Gillern, Dominica

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Dominica von Gillern

Dominica von Gillern

letzte Fürstäbtissin von Trebnitz 1789–1810

* 29. März 1739 Rettkau, Schlesien
† 17. Aug. 1810 Trebnitz [Trzebnica]

Dominica Freiin von Gillern, Taufname Anna Maria, wurde am 29. März 1739 in Rettkau [Retków], Kreis Glogau, dem Stammgut der Familie geboren. Sie nahm am 16. September 1754 im fürstlichen Zisterzienserinnenkloster Trebnitz das Ordenskleid und legte am 21. September 1755 im Beisein des Abtes Tobias Stusche von Leubus [Lubiąż] die Profess in die Hände der Fürstäbtissin Bernarda von Paczinski und Tenczin ab. Danach war sie Küchenmeisterin und acht Jahre Schafferin (Verwalterin). Aus diesem Amt wurde sie am 17. November 1789 in Gegenwart der Äbte Franziskus Großpietsch von Leubus und Petrus Keylich von Grüssau [Krzeszów] zur Äbtissin gewählt[1] und von König Friedrich Wilhelm II. mit Datum 5. Dezember 1789 ernannt und bestätigt. Am 13. Dezember 1789 wurde sie von Abt Franz Großpietsch als Generalvikar der schlesischen Ordensprovinz, Pater Immediat und Visitator perpetuus, feierlich benediziert und installiert.

Als Äbtissin und regierende Herrin übernahm Dominica von Gillern eine prosperierende Herrschaft, an deren gutem Zustand sie als langjährige Wirtschaftsverwalterin wohl ihren Anteil hatte, und ein personell gut ausgestattetes Kloster mit 26 größtenteils adligen Chorfrauen (sie selbst mitgerechnet) und fünf Laienschwestern. Die Äbtissin selbst zeichnete sich durch Klugheit und Menschenkenntnis aus. Dass sie eine unabhängige und führungsstarke Persönlichkeit war, zeigt sich u.a. daran, dass sie 1793 den langjährigen (und verdienstvollen) Stiftspropst P. Siegfried Kuschel († 15. Feb. 1802), mit dem es wohl schon während ihrer Zeit als Schafferin Reibereien gegeben hatte, von seinem Amt ablösen und durch P. Ambrosius Steiner ersetzen ließ. Während ihrer Regierungszeit erlebte das Stift Trebnitz seine letzte Blüte.

Nachdem König Friedrich Wilhelm II., der das Kloster im Mai 1794 besuchte, schon zu Beginn ihrer Regierung die Gelder zurückgezahlt hatte, die Äbtissin Kunigunde (reg. 1699–1705) an Kaiser Leopold I. zur Einlösung des Kreises Schwiebus gezahlt hatte (mit der königlichen Burg Schwiebus als Pfand), erwarb sie von dem Geld die große Herrschaft Groß-Zauche [Sucha Wielka] mit den Vorwerken Haltauf [Budczyce] und Oberkehle [Kałowice] im Kreis Trebnitz und das Gut Raake im Kreis Schwiebus [Świebodzin]. Unter der Leitung des neuen Propstes Ambrosius Steiner ließ sie 1793 bis 1803 herrschaftliche Schlösser (mit Nebengebäuden und Ställen) in Briesche [Brzezie] und Tarnast [Tarnowiec] und Herrenhäuser in Haltauf und Oberkehle bauen, in Zauche mehrere Wirtschaftsgebäude und in Frauenwaldau [Bukowice] eine große Kirche (Fertigstellung 1808). Dazu kamen weitere Gebäude auf den Stiftsgütern, Förstereien in den Walddörfern und die Kuratialwohnung und Schule in Schawoine [Zawonia]. Um die Verwaltung zu verbessern, ließ sie genaue Karten aller Stiftsgüter und Forstreviere anfertigen.

