Geyer, Dominicus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Dominicus Geyer

Dominicus Geyer

42. Abt des Klosters Grüssau 1696–1726

* 1. März 1662 Neisse, Fürstentum Neisse
† 5. Dez. 1726 Warmbrunn, Herzogtum Schweidnitz

Dominicus Geyer wurde am 1. März 1662 in der alten Bischofsstadt Neisse geboren und am folgenden Tag auf die Namen Matthias Franciscus Xaverius getauft. Seine Eltern waren der Schuhmachermeister Matthias Geyer († 28. März 1691) und dessen Ehefrau Maria († 7. Dez. 1692). Sein Bruder Heinrich wählte ebenfalls den geistlichen Stand, wurde Priester und war 47 Jahre Pfarrer in Giesmannsdorf, Kreis Bolkenhain, wo er am 25. Juli 1742 starb. Die Gymnasialstudien begann Geyer in Neisse und vollendete sie 1680 in Breslau. Mit 18 Jahren trat er im Spätsommer 1680 – obwohl Heinrichau oder Kamenz näher an seiner Heimatstadt gelegen hätten – unter Abt Bernhard Rosa in die Zisterzienserabtei Grüssau ein, wo er am 30. November 1680 als fr. Dominicus eingekleidet wurde und auf den Tag genau ein Jahr später die Profess ablegte. Nach dem philosophisch-theologischen Studium unter der Leitung des P. Thomas Thör († 1706) wurde er am 8. Juni 1686 in der St.-Jakobus-Kirche in Neisse zum Priester geweiht und feierte, nach den von Abt Rosa eingeführten Vorbereitungsexerzitien, am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) in Grüssau die Primiz.

Abt Bernhard ernannte den Neupriester zunächst zum Sakristan und Kirchenkustos. Nachdem P. Dominicus im Selbststudium seine theologischen Kenntnisse vertiefte hatte, wurde er Anfang 1689 zum Lektor der Philosophie und Theologie am Grüssauer Hausstudium ernannt. Im März 1689 ließ er sich in Breslau in die St. Thomasbruderschaft der Dominikaner aufnehmen. 1692 erhielt er dazu noch die Ämter eines Subpriors und Archivars und wurde von dem alternden Abt Bernhard auch immer wieder mit Verwaltungsaufgaben betraut. Mehrmals sandte ihn der Abt auf wichtige Geschäftsreisen und übertrug ihm die Oberaufsicht über den Neubau der Grüssauer St. Josephskirche. So auf die Verwaltung des Klosters vorbereitet, wurde er nach Abt Bernhards Tod († 1. Nov. 1696) am 22. November 1696 unter dem Vorsitz des Vaterabts Heinrich Kahlert von Heinrichau (selbst ein ehemaliger Grüssauer Professe) von den 55 wahlberechtigten Kapitularen im ersten Wahlgang einstimmig zum Abt gewählt (er selbst war der 56.). Wahlassistenten waren die Äbte Malachias Baguda von Himmelwitz und Augustin Neudeck von Kamenz. Als kaiserliche Kommissare waren erschienen der Landesälteste Hans Heinrich Freiherr von Nimptsch und der kaiserliche Rat und Landesdeputierte Hans Maximilian von Lilienthal auf Eisendorf. Auch der Königgrätzer Bischof Johann Franz Christoph von Talmberg hatte irrtümlich (Grüssau lag in der Diözese Breslau) und vergeblich Kommissare entsandt, die der Abtswahl präsidieren bzw. eine bereits vollzogene Wahl für ungültig erklären sollten.

Generalabt Nikolaus Larcher von Cîiteaux bestätigte den Neugewählten am 19. Februar 1697, Landeshauptmann Nimptsch nahm das Homagium, ohne das eine Einsetzung in die weltlichen Rechte nicht möglich war, erst am 16. Juni 1697 entgegen, nachdem er vorher vergeblich versucht hatte, eine Geldzahlung vom Kloster zu erpressen. Abt Dominicus schenkte nach dem vollzogenen Akt die Summe freiwillig den Schweidnitzer Jesuiten, deren Rektor Wenzel Hartmann ihn zum Dank zum Protektor der Studentenkongregation B.M.V. ab Angelo salutatae zu Schweidnitz ernannte. Die Abtsbenediktion empfing Abt Dominicus am Feste Mariä Namen, 15. September 1797, in der Stiftskirche des Grüssauer Mutterklosters Heinrichau von Abt Heinrich Kahlert – mit Ausnahmegenehmigung des Fürstbischofs Franz Ludwig, der gemäß der Vereinbarung zur Beendigung des Exemptionsstreits von 1677 das Recht dazu gehabt hätte, aber kein Priester war.[1] Am 5. Februar 1700 wurde Abt Dominicus von Kaiser Leopold I. zum kaiserlichen Rat und am 10. Oktober 1722 zum Vorsitzenden der Steuer-Rektifikationskommission (Steuerfestsetzungskommission) für die Fürstentümer Schweidnitz und Jauer ernannt.

Seine Regierungstätigkeit, die Abt Dominikus von vornherein unter den Schutz der Gottesmutter Maria gestellt hatte, fällt in die barocke Hochblüte der Abtei. Er übernahm das Stift in geordneten Verhältnissen. Trotz der großzügigen Bautätigkeit und geradezu verschwenderischen Almosen seines Vorgängers Bernhard Rosa fand er einen baren Kassenbestand von 30.190 Reichstalern vor, wozu noch Hypothekenbriefe im Wert von 26028 Reichstalern kamen. Die meisten Ökononomiegebäude waren neu erstellt, die Äcker im Vollertrag, der Viehstand mustergiiltig. Die geringen laufenden Schulden von 2580 Reichstalern zahlte der neue Abt im ersten Halbjahr ab. Mit Energie und Umsicht bewirtschaftete er das weite Klosterland, das er durch Zukäufe noch bedeutend vermehrte. Sein Bildnis in der Abteikirche trägt daher die ehrende Unterschrift Industria.

