Gurowski, Melchior

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Melchior Gurowski

Melchior Gurowski

Abt von Clairlieu 1740–1768

† 15. Juli 1785[1]

Samuel-Melchior Gurowski, Sohn des Józef Gurowski und der Magdalena Chłapovska,[2] Religiose der Abtei Ląd (Lond) in Polen, wurde von König Stanislaus Leszczyński in dessen Eigenschaft als Herzog von Lothringen zum Regularabt der seit 1738 vakanten Abtei Clairlieu bei Nancy ernannt. Er hatte zwei Jahre Philosophie in Cîteaux studiert, dann Theologie am St. Bernhardskolleg in Paris. Die Benediktionerfolgte am 3. September 1741. Ende 1741 oder Anfang 1742 wurde er vom Papst auch zum Abt der polnischen Abtei Koronowo ernannt, die er durch einen Stellvertreter in Besitz nehmen ließ (Prokuration vom 15. Februar 1742).

Gurowskis Name erscheint in mehreren Urkunden der Abtei Clairlieu, um die er sich anders als die Kommendataräbte regelmäßig kümmerte. Am 6. August 1749 leitete er persönlich ein Kapitel der Religiosen, das den Schulbrüdern von Nancy eine Rente von 600 Livres tournois zusprach. Mehrere Pachtverträge von Abteigütern tragen seine Unterschrift. Aus unbekannten Gründen legte er seine Abtwürde nieder und König Stanislaus ernannte am 20. Juli 1750 den Prokurator Dom Marien zum Abt. Es scheint aber nicht zu diesem Amtswechsel gekommen zu sein, wie erhaltene Urkunden zeigen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Abtei waren in schlechtem Zustand. Der Abt hielt sich häufig am Hof in Lunéville auf. Der Visitator Claude Guyton, Mönch der Abtei Clairvaux, schätzte 1746 die Einkünfte der Abtei Clairlieu auf 15.000 Livres und beklagte, dass der Schuldenstand hoch sei, Abt „Goubersky“ für seine Hofhaltung aber eine vierspännige Kutsche und zwei Reitpferde unterhalte.[3]

Nach dem Tod des Königs Stanislaus 1766 konzelebrierte Gurowski mit dem Kardinal Choiseul den Trauergottesdienst in der Kathedrale von Nancy und ging dann mit der französischen Königin Maria Leszczyńska (Ehefrau Ludwigs XV. und Tochter des verstorbenen Königs Stanislaus) nach Versailles. Nach deren Tod 1768 verzichtete er endgültig auf die Abtei Clairlieu und verließ Frankreich, um sich den polnischen Abteien Koronowo und 0bra zu widmen.

gge, Aug. 2017, rev. Nov. 2018

  1. Boyé, Pierre: La Cour polonaise de Lunéville 1737–1766, in: Mémoires de la Société d'archéologie lorraine 66 (1926), S. 292.
  2. Boyé, Pierre: La Cour polonaise de Lunéville 1737–1766, in: Mémoires de la Société d'archéologie lorraine 66 (1926), S. 137.
  3. Barthélémy, Edouard de: Visite de Dom Guyton dans les abbayes de Lorraine en 1746, in: Bulletin de la Société d'Archéologie Lorraine, 1887, S. 197–219 („il y a beaucoup de debtes  ; l'abbé néanmoins a carrosse à quatre beaux chevaux et deux de main ; il figure.“)

Daten:

Abbas: ben. 3. Sep. 1741, res. 1768.

Literatur:

Gaber, Stéphane: Alexandre-Melchior Gurowski, avant-dernier abbé de Clairlieu, 1740–1768, in: Villers-lès-Nancy au fil des temps 2 (1980), S. 57–62 · Ders.: L’entourage polonais de Stanislas Leszczynski à Lunéville, 1737–1766. Histoire. Université Nancy 2, 1972 (Dissertation).

Zitierempfehlung: Gurowski, Melchior, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 25.11.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gurowski,_Melchior