Hatzfeld, Peter

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Petrus von Hatzfeld

Peter von Hatzfeld

48. und letzter Abt des Klosters Marienfeld 1794–1803

~ 08. Sep. 1748 Münster
† 24. April 1823 Rheda

Peter von Hatzfeld, Taufname Franz Wilhelm Hunold Maria, wurde 1748 als jüngster der drei Söhne des Gografen Dr. iur. utr. Ferdinand Caspar von Hatzfeld und seiner Frau Maria Bernardina Lohn in Münster geboren und am 8. September 1748 in der St. Ludgerikirche getauft. Sein ältester Bruder Paul trat in das Zisterzienserkloster Marienfeld ein, wurde Beichtvater im Kloster Rulle und 1800 Dechant in Harsewinkel. Der zweitältere Bruder Christoph Anton war Quästor (Amtsrentmeister) in Stromberg (Oelde). Alle drei Brüder waren Neffen des Abtes Bernhard Estinghausen.

Hatzfeld trat 1766 in die Zisterzienserabtei Marienfeld ein. Am 13. Juni 1772 erhielt er die Priesterweihe und wurde am 21. August 1779 zum Küchenmeister bestellt. Abt Stephan Pöttken ernannte ihn am 3. November 1785 zum Beichtvater des Klosters Bersenbrück, das 1787 von der Regierung aufgelöst wurde. Hatzfeld kehrte deshalb nach Marienfeld zurück. Nach der Resignation seines Vorgängers Stephan Pöttken wurde er am 7. Oktober 1794 unter dem Vorsitz des Vaterabtes Hermann Braun von Hardehausen zum 48. und letzten Abt von Marienfeld gewählt und am 26. Juli 1795 in der Klosterkirche, weil der münstersche Weihbischof Wilhelm d’Alhaus verstorben war, von dem in Münster exilierten französischen Bischof Louis-Charles du Plessis d’Argentré von Limoges benediziert.[1] Assistenten waren die Äbte Ludger Zurstraßen OSB von Liesborn und Omer de Schodt OCist von Clairmarais in Nordfrankreich. Vorausgegangen waren Anfechtungen der Wahl durch den Kurfürsten und Bischof Max Franz von Österreich, der die Wahl dann aber doch bestätigte.

Abt Petrus ließ 1796 verschiedene bauliche Verbesserungen in Marienfeld vornehmen, die zum Teil mit erheblichen Kosten verbunden waren. Er ließ die Orgel ausbessern und erweitern und anstelle des aus der Kirche entfernten Apostelgangs zwei Altäre aufstellen, die Weihbischof Droste im Oktober weihte. Auch die Luttermühle bei Harsewinkel ließ er instandsetzen. 1796 verkaufte er den Marienfelder Hof in Münster, dessen Instandhaltung zu teuer war, und 1797 das von Abt Johann Stades 1672 als Zuflucht erbaute Haus in Warendorf an die Franziskaner. Im Juli 1795 starben der resignierte Abt Pöttken im Kloster Rengering und die dortige Äbtissin Leopoldina von Wendland. Abt Hatzfeld reiste nach Rengering und leitete die kanonische Wahl der neuen Äbtissin Maria Anna von Grewingen. Am