Hartmann, Josef

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Josef Hartmann

Josef Hartmann

Abt des Zisterzienserklosters Bronnbach 1699–1724

* 17. Jhdt. Grünsfeld
† 19. Dez. 1724 Wertheim-Bronnbach

Josef Hartmann stammte wie sein Vorgänger Franziskus Wundert aus Grünsfeld. Vor seiner Wahl zum Abt am 19. September 1699 war er Prior gewesen. Nach der Bestätigung durch den Fürstbischof und den Ordensgeneral erteilte ihm ersterer, Johann Philipp von Greifenklau, am Sonntag den 23. Mai 1700 in der Klosterkirche zu Bronnbach feierlich die Benediktion. Abt Benedikt Knittel von Schöntal, der mit dem Prälaten von Oberzell Assistent gewesen war, berichtet in seiner Chronik, dass der Fürstbischof ein Gefolge von 250 Personen mitgebracht habe, was dem Kloster ungeheure Auslagen verursacht haben muss.

Abt Josef trat sein Amt unter sehr günstigen Umständen an. Vor allem war die Klosterkasse gut gefüllt, was ihm ermöglichte, verschiedene Neubauten in Angriff zu nehmen und Renovationen in Kloster und Kirche auszuführen. Er ließ zunächst das Krankenhaus, dann das Sommerrefektorium, das Gebäude für die verschiedenen Handwerker mit darunterliegendem Weinkeller und ein neues Gasthaus bei der äußeren Pforte errichten. Das Innere der Kirche ließ er renovieren und einen neuen Hochaltar und vier Nebenaltäre aufstellen, die er am 22. April 1703 konsekrierte. Ebenso waren die Pfarrkirchen in Reicholzheim und Dörlesberg (Neubau 1721–1722) Gegenstand seiner Fürsorge. An der nördlichen Berglehne, in der Nähe der äußeren Klosterpforte, ließ er einen Weingarten anlegen und nannte ihn Josefsberg. Dass die Baulust des Prälaten große Summen verschlang, fand nicht den ungeteilten Beifall des Konventes; Bemerkungen, Tadel und Vorwürfe wurden laut.

Abt Josef war aber nicht nur unternehmender Bauherr, sondern auch ein eifriger Förderer der Wissenschaft. Den Begabteren seiner Konventualen gewährte er Zeit und Mittel zu einer fundierten theologischen Ausbildung; drei (darunter sein Nachfolger Engelbert Schäffner) erwarben an der Würzburger Universität den Doktorgrad.

Die Rechte des Klosters suchte der Abt nach allen Seiten hin zu wahren, in den meisten Fällen erfolgreich. Aus den Jahren 1717, 1718 und 1723 liegen zwei Mandate und ein Urteil in Sachen Bronnbachs, des Gesamthauses Löwenstein und der Gemeinde Höhfeld vor, Gemarkung und Schaftrieb betreffend. Von Erwerbungen weiß der Chronist nur zu berichten, dass 1711 der sog. Trunkzehnt zu Euerhausen erworben und 1716 durch Andreas Weber die halbe Ebenmühle für Bronnbach gekauft wurde.

Aus Benedikt Knittels Chronik ist zu entnehmen, dass Abt Josef 1702 nach Schöntal kam und dort am Fest des hl. Johannes Baptist das Pontifikalamt hielt und am anderen Tag der Primiz des dortigen Konventualen Dominicus Emerich beiwohnte.

Mit der Fürstenfamilie Löwenstein scheint er im Ganzen freundschaftliche Beziehungen unterhalten zu haben. 1710 war er aus Anlass der feierlichen Beisetzung des Herzens des verstorbenen Grafen Max Carl Anton in Wertheim und 1712 bei den Exequien für die verstorbene Fürstin Maria Polyxena, bei welcher Gelegenheit die „Klostermusik“ (!) besonders erwähnt wurde. Gegen Ende Mai 1717 kam Abt Stephan Jung von Salem, der im Auftrag des Ordensgenerals alle Klöster der Oberdeutschen Kongregation visitierte, nach Bronnbach. Vom Personalstand des Konvents im Jahr 1720 gibt die Idea Chrono-Topographica Congreg. per Superiorem Germaniam Auskunft, nach deren Angabe er 31 Priester und 7 Fratres, darunter einen Oblaten, zählte. Laienbrüder hatte Bronnbach um diese Zeit keine.

Abt Joseph starb am 19. Dezember 1724 infolge einer Kopfverletzung, die er sich durch einen Fall von der Treppe (oder dem Gerüst) des Neubaues zugezogen hatte und wurde in der Kirche beigesetzt.

gge, Jan. 2020


Daten:

Abbas: el. 19. Sep. 1699, ben. 23. Mai 1700.

Literatur:

Müller, Gregor: Chronik des Klosters Bronnbach, in: Cistercienser Chronik 7 (1895), S. 1–9, 33–44, 65–77, 97–108, 129–141, 161–169, 193–203, 232–243, 266–279, 297–307, 334–343, 360-365, bes. 271–272.

Zitierempfehlung: Hartmann, Josef, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 11.1.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Hartmann,_Josef