Gsell, Benedikt

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Benedikt Gsell

Benedikt Gsell OCist

Zisterzienser des Stiftes Heiligenkreuz; Historiograph, Hochschullehrer, Stiftshofmeister, Archivar

* 28. Jan. 1823 Wien
† 22. Mai 1901 Heiligenkreuz

Benedikt Gsell, Taufname Josef, wurde am 28. Jänner 1823 in Wien geboren. Er trat am 16. September 1842 in das Noviziat des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz ein, legte am 22. November 1846 die Profess ab und feierte am 1. August 1847 seine Primiz. Von 1848 bis 1852 lehrte er am klostereigenen Hausstudium (Institutum Theologicum) Altes Testament und orientalische Sprachen, von 1852 bis 1860 das Neues Testament. Am 3. Mai 1853 wurde er von der Universität Wien zum Doktor der Theologie promoviert.

Von 1854 bis 1855 war er Novizenmeister, von 1855 bis 1857 Abtsekretär, vom 15. Oktober 1855 bis 1. Dezember 1860 Bibliothekar und von 1857 bis 1860 Präfekt der Theologiestudenten. Im Dezember 1860 kam er als Verwalter an den Heiligenkreuzerhof in Wien, war dort für die Verwaltung des Stadthofes zuständig und betreute (bis zu seinem Tod) das Heiligenkreuzer Stiftsarchiv, das sich damals (bis 1904) in dem Gebäude befand. Er war Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien in den Jahren 1860 und 1884; am 11. März 1867 wurde er zum ständigen Notar der Fakultät gewählt.

Als Wegbereiter des Historismus und der Ordenserneuerung (Schachenmayr) nahm er an Zusammenkünften teil, die zur Wiederbelebung der österreichischen Zisterzienserkongregation führten und der Ordensentwicklung des darauffolgenden Jahrhunderts eine entscheidende Prägung gaben, wie etwa 1859 die Sitzung in Prag anlässlich der Visitation durch Kardinal Schwarzenberg und das Ordenskapitel 1869 in Rom. Die wissenschaftliche Begleitpublikation dazu war das Sammelwerk der Xenia Bernardina (5 Bände, Wien 1891), die Gsell zusammen mit Leopold Janauschek vom Stift Zwettl herausgab. Für dieses Werk erarbeitete er selbst ein Verzeichnis der Handschriften in der Bibliothek des Stiftes Heiligenkreuz und Beiträge zur Geschichte des Stiftes Heiligenkreuz. Auch der Beitrag über Heiligenkreuz in Sebastian Brunners Cisterzienserbuch (Würzburg 1881) stammt aus seiner Feder. Dazu kommen mehrere weitere Beiträge aus den stiftlichen Archiven.

Am 10. Februar 1874 wurde er von Papst Pius IX. zum Konsultor der vatikanischen Kongregation für die Ablässe und Reliquien ernannt und war in der Zeit des zweijährigen Interregnums nach dem Tod des Abtes Edmund Komáromy von 1877 bis 1879 Koadministrator des Stiftes. 1881 wurde er zum fürsterzbischöflich-geistlichen Rat ernannt. 1889 zeichnete ihn Papst Leo XIII. mit dem Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pontifice aus. Das Generalkapitel 1891 verlieh ihm (und Leopold Janauschek) den Titel eines Historiographus Ordinis. Der Kaiser verlieh ihm am 1. August 1892 das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens.

Er starb am 22. Mai 1901 in Heiligenkreuz, im Alter von 78 Jahren, an den Folgen eines im Sommer 1899 erlittenen Schlaganfalls.

gge, Nov. 2019


Daten:

Prof.: 22. Nov. 1846; Prim.: 1. Aug. 1847.

Werke:

s. Bibliographie.

Literatur:

Watzl, Florian: Die Cistercienser von Heiligenkreuz in chronologischer Reihenfolge nach den Quellen dargestellt. Styria, Graz 1898, Nr. 856, S. 235 f. · Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 305 · Cistercienser Chronik 13 (1901), S. 222–223 (Nachruf) · Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Band 2. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1959, S. 98 · Schachenmayr, Alkuin Volker: Prägende Professoren: in der Entwicklung des theologischen Lehrbetriebes im Cistercienserstift Heiligenkreuz von 1802 bis 2002. Langwaden: Bernardus Verlag, 2004, S. 256.

Normdaten:

GND: 129992054 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Gsell, Benedikt, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 15.11.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gsell,_Benedikt