Granet, Léonce

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Léonce Granet

Léonce Granet OCist

Abt von Sénanque 1898–1919 und Lérins 1919–1928, Generalvikar der Kongregation von Sénanque 1923–1934

* 06. Okt. 1846 Roquemaure, Dép. Gard
08. Jan. 1934 Codalet, Pyrénées-Orientales

Marie-Léonce Granet, Taufname Raymond[1], geboren am 6. Oktober 1846 in Roquemaure bei Avignon, erhielt seine höhere Schulbildung am Collège Saint Stanislas in Nîmes, wo Raymond Abric, der spätere Abt der Zisterzienserabtei strengerer Observanz Aiguebelle, sein Mitschüler und Jean-Augustin Germain, der spätere Erzbischof von Toulouse, sein Präfekt war. Nach dem Abschluss der philosophischen Klassen bat er im Mai 1867 in dem von Bernard Barnouin gegründeten Zisterzienserkloster Sénanque um Aufnahme und wurde am 18. Juli 1867 als Novize fr. Marie-Léonce eingekleidet – zur selben Zeit wie sein Mitnovize, der spätere Abt Marie-Colomban Legros von Lérins (1888–1911). Da 1870 der Krieg mit Deutschland ausbrach und Priester gebraucht wurden, sorgte der mit allen nötigen Dispensen versehene Prior Barnouin dafür, dass Granet sehr schnell zum Subdiakon, Diakon und Priester geweiht wurde. Die letztere Weihe spendete ihm Bischof Meirieu von Digne am 27. Oktober 1870.

Nachdem Friedensschluss 1871 gehörte Granet zur ersten Gruppe von Zisterziensern, die auf die neu erworbene Insel Saint-Honorat vor Cannes geschickt wurde und dort das alte Kloster Lérins wiederbesiedelte. Dort blieb er aber nicht lange, sondern wurde nach Fontfroide versetzt, wo er 25 Jahre Cellerar des Priors Jean Léonard war. Auch unter Léonards Nachfolger François-Xavier Duc, erster Abt von Fontfroide und Generalvikar der Kongregation von Sénanque, blieb er in diesem Amt und wurde zusätzlich in den Kongregationsrat berufen. Nach dem frühen Tod des Abtes Polycarpe Porret von Sénanque im Mai 1898 zum Nachfolger gewählt, erhielt er am 26. August 1898 in Avignon die Benediktion.

1901 wurde die Abtei Sénanque – wie die meisten französischen Klöster – durch die französische Regierung aufgelöst und die Mönche vertrieben (Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat). Für den Konvent von Sénanque folgte bis 1918 eine Odyssée durch verschiedene Klöster, u.a. war Abt Granet in der Wäscherei des Klosters Hautecombe tätig oder vertrat während des Krieges den für einige Monate abwesenden Abt François-Xavier Duc im Kloster Notre-Dame-du-Suffrage bei Tárrega in Spanien (dorthin war der Konvent von Fontfroide geflohen). Sein großes Ziel blieb aber die Rückkehr nach Sénanque, was ihm schließlich 1917/18 auch gelang. Mit nur einem einzigen Mitbruder (die anderen Konventmitglieder waren verstorben oder nicht mehr zurückgekehrt) lebte er dort ca. zwei Jahre wie ein Einsiedler, bis er 1919 als Abt nach Lérins berufen wurde. Nach anfänglicher Ablehnung (er war 72) und auf Anordnung des Generalabtes Amadeus de Bie und des Generalvikars Duc trat er sein Amt am 2. August 1919 an.

Granets wichtigste Aufgabe in Lérins war die Wiederherstellung der klösterlichen Disziplin und die Wiederaufstockung des Konvents, die unter der zweijährigen Vakanz (Abt Patrice Lerond war 1917 in Brasilien gestorben) und den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges gelitten hatten. Beides gelang ihm vor allem durch sein persönliches Beispiel an Regeltreue; innerhalb weniger Jahre stand die Abtei wieder in Blüte. Es kam zu zahlreichen Neueintritten, von denen viele blieben und die Profess ablegten. Als Granet sein Amt im April 1928 niederlegte, bestand die Klostergemeinde aus 52 Mitgliedern (Chormönche, Konversen und Novizen). Nach dem Tod des Generalvikars Duc wurde er am 26. Mai 1923 zusätzlich zum Generalvikar der Kongregation von der unbefleckten Empfängnis gewählt.

Im April 1928 legte Granet 81-jährig sein Amt nieder und ging nach kurzem Aufenthalt in Sénanque in die Abtei Saint-Michel-de-Cuxa in den Pyrenäen, wo die Klostergemeinde von Fontfroide ein Unterkommen gefunden hatte. Am 4. April 1929 noch einmal zum Generalvikar wiedergewählt, starb er dort nach zweiwöchigem Krankenlager am 8. Januar 1934 „sans effort, sans violence“ und wurde zwei Tage später beigesetzt. Den Exequien stand der Erzbischof von Avignon vor, Gabriel-Roch de Llobet. Ebenfalls anwesend waren der Kapitelvikar von Perpignan (sede vakante) und Bischof von Torone i.p.i. Pierre Patau und die Zisterzienseräbte von Cuxa, François Causse, und Lérins, André Drilhon, Granets ehemaliger Prior.

gge, Jan. 2016

  1. Jüngerer Bruder des Archäologen Léonce Granet (1844–).

Daten:

Vest.: 18. Juli 1867; Sac.: 27. Okt. 1870; Abbas: el. Mai 1898, ben 26. Aug. 1898, res. 1928.

Literatur:

CistC 46 (1934), S. 125–129 (Nachruf) · ACi 51 (1995), S. 172.

Zitierempfehlung: Granet, Léonce, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 30.4.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Granet,_L%C3%A9once