch das Manuskript eines noch nicht erschienenen zweiten Bandes.[1] Mehrere Exemplare wurden später an renommierte Pariser Bibliotheken verteilt und blieben so erhalten.

Gervaises zweibändige Biographie Rancés blieb zu Lebzeiten ungedruckt, sie wurde erst 1866 von Louis Dubois herausgegeben (Histoire de l’Abbé de Rancé et de sa réforme, Paris 1866).

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  1. Das ledergebundene Manuskript wurde später von Sainte-Beuve erworben und kam nach dessen Tod 1869 in die Bibliothèque de la Société de l'Histoire du Protestantisme français in Paris (ms. 114).

Daten:

Prof.: 25. Sep. 1695; Abbas: ben. 20. Okt. 1696, res. Dez. 1698.

Werke:

Jugement critique, mais équitable, des vies de feu M. l'abbé de Rancé réformateur de l'abbaye de la Trappe, London 1742 · Histoire générale de la réforme de l'Ordre de Cîteaux en France, Avignon 1746 · Vie de M. de Rancé, abbé et réformateur de la Trappe (unveröffentlicht) · Werkverzeichnis.

Literatur:

New Catholic Encyclopedia, Detroit 2003 (L. Lekai) · Krailsheimer, Alban John: Armand-Jean de Rancé Abbot of La Trappe: His Influence in the Cloister and the World. Oxford : Oxford University Press, 1974, S. 55–57 · Lekai, Louis: The Unpublished Second Volume of Gervaise's „Histoire générale de la réforme de l'Ordre de Cîteaux en France“, in: Analecta Sacri ordinis Cisterciensis 17 (1961) S. 278–283 · Fisquet, M. H.: La France pontificale (Gallia Christiana): histoire chronologique et biographique des Archevêques et Evêques de tous les diocèses de France. Etienne Repos, 1864, S. 154–156 · Gaillardin, Casimir: Les Trappistes ou l ́Ordre de Citeaux au XIX siècle: Histoire de la Trappe depuis sa fondation jusqu ́a a nous jours, 1440–1844, Band 1. Paris: Comptoir des imprimeurs unis, 1844, S. 309ff. · L.D.B. [Louis Du Bois]: Histoire civile, religieuse et littéraire de l'abbaye de la Trappe. Paris: Raynal, 1824, S. 69.

Normdaten:

GND: 100578969 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Gervaise, François-Armand, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 29.4.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gervaise,_Fran%C3%A7ois-Armand