Hackel, Ulrich

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Ulrich Hackel

Ulrich Hackel

Abt des Zisterzienserstiftes Zwettl 1586–1607

* 01. Okt. 1551 Wien
† 25. Nov. 1607 Wien

Herkunft und Ausbildung

Ulrich Hackel (oder Hackl) wurde am 1. Oktober 1551 in Wien als Sohn wohlhabender protestantischer Eltern geboren, die ihm zwei Weinberge und eine Geldsumme hinterlassen konnten. Seinen Bruder Christoph überlebte er um sechs Jahre. Im protestantischen Glauben aufgewachsen, konvertierte Hackel – seinem lebenslangen Freund und Mentor, dem späteren Erzbischof und Kardinal Melchior Khlesl folgend – erst im Erwachsenenalter zum Katholizismus. Dazu angeleitet hatten ihn seine Lehrer, die Jesuiten, denen er sein Leben lang dankbar blieb. Nach dem Theologiestudium im päpstlichen Alumnat in Wien wurde er am 22. Dezember 1577 zum Priester geweiht und feierte am 6. Jänner 1578 in der Jesuitenkirche in Wien seine Primiz.

Propst von Zwettl

Nach der Priesterweihe erhielt er ein Kanonikat bei St. Stephan und wurde am 23. August 1579 zusätzlich Pfarrer am Wiener Bürgerspital. Am 18. September 1581 erhielt er, wohl auf Betreiben Khlesls, durch erzherzogliches Dekret die erledigte Propstei zum hlst. Erlöser in Zwettl (Installation 29. September). In dieser Funktion war er nicht nur Stadtpfarrer von Zwettl, sondern als Landdechant auch für die damals 76 Pfarrer des Dekanats im oberen Waldviertel zuständig. In den sieben Jahren seiner Tätigkeit dort versuchte er erfolgreich die Auswirkungen der Reformation (Konkubinat der Pfarrherren, evangelische Prädikanten, nur noch zehn Prozent der Bevölkerung war katholisch) zurückzudrängen. 1583 übertrug ihm der Passauer Offizial die Durchführung der katholischen Restauration in seinem Distrikt.

Abt von Zwettl

Als Abt Johann Rueff 1586 von der Abtei Zwettl nach Heiligenkreuz versetzt wurde, setzte Erzherzog Ernst mit Dekret vom 4. April 1586 Ulrich Hackel als dessen Nachfolger ein. Da Hackel kein Zisterzienser, nicht einmal ein Ordensmann war, protestierte der Konvent gegen den aufgezwungenen Abt, musste sich aber schließlich dem Willen des Landesherrn unterwerfen. Am 20. Juni 1586 leisteten die Mönche dem neuen Abt das Homagium. Da aber der Konvent ihm nur mit der Klausel „unbeschadet der Privilegien und Statuten des Ordens“ (salvo tamen ordine nostro et illaesis privilegiis nostris) Gehorsam gelobt hatte und seine Stellung wegen der unkanonischen Ernennung unsicher war, absolvierte Abt Hackel bei seinem Prior Johann Zehetner ein einjähriges Noviziat. Am 21. Februar 1588 legte er in Heiligenkreuz das Ordensgelübde in die Hände des Abtes Rueff ab und wurde noch am selben Tag vom Passauer Weihbischof Hektor Wegmann infuliert. Der 1595 von den Hugenotten aus Cîteaux vertriebene und nach Wien geflüchtete Generalabt Edmond de La Croix bestätigte ihn im August 1595 nochmals und dispensierte ihn von aller Irregularität.

