Groß, Friedrich

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Friedrich Groß

Friedrich Groß

Abt des Klosters Bronnbach 1641–1647

* um 1610 Tauberbischofsheim
† 26. März 1656 Wertheim-Bronnbach

Georg Friedrich Groß aus Tauberbischofsheim empfing am 25. Mai 1630 als Konventuale der Zisterzienserabtei Bronnbach in Würzburg die Tonsur und die niederen Weihen. Bei der Auflösung des Konvents infolge des Dreißigjährigen Krieges 1631 floh er nach Süden und gelangte schließlich in die Zisterzienserabtei Heiligenkreuz bei Wien, deren Abt Christoph Schäfer ihm die Fortsetzung seiner Studien an der Wiener Universität ermöglichte, auch noch nach der Wiederherstellung Bronnbachs 1635.

1635 zum Doktor der Philosophie, am 24. Januar 1636 zum Baccalaureus der Theologie und am 20. Mai 1638 einstimmig zum Doktor der Theologie promoviert, wurde er von seinem Abt Johannes Tierlauf (reg. 1637–1641) umgehend in sein Professkloster zurückbeordert. Die Weihen zum Subdiakon (19. Feb. 1633), Diakon (17. Dez. 1633) und zum Priester (10. Juni 1634) hatte er durch den Wiener Weihbischof in der Schottenkirche erhalten. Dass er sich, vielleicht weil er die geforderte Taxe nicht zahlen konnte oder wollte, nicht als Mitglied in die theologische Fakultät aufnehmen ließ, wurde ihm von dieser sehr verübelt. Groß’ umfassende Ausbildung war wohl auch der Grund für seine Bekanntschaft und Freundschaft mit dem fast gleichaltrigen gelehrten spanischen Zisterzienser Juan Caramuel y Lobkowitz, der ihm einen Teil der 1646 in Frankfurt erschienenen zweiten Auflage seine Theologia regularis widmete. Auch mit dem Abt von Disibodenberg, Gaspar Jongelincx, gab es engere Kontakte. In Wien muss er auch dem wie er dort studierenden Langheimer Konventualen und späteren Abt Mauritius Knauer begegnet sein.

Spätestens 1639 nach Bronnbach zurückgekehrt, wurde Groß, nicht zuletzt wegen seiner Gelehrsamkeit, nach Abt Tierlaufs Tod 1641 als jüngster der sieben stimmberechtigten Mönche unter dem Vorsitz des Visitators, Abt Johann Pfister von Ebrach, und im Beisein Würzburger Kommissare zum Nachfolger gewählt. Die Benediktion fand am St. Bernhardsfest 1641 in Bronnbach statt und wurde im Auftrag des Fürstbischofs von Würzburg von Abt Valentin Hendinger von Bildhausen unter Assistenz der Prälaten Johann Eckhardt OSB von Neustadt am Main und Audomar Asloan von den Schotten zu Würzburg vorgenommen. Am nächsten Tag folgte die Huldigung der drei Dörfer Reichholzheim, Dörlesberg und Nassig.

Des Abtes nächste Sorge ging dahin, die Zahl der Konventualen durch Aufnahme brauchbarer Mitglieder zu vermehren und ihnen eine gründliche Ausbildung angedeihen zu lassen. Nur so konnten die der Abtei inkorporierten Pfarreien wieder von Konventsmitgliedern pastoriert werden. 1645 zählte der Konvent mit dem Abt bereits 16 Mitglieder, von denen drei in Würzburg Philosophie studierten. Um die würdige Feier des Gottesdienstes bemüht, ließ Abt Friedrich gleich bei seinem Amtsantritt den von den Schweden und Protestanten verwüsteten Chor der Abteikirche wiederherrichten und einen neuen Hochaltar aufstellen. In Bezug auf den Bronnbacher Hof in Würzburg verfügte er, dass fortan ein Kapitular der Abtei die Verwaltung leiten sollte und setzte – wohl 1645 – den aus dem Schweizer Exil zurückgekehrten Valentin Mammel dazu ein. Diese Veränderung geschah aus ökonomischen Gründen, aber auch damit die in Würzburg studierenden Kleriker eine Überwachung und Leitung hatten. Gleichwohl mischte sich die fürstbischöfliche Kanzlei auch in diese Angelegenheit ein und ließ den Abt am 21. November 1645 einen Revers ausstellen, mit dem er die fürstbischöfliche Überwachung seiner Maßnahmen anerkennen musste.

