Gevard von Heisterbach

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gevard von Heisterbach

Gevard von Heisterbach

2. Abt des Klosters Heisterbach 1196–1208

† 15. Feb. 1208

Gevard war Kanoniker im Stift Mariengraden in Köln, bevor er in Himmerod in den Zisterzienserorden eintrat. Er gehörte zum Heisterbacher Gründungskonvent. Unter seiner Leitung wurde mit dem Bau der Abteikirche begonnen, die 1237 unter seinem Nachfolger Abt Heinrich I. vollendet wurde. Er genoss hohes Ansehen in kirchlichen Kreisen, denn er wurde 1199 im Streit um die Kölner Dompropstei von Papst Innozenz III. als Vermittler eingeschaltet. 1201 traf er mit dem päpstlichen Legaten Guido von Praeneste zusammen, der die Anerkennung Ottos von Braunschweig als deutscher König betreiben sollte. 1205 vermittelte er im päpstlichen Auftrag zwischen den Grafen von Sayn und denen von Landsberg.

Die Begegnung mit ihm war ausschlaggebend dafür, dass Caesarius von Heisterbach in das Heisterbacher Kloster eintrat (dial. 1,17): Als Caesarius 1198 zusammen mit ihm von Walberberg nach Köln unterwegs war, ermunterte dieser ihn eindringlich in den Orden einzutreten. Als er damit keinen Erfolg hatte, erzählte er ihm die Geschichte von einer wunderbaren Marienerscheinung in Clairvaux, die in den zisterziensischen Kreisen zirkulierte. Die Schilderung dieser Vision bewegte Caesarius dazu, dem Abt zu versprechen, nur in sein Kloster einzutreten, falls Gott ihm den Willen dazu gebe, ein Leben als Mönch zu führen. Drei Monate später erfüllte er sein Versprechen und trat in Heisterbach ein.

Bei der großen Hungersnot von 1197 versuchte Gevard mit allen Mitteln den Menschen zu helfen (dial. 4,65): An einem Tag wurden an die Armen, die vor der Klosterpforte warteten, 1500 Essensrationen ausgegeben.

Zusammen mit dem Gründungsabt Hermann und seinem Nachfolger Heinrich I. war Gevard maßgeblich für die frühe Blüte der Heisterbacher Abtei verantwortlich.

Horst Schneider


Quellen:

Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum – Dialog über die Wunder (hrsg. von H. Schneider und N. Nösges = FC 86/1–5), Turnhout 2009, passim.

Literatur:

Brunsch, Swen Holger: Das Zisterzienserkloster Heisterbach von seiner Gründung bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts (= Bonner Historische Forschungen 58), Siegburg 1998, passim. · Schneider, Horst: Heisterbach auf dem Höhepunkt: Die Weihe der Abteikirche am 18. Oktober 1237 (Festvortrag), Stiftung Abtei Heisterbach 2012.

Zitierempfehlung: Gevard von Heisterbach, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 15.12.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gevard_von_Heisterbach