1703 erwarb er von den Freiherren von Zedlitz das verschuldete Bolkenhainer Burglehen mit den Dörfern Einsiedel, Giesmannsdorf, Hohenhelmsdorf, Ruhbank, Klein-Waltersdorf und Wiesau. Damit vergößerte er das Grüssauer Stiftsland auf 297 Quadratkilometer, ein Territorium so groß wie der einstige deutsche Bundesstaat Reuß jüngere Linie. Die verfallene Bolkoburg wurde bis 1715 vollständig renoviert und neu ausgestattet. In den zugehörigen Burgdörfern wurden neue Häuser errichtet, die günstig an Siedler vergeben wurden, außerdem weitere Mühlen, Kretschame u. a. In Ruhbank entstand ein herrschaftliches Schloss, in dem ein Pater als Verwalter der Bolkenhainer Gutsherrschaft residierte. Zahlreiche Kirchen und andere Gebäude und Bauwerke des Grüssauer Stiftslandes ließ er renovieren oder neu erbauen: 1699 wurde die Stadtpfarrkirche, 1725 das Rathauses in Liebau neu gebaut, 1701 ein neues Gerichtshaus in Schömberg errichtet, 1707 die „Apostelhäuser“ und 1717 der Brunnen auf dem Ring. Am St.-Anna-Berg bei Schömberg begann 1722 der Bau der St.-Anna-Kirche. 1707 wurde die St.-Laurentius-Kapelle auf der Schneekoppe renoviert, 1707 bis 1720 entstand in Wittgendorf die neue Pfarrkirche, in Altreichenau wurde 1703 mit dem Bau der St.-Nikolaus-Kirche begonnen, in Albendorf wurde 1711 bis 1722 die Pfarrkirche umgebaut, 1723 wurde in Ullersdorf beim Sommerschloss der Grüssauer Äbte die Vierzehnnothelfer-Kirche erweitert. 1703 wurden die unter Abt Bernhard Rosa errichteten Kapellen des Grüssauer Kreuzwegs, für den bereits 1682 das Andachtsbuch Grüssauer Passionsbuch gedruckt worden war, neu in Stein aufgebaut. In Schweidnitz ließ Abt Dominicus Geyer in den Jahren 1723 bis 1725 für die Grüssauer Äbte eine Stadtresidenz errichten, das sogenannte Grüssauer Haus oder „Stiftshof“. Die Residenz sollte ihm und seinen Nachfolgern während der Landtagssitzungen des Fürstentums Schweidnitz-Jauer als Stadtunterkunft dienen.

Die von seinem Vorgänger eingeführten Armenspeisungen führte Abt Dominicus in vollem Umfang weiter. Die von ihm geförderte St.-Josephs-Bruderschaft verzeichnete jährlich über 2000 neue Mitglieder aller Stände. Er achtete auf die Seelsorge und visitierte regelmäßig die Kirchen seines Stiftslandes. Während seiner Regierungszeit legten 46 Mönche die Profess ab. Er schaffte das Privateigentum der Mönche ab und achtete auf Glaubensstrenge sowie die Einhaltung der Ordensregeln.

Von einem Schlaganfall am 17. März 1723 erholte Abt Dominicus sich nicht mehr. Halbseitig gelähmt und sprachbehindert, blieb er auf Wunsch des Konvents und des Generalvikars Ludwig Bauch im Amt. Unterstützt wurde er von seinem Sekretär Benedikt Seidel sowie dem Prior Mathias Rösner. Als sich sein Zustand verschlechterte, begab er sich am 23. November 1726 zur Badekur in die Propstei Warmbrunn. Dort starb er am 5. Dezember 1726. Sein Leichnam wurde am 10. Dezember d. J. in der Grüssauer Klosterkirche beigesetzt, später in die neue Gruft übertragen. Zu seinem Nachfolger wurde sein Mitschüler und Jugendfreund Innozenz Fritsch gewählt.

gge, Juli 2018

  1. Zu diesem diplomatischen Erfolg beglückwünschte ihn Abt Ludwig Bauch von Leubus mit den Worten: „Er habe zwischen Thür und Angel, ohne eines Theils Bekränkung durchzudringen gewaget und klüglich den Ariadnefaden gefunden“ (Lutterotti). Generalabt Larcher hatte die Infulierung durch den Fürst- oder Weihbischof trotz der Vereinbarung von 1677 ausdrücklich verboten. Abt Dominicus stand in dieser Sache also buchstäblich zwischen Tür und Angel.

Daten:

Vest.: 30. Nov. 1680; Subdiac.: 27. Mai 1684; Diac.: 22. Sep. 1685; Prof.: 30. Nov. 1681; Sac.: 8. Juni 1686; Abbas: el. 22. Nov. 1696, ben. 15. Sep. 1797.

Literatur:

Rose, Ambrosius: Kloster Grüssau. Stuttgart: Theiss, 1974, S. 94–102 · Ders.: Profeßbuch von Grüssau: Leben und Wirken der Zisterzienser 1292–1810. Köln: Wienand, 1990, S. 57 · Lutterotti, Nikolaus: Abt Dominikus Geyer von Grüssau (1696–1726), in: Schlesisches Pastoralblatt, Nr. 9, Sep. 1926, S. 129−132; Nr. 10, Okt. 1926, S. 145–150; Nr. 11, Nov. 1926, S. 161–165.

Normdaten:

GND: 1082317845 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Geyer, Dominicus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 10.7.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Geyer,_Dominicus