Verschiedene Anstände hatte der Abt mit säumigen Schuldnern, die ihren Verpflichtungen gegen das Kloster nicht nachkamen,und wegen der Jagd und Fischerei, deren sich Fremde bemächtigt hatten. Mehrmals musste er auch vor feindlichen Scharen nach Würzburg flüchten. Die Chronik berichtet von einem Überfall durch die Kaiserlichen, die am 20. Juni 1646 mit über 150 Reitern vor dem Kloster erschienen und anfingen, es mit Äxten aufzubrechen, aber von ins Kloster geflüchteten Reicholzheimer und Dörlesberger Untertanen vertrieben wurden.

Am 12. November 1647 trat Friedrich Groß – angesichts seiner bevorstehenden Absetzung durch die Ordensleitung – auf Drängen seines Konvents von seinem Amt zurück. Die Bronnbacher Überlieferung macht die Zeitumstände und die mangelnde Erfahrung des Abtes in wirtschaftlichen Angelegenheiten für sein Scheitern verantwortlich, jedoch geht es in der deswegen zwischen Generalvikar Abt Thomas Wunn von Salem und Abt Bernhard Gemelich von Stams um Groß’ Lebenswandel und Auseinandersetzungen zwischen ihm und dem Konvent, sodass Abt Bernhard ab September 1647 mit dem Ebracher Vaterabt Petrus Scherenberger wegen weiterer Maßnahmen korrespondierte. Da er seinem Nachfolger Valentin Mammel das Treuegelöbnis nicht ablegen wollte, verließ Groß – von der stabilitas, der Ortbeständigkeit, entbunden – die Abtei Bronnbach und reiste über Ebrach und Würzburg nach Stams (Ankunft 5. Januar 1648) und von dort nach Maulbronn, dessen Abt Bernardin Buchinger – von Groß einseitig informiert, wie er später behauptete – die Gelegenheit benutzte, um die alten Rechte der Mutterabtei Maulbronn gegenüber Bronnbach wieder einzufordern, jedoch ohne Erfolg.

Von Buchinger nicht als Professe in Maulbronn aufgenommen, kehrte Friedrich Groß nach Franken zurück und wurde – sicher auf Empfehlung des Ebracher Abtes Petrus Scherenberger – am 17. Februar 1648 von der geistlichen Regierung in Würzburg zum Pfarrer von Bischofsheim an der Rhön bestellt, trat aber die Stelle nicht an. Stattdessen erhielt er am 28. Februar 1648 die näher an Ebrach gelegene Pfarrei Schlüsselfeld, Reichmannsdorf, Elsendorf und Geiselwind. Nachdem diese aber von Kriegsvölkern ausgeplündert worden war, übernahm er im April 1648 doch die Pfarrei Bischofsheim, die er – nachdem es auch dort zu Auseinandersetzungen gekommen war – 1654 ebenfalls niederlegte.

Ende Oktober 1654 kehrte Friedrich Groß nach Bronnbach zurück, wo er am 26. März 1656 starb. Begraben wurde er in der Klosterkirche nicht neben den Äbten, sondern bei der Kanzel. Die Grabplatte rühmt ihn als doctissimis und sanctae theologiae doctor.

gge, Jan. 2020


Daten:

Subdiac.:19. Feb. 1633; Diac.: 17. Dez. 1633; Sac.: 10. Juni 1634; Abbas: el. 14. Mai 1641, ben. 20. Aug. 1641.

Literatur:

Scherg, Leonhard: Johannes Naubig, Friedrich Groß, Valentin Mammel und Nikolaus Hoffmann. Bronnbacher Mönche im 30jährigen Krieg, in: Wertheimer Jahrbuch (1997), S. 33–46 · Amrhein, August: Friedrich Gross, Abt von Bronnbach, nach seiner Resignation, in: Cistercienser Chronik 16 (1904), S. 353–356 · Müller, Gregor: Chronik des Klosters Bronnbach, in: Cistercienser Chronik 7 (1895), S. 1–9, 33–44, 65–77, 97–108, 129–141, 161–169, 193–203, 232–243, 266–279, 297–307, 334–343, 360-365, bes. 239–241.

Normdaten:

GND: 122909992 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Groß, Friedrich, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 13.1.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gro%C3%9F,_Friedrich