Melchior Hölderle
Abt des Zisterzienserstiftes Goldenkron 1592–1608
† 17. Mai 1608
Melchior Hölderle oder Helderle, aus Krumau gebürtig, war ein Bruder des Matthias Hölderle, ab 1617 Primator der Stadt Krumau, der sich vor allem während des böhmischen Ständeaufstandes 1618 verdient machte, wofür er von Kaiser Ferdinand II. mit dem Adelstitel „von Schattenberg“ belohnt wurde, außerdem mit einer Goldkette und dem Recht, ein eigenes Wappen zu führen, das noch heute an der Schottermühle (Hammermühle) in Höritz im Böhmerwald [Hořice na Šumavě] zu sehen ist.
Er hatte Philosophie in Rom und Prag studiert und war Weltpriester in Krumau und Höritz. Wilhelm von Rosenberg bestellte ihn 1579 zum Verwalter der Zisterzienserabtei Goldenkron [Zlatá Koruna]. Zur Betreuung der Seelsorge und Durchführung der Messstiftungen nahm Hölderle zwei Weltgeistliche als Kapläne zu sich. Während der Krankheit Wilhelms von Rosenberg († 31. Aug. 1592) zwang ihn 1590(?) der Generalvikar der böhmischen Ordensprovinz, Antonius Flamingk, Abt von Königsaal, den Zisterzienserhabit anzunehmen. Erst dann wurde er am 7. Februar 1592 in aller Form zum Abt gewählt. Generalabt Edmond de La Croix von Cîteaux bestätigte ihn mit Datum 18. August 1593.
Hölderle ließ das Prälaturgebäude (die Abtwohnung) renovieren, samt der darin befindlichen Abtkapelle, und noch andere Renovierungen durchführen, u.a. das Refektorium.
Er starb am 17. Mai 1608. Am 19. Mai nahmen Beamte aus Krumau eine eingehende Bestandsaufnahme vor. Die detaillierte Aufstellung umfasst auch Bücher, Musikalien und Musikinstrumente sowie den genauen Standort, an dem sich die jeweiligen Gegenstände befanden. Zur Musiksammlung gehören nicht nur Gesangsbücher, sondern auch moderne mehrstimmige Musik mit einem beträchtlichen Anteil an weltlichen Kompositionen.
Aus der Liste der vorhandenen Baumaterialien am Ende von Hölderles Amtszeit kann man annehmen, dass eine umfassende Rekonstruktion des Klosters geplant war; außerdem soll Abt Hölderle die Rückzahlung der Hälfte der 3.000 Złoty für die Instandsetzung des Klosters verlangt haben, die das Kloster einst der Stadt Cáhlov [Freistadt] geliehen hatte. Nach Valentin Schönbeck, der die andere Hälfte des Geldes von der Stadt eintrieb, ist unklar, wofür Hölderle das Geld verwendete.
Höderles Grabplatte ist in Goldenkron bis heute erhalten, im von seinem Nachfolger Valentin Schönbeck errichteten Kleinen Konvent.
gge, Juni 2026
Daten:
Abbas: el. 7. Feb. 1592.Literatur:
Pangerl, Mathias: Urkundenbuch des ehemaligen Cistercienserstiftes Goldkron in Böhmen (= Fontes rerum Austriacarum: Diplomataria et acta. Zweite Abtheilung, Band 37). Wien: K. Gerold's Sohn, 1872 · Schullerbauer Franz: Die Aebte des Cisterzienserstiftes Goldenkron. Mit kurzen geschichtlichen Anmerkungen. Selbstverlag, Goldenkron 1911, S. 8 · Tadra, Ferdinand: Regesten zur Geschichte des Cistercienserstiftes Goldenkron 1560–1660, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 13 (1892), S. 13ff. · Zahradník, Pavel: Zlatá Koruna (stavebně-historický průzkum, historická část), uloženo v archivu NPÚ v Českých Budějovicích, inv. č. 5967 (1987), S. 21–23.Vorlage:Page.name: HÖLDERLE, Melchior OCist – Biographia Cisterciensis
