Guillet, Urbain

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Urbain Guillet

Urbain Guillet OCSO

Zisterzienser der strengeren Observanz (»Trappist«); Begründer der Abtei Bellefontaine

* 13. Feb. 1764 Nantes
02. April 1817 Cholet

Urbain wurde am 13. Februar 1764 in Nantes als letzter der drei Söhne eines angesehenen und wohlhabenden Kaufmanns geboren. Sein Vater Ambroise-Augustin Guillet war Malteserritter, seine Mutter war Marie-Anne Lequellec. Am Tag nach seiner Geburt wurde er auf die Namen Urbain-Jacques-Marie getauft und wuchs in Frankreich ohne seine Eltern auf, die auf ihrer Plantage in der Karibik lebten. Seinen Vater lernte er niemals kennen, seine Mutter erst nach der Rückkehr aus den USA.

Nachdem er beim ersten Versuch wegen seiner schwachen Gesundheit abgelehnt worden war, wurde Guillet am 19. Närz 1786 in die Zisterzienserabtei strengerer Obervanz La Trappe aufgenommen, zunächst als Donatenbruder, am 14. August 1788 schließlich in das Chornoviziat, wo Augustin de Lestrange sein Novizenmeister war. Am 17. September 1789 legte er als letzter Novize vor der Französischen Revolution die Profess ab.

Nach der Aufhebung der Klöster durch die Revolutionsregierung 1790 ging er im Mai des folgenden Jahres mit einer Gruppe von 24 Mönchen unter der Führung Lestranges ins Exil nach La Valsainte in der Schweiz. Am 11. April 1794 empfing er aus der Hand des Bischofs Bernhard Emmanuel von Lenzburg OCist die Priesterweihe. Von einer einjährigen Erkundungsreise nach Ungarn (Nov. 1794–Okt. 1795) zurückgekehrt, wurde er 1796 Oberer des neuen Klosters Sembrancher im Kanton Wallis und mit dem Aufbau des Frauenkonvents am gleichen Ort beauftragt.

Als sich die französischen Revolutionstruppen 1798 der Schweizer Grenze näherten und die Lage in Valsainte und den von ihm abhängigen Häusern zu unsicher wurde, löste Abt Lestrange die Klöster auf und führte die Mönche, Nonnen, Lehrer und Kinder – insgesamt etwa 250 Personen – über Bayern, Österreich und Polen bis nach Russland, wo ihnen Zar Peter I. mehrere Häuser gab. Eines davon, Derman in Podolien, unterstellte Abt Lestrange P. Urbains Leitung. – Beim Zaren in Ungnade gefallen, mussten die Trappisten Russland im März 1800 wieder verlassen. Ein Teil von ihnen kam 1801 über Danzig, Lübeck und Hamburg ins Bistum Paderborn, wo Guillet als Superior des 3. Ordens zuständig für die rund 100 Kinder war, bis ihn Abt Lestrange im Mai 1803 als Führer einer 24köpfigen Gründungskolonie nach Amerika sandte.

Mehrfach versuchte Guillet in den nächsten Jahren, die Trappisten in der Neuen Welt anzusiedeln (Pigeon-Hill bei Baltimore; Casey-Creek, Louisville (Ky.); La Cantine, St. Louis), konnte aber nirgendwo wirklich Fuß fassen[1]. Auch der Ende Dezember 1813 persönlich nach Amerika gereiste Lestrange konnte daran nichts ändern und fasste schließlich den Entschluss, den Rest der Kolonie – viele Mönche waren inzwischen gestorben – nach Frankreich zurückzuführen, was Ende 1814 bis Mai 1815 in drei Etappen geschah.

Im Mai 1816 gelang es Guillet, die während der Revolution säkularisierten Reste der ehemaligen Feuillantenabtei Bellefontaine im Bistum Angers, unweit seiner Heimatstadt Nantes, zu erwerben und einen Konvent von ca. 15 Religiosen dort anzusiedeln. Er starb jedoch schon im folgenden Jahr im Krankenhaus von Cholet und wurde, da der Klosterfriedhof nicht mehr existierte, in der Kapelle Notre-Dame de Bon-Secours beigesetzt. 1898 wurden die Gebeine in die Abtei Bellefontaine umgebettet.

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  1. Eine erfolgreiche Gründung eines Trappistenklosters in den USA gelang erst 1848 mit dem heute noch bestehenden Kloster Gethsemani in Kentucky.

Genealogie:

V.: Ambroise-Augustin Guillet, Kaufmann; M.: Marie-Anne Lequellec († 21. Mai 1815); G.: zwei Brüder: Ambroise und Emmanuel.

Daten:

Vest.: 12. April 1786; Prof.: 17. Sep. 1789; Sac.: 11. April 1794 (Fribourg).

Lit.:

Vie du R.P. Dom Urbain Guillet, fondateur de la Trappe de Bellefontaine. Par un religieux de ce monastère (= P. Marie-Hermeland Bretonnière). La Chapelle-Montligeon, 1899 · Uzureau, F[rançois]: Le fondateur de la trappe de Bellefontaine, in: L'Anjou historique 17 (1916), S. 503–518 · Grandais, Serge: Abbaye de Bellefontaine 1000 ans d'histoire. Bégrolles-en-Mauges: Abbaye Bellefontaine/ARCCIS, 2004, S. 310ff.

Zitierempfehlung: Guillet, Urbain, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 4.12.2015, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Guillet,_Urbain