Nicht nur als Bauherrin hinterließ Äbtissin Dominica bleibende Spuren, auch als Wohltäterin trat sie in Erscheinung. 1794 ließ sie das verfallene Stadthospital für zwölf städtische Arme beider Konfessionen und das Klosterhospitel für zwölf arme Frauen von Grund auf neu erbauen und setzte die Mittel zur Finanzierung der Hospitaliterinnen aus. Französische Emigranten, die in den 1790er Jahren in großer Zahl durch Schlesien zogen, um sich in Polen und Russland ein Exil zu suchen, nahm sie gastfreundlich auf und zahlte jedem Priester ein Reisegeld. Als die Breslauer Franziskaner ihr Kloster St. Anton den Elisabethinerinnen abtreten mussten, schenkte sie ihnen tausend Reichstaler zum Bau eines neuen. Den selben Betrag gab sie als die Johanneskirche in Liegnitz für Pfarrgottesdienste eingerichtet wurde. Regelmäßig unterstützte sie arme, d.h. unbegüterte Klöster in Breslau (Elisabethinen, Ursulinen, Dominikanerinnen, die Jungfrauen auf dem Sande, Barmherzige Brüder, Franziskaner, Kapuziner)

1803 feierte sie das 600-jährige Stiftungsfest des Klosters (wozu sie eine silberne Gedenkmünze mit dem Bild der Klostergründern Hedwig prägen ließ) und am 22. September 1805 ihr Goldenes Professjubiläum mit Beteiligung vieler öffentlicher und kirchlicher Würdenträger. Das Pontifikalamt hielt Abt Gabriel Otto von Leubus in pontificalibus mit 13 konzelebrierenden Priestern. Die Messe selbst hatte der Kapellmeister Schnabel aus Breslau komponiert. Der Breslauer Weihbischof Emmanuel v. Schimonsky bezeugte ihr einige Tage später durch seinen Besuch seine Referenz.

Die letzten Lebensjahre der Äbtissin waren überschattet vom Krieg gegen Frankreich, der hohe kreditfinanzierte Abgaben und den Durchzug feindlicher Truppen, die auch ins Kloster einfielen, mit sich brachte. 1807 nahm der bayerische General von Beckers sein Hauptquartier in Trebnitz, wohnte beim Stiftskanzler und musste mitsamt seinen Stabsoffizieren vom Kloster verpflegt werden. 1808 kam ein französisches Regiment.

Dominica von Gillern starb am 17. August 1810, nach Empfang der Sterbesakramente und wenige Monate vor der Aufhebung des Stiftes durch die preußische Regierung. Sie war die letzte Fürstäbtissin und wurde als letzte Konventualin in der von ihrer Vorgängerin Margareta von Wostrowski geschaffenen Gruft der Trebnitzer Klosterkirche beigesetzt. Am 20. November 1810 erschien der Aufhebungskommissar im Kloster.

gge, Dezember 2016

  1. Dem König war ein Dreiervorschlag vorzulegen. Dominica von Gillern war die zweiterwählte. Ersterwählte war die Küchenmeisterin Dorothea von Kalinowsky, dritterwählte die Novizenmeisterin Ernesta von Jerin.

Daten:

Vest.: 16. Sep. 1754; Prof.: 21. Sep. 1755; Abbatissa: el. 17. Nov. 1789, ben. 13. Dez. 1789.

Literatur:

Schmidt, Karl August: Geschichte des Klosterstiftes Trebnitz, von dessen Begründung im Jahre 1203 bis auf unsere Zeit. Oppeln, Wilhelm Clar, 1853 · Lebensskizze der letzten Aebtissin Dominica, Freiin von Giller, in: Kastner, August (Hg.): Geschichte und Beschreibung des fürstlichen jungfräulichen Klosterstiftes Cistercienser Ordens in Trebnitz: aus den Stifts-Urkunden und anderen bewährten Schriften zusammengetragen von Aloysius Bach. Neisse: J. Graveur, 1859, Beilage 11.

Zitierempfehlung: Gillern, Dominica, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 31.3.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gillern,_Dominica