Schon bald nach seinem Amtsantritt machte sich Abt Hackel daran, sein Kloster im Sinne der Reformstatuten von 1581 zu reformieren. Sein Vorgänger Rueff hatte die zisterziensischen Gebräuche weitgehend abgeschafft, die Mönche den Benediktinerhabit tragen lassen, den Choralgesang durch weltliche Sänger und die Klosterbeamten durch Laien ersetzt. Die Mönche waren auf auswärtige Pfarrstellen versetzt worden, weshalb im Stift selbst nur sehr wenige Religiosen lebten. Alle diese Veränderungen musste Abt Hackel mit der tatkräftigen Hilfe seines Priors Zehetner (er selbst war wegen seiner zahlreichen politischen Verpflichtungen oft vom Kloster abwesend) wieder rückgängig machen. Auch nahm er wieder Novizen auf. Sehr viele Konflikte hatte er in langwierigen Prozessen mit dem benachbarten protestantischen Adel auszufechten, der unter Berufung auf die sog. Assekuranz Kaiser Maximilians II. von 1571 immer wieder versuchte, sich die Stiftspfarreien, ihre Kirchen und Altargeräte, anzueignen und lutherische Prädikanten einzusetzen. Zum Beispiel wurde die Marienwallfahrt Maria Rafingsberg in der Pfarre Windigsteig 1586 unrechtmäßig einem protestantischen Prediger übergeben, der das Heiligtum den Wallfahrern verschloss. Hackel beendete – mit der Hilfe Khlesls und Kaiser Rudolfs – den seit 1583 währenden Streit mit dem Freiherrn Christoph von Prag, der die zur Pfarre Schönau gehörende Filialkirche St. Wolfgang an sich gerissen hatte. Trotzdem blieb die Kirche noch bis 1617 im Besitz des Freiherrn.

Trotz der enorm hohen Kriegslasten bemühte sich Abt Hackel, die von seinen Vorgängern verpfändeten Stiftsgüter einzulösen und die verkauften Häuser zurückzukaufen. Auch für Zukäufe reichten die Mittel. Im Stift und auf den Außenstellen ließ er neue Gebäude errichten, größtenteils Nutzbauten wie z.B. die Klostermühle mit Säge (die 1599 abbrannte und wiederaufgebaut wurde). Der Gästetrakt wurde aufgestockt und die Prälatur mit Turm erbaut, 1594 eine Schule errichtet. Zahlreiche bedürftige Klöster (und die Jesuiten) unterstützte er mit bedeutenden Geldsummen.

Generalvikar und Visitator

Umfangreicher noch als Hackels Wirken im Dienst seines Stiftes und der Gegenreformation war seine Tätigkeit als Generalvikar und Visitator des Zisterzienserordens in Österreich (später auch noch für Steiermark, Kärnten, Krain und Kroatien), zu dem er auf dem Provinzkapitel im Kloster Fürstenfeld 1590 ernannt wurde. In dieser Funktion hatte er ständige Kämpfe mit dem Klosterrat auszutragen, der versuchte, mit Repressalien Herrschaft über die Klöster auszuüben und sich in einer Art „antizipiertem Josephinimus“ (Riedl) an ihrem Eigentum zu bereichern. Hackels Biograph Hermann Riedl charakterisiert daher diese Tätigkeit als „die schwerste Bürde seines Lebens“ (Riedl S. 58). Gegen unfähige und unwillige Mitäbte musste er vorgehen (wie z.B. Abt Michael Angerer von Baumgartenberg) und verhindern, dass Klöster (Rein, Engelszell) dem Orden entrissen wurden, wie es mit einigen Frauenklöstern geschehen war (Ybbs 1556 und St. Bernhard im Poigreich bei Horn 1586). Mehrmals versuchte Hackel vergeblich wegen der endlosen Streitereien mit der Regierung und seinen Mitäbten (v.a. Abt Matthias Gülger von Rein), teilweise auch fehlender Rückendeckung durch den Generalabt, das Generalvikariat niederzulegen.

Öffentliche Ämter

Viel Zeit und Aufmerksamkeit (und häufige Abwesenheit vom Kloster) forderte die politische Tätigkeit Ulrich Hackels. Er lebte daher meist ihn Wien, Tür an Tür mit seinem Mentor Melchior Khlesl. Schon während seines Noviziats war er zum Vertreter des Prälatenstandes bei den niederösterreichischen Landständen und zum Präsidenten des ständischen Rechnungskollegiums gewählt worden, hatte das letztere Amt aber als nicht mit dem Noviziat vereinbar abgelehnt. Sieben Jahre war er Landschafts-Raitherr und nahm 1594 am Reichstag in Regensburg teil. 1596 als erster Prälat einstimmig zum Kriegsrat gewählt, nahm er häufig an Sitzungen zur Landesverteidigung teil, legte dieses Amt aber nach einem Jahr wieder nieder. 1596 wurde er zum niederösterreichischen Regimentsrat ernannt und blieb es elf Jahre bis zu seinem Tod 1607. 1597 erhielt er einen Sitz auf der Herrenbank. Außerdem war er Prätor (Amtsverwalter) der Stadt Wien. Erzherzog Matthias ernannte ihn 1598 per Hofdekret zum Statthalter von Niederösterreich. In diesem Amt blieb Hackel neun Jahre und wurde immer wieder auch zu kleineren politischen Aufgaben herangezogen. Im niederösterreichischen Bauernkrieg 1597 war er Kommissär, außerdem Präsident und Inspekteur der österreichischen Feldlazarette.

Das Ende

Hackels Tod ereignete sich auf unwürdige Weise. Am Festtag des hl. Leopold (15. November 1607) hielt er in Gegenwart des Hofes das Hochamt in Klosterneuburg und fuhr abends nach Wien zurück. Bei Nussdorf holten ihn Georg Freiherr von Kollonitz und der Malteserkomtur Johann von Sedlitz zu Pferde ein. „Vom Trunke erhitzt“ hielten sie Hackels Wagen an, zwangen den Abt zum Aussteigen und überhäuften ihn mit Schmähungen. Sedlitz setzte ihm sogar eine Pistole an die Brust und drängte ihn ans Donauufer, wurde aber von seinem Kumpanen von Schlimmerem abgehalten. Nur mit Mühe konnte Hackel sich in den Zwettler Hof in Nussdorf flüchten, wo er am 25. November 1607 starb. Sein Leichnam wurde bei den Schotten eingesegnet, mit einem pompösen Trauerzug nach Zwettl überführt und dort beigesetzt. Sein Grabdenkmal aus rotem Marmor hatte er sich schon zu Lebzeiten anfertigen lassen.

Obwohl auf unkanonische Weise ins Amt gekommen, war Ulrich Hackel ein Glücksgriff für das Stift Zwettl. Rastlos kämpfte er gegen die Auswirkungen der Reformation und die Übergriffe staatskirchlicher Behörden auf die Zisterzienserklöster. Intelligent, durchsetzungsstark, arbeitsam und zu politischer Tätigkeit befähigt, genoss er das Vertrauen seiner Mitbrüder und des Landesfürsten. Das Stift hinterließ er schuldenfrei. Sein Privatvermögen hatte er Bedürftigen vermacht und so dem Zugriff des Staates entzogen. Sein Nachfolger wurde der Abt von Säusenstein, Johann Neuner.

gge, Aug. 2017


Daten:

Sac.: 22. Dez. 1577; Abbas: nom. 4. April 1586, inst. 24. April 1586, ben. 21. Feb. 1588; Prof.: 21. Feb. 1588.

Literatur:

Riedl, Hermann: Ulrich Hackel, Abt zu Zwettl. Ein Prälat der Gegenreformation. Dissertation, Innsbruck 1935 · Zeißberg, Heinrich von: Hackel, Ulrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie Band 10, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 293 f. · Frast, Johann: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. 16. Das Decanat Groß-Grungs und das Stift Zwetl, Wien 1838, S. 117–128 · Linck, Bernhard: Annales Austrio-Clara-Vallenses, tomus secundus. Viennae Austriae: Typis Wolffgangi Schwendimann Universit. Typographi, 1725.

Zitierempfehlung: Hackel, Ulrich, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 8.8.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Hackel,_Ulrich