Hövell, Isabella

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Isabella von Hövell

Isabella von Hövell

Äbtissin des Klosters Rulle 1726–1763

* 1696/97 Westerflier
† 17. Feb. 1763 Rulle, Gem. Wallenhorst

Maria Anna Isabella von Hövell stammte aus einem weitverzweigten, usprünglich aus Vreden stammenden Zweig eines Adelsgeschlechts, der nach der Reformation in die Niederlande gekommen war, und dort noch heute blüht. Sie wurde 1696 oder 1697 auf dem Familiengut Westerflier bei Diepenheim (Overijssel) als Tochter des Gutsherrn Johann von Hövell[1] und seiner Frau Eva Gertrud von Monsbroek geboren, die sie, da dort ein Platz für eine Scholarin frei war, zur Ausbildung und Erziehung in die Zisterzienserinnenabtei Rulle gaben.

Nachdem ihre Vorgängerin Hedwig Sydonie von Schwencke 1726 nach 22-jähriger Regierung gestorben war, wurde sie am 26. August 1726 unter dem Vorsitz des Abtes und Weihbischofs Ferdinand Oesterhoff von Marienfeld, vorher Beichtvater in Rulle, zur Äbtissin und Domina gewählt und im September von Abt Oesterhoff benediziert und installiert.

Ihre erste Aufgabe als Äbtissin war der Wiederaufbau der im Mai 1726 bis auf die Grundmauern niedergebrannten Haster Mühle. Trotz zahlreicher Spenden und der finanziellen Beteiligung anderer Klöster (Marienfeld, Clarholz, Hardehausen, Corvey) wurde die Wiederherstellung zu einer großen finanziellen Anstrengung. Die dafür aufgenommenen Kredite kamen noch bei der erzbischöflichen Visitation 1787 zur Sprache. Nachdem die Mühle wieder in Betrieb gesetzt war, ließ Äbtissin von Hövell das marode Konventhaus (Schwesternhaus) mit Material aus dem nahegelegenen Steinbruch komplett neu erbauen. In den Kellerräumen befanden sich neben den Vorratskammern die Bäckerei und die Brauerei. Das prachtvolle spätbarocke Gebäude mit reicher Ausstattung wurde nach vierzehnjähriger Bauzeit 1741 fertiggestellt und von Abt Florentius Reinking eingeweiht. Nach der Säkularisation wurde es abgebrochen. Das über dem Hauptportal angebrachte Wappenbild befindet sich heute am Marienbrunnen.

Außer ihrem Wirken im Inneren wusste die Äbtissin auch nach außen zu repräsentieren. Zusätzlich zu den vorhandenen Kutschen ließ sie eine dritte, einen offenen Jagdwagen, anschaffen. Der Kutscher Franz erhielt eine neue Livree aus blauem Tuch. Zu den nahegelegenen Zisterzienserinnenklöstern Bersenbrück, Gravenhorst, Rengering und Kentrup pflegte sie gute Beziehungen, ebenso zu den Benediktinerinnen in Malgarten, Oesede und Gertrudenberg und den Stiftsdamen in Schildesche bei Bielefeld. Vornehme Gäste wurden im barocken Festsaal bewirtet, für den 24 Stühle und die gesamte Ausstattung angeschafft wurden. Nicht vergessen wurde dabei die soziale Tätigkeit, wie die Rechnungsbücher zeigen. Regelmäßig wurden Brot und Lebensmittel an die Bedürftigen verteilt und mehrere Waisenkinder unterhalten. Mehrfach waren Äbtissin und Konventualinnen auch als Taufpaten in der Umgebung gefragt.

Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) besetzte ein englisches Dragonerkorps das Kloster und seine Ländereien, beschlagnahmte die Ernte, vernichtete die Felder und presste die Bauern aus. Äbtissin und Konvent gerieten dadurch in so große Not, dass sie sich hilfesuchend an den Generalvikar wenden mussten. Isabella von Hövell starb am 17. Februar 1763, zwei Tage nach dem Hubertusburger Frieden. Ihr Grabstein ist verschollen. Erhalten aus ihrer Regierungszeit sind mehrere von ihr beauftragte Ölgemälde, darunter auch ihr eigenes Portrait im Pfarrhaus Rulle. Sie war die zwölfte Äbtissin nach der Klostereform und die 22. seit der Gründung. Das Nekrologium nennt sie Wohltäterin und Erbauerin des Konventhauses. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Eleonora von Honstedt gewählt.

gge, Juni 2018

  1. Seine Schwester Johanna Maria von Hövell war Äbtissin im Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst.

Daten:

Abbatissa: el. 26. Aug. 1726, ben. Sep. 1726.

Literatur:

Lorenz-Flake, Wilma: Kloster Rulle und seine Äbtissinnen. Wallenhorst: Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft für die Geschichte der Gemeinde Wallenhorst, 1980, S. 117ff.

Zitierempfehlung: Hövell, Isabella, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 12.6.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/H%C3%B6vell,_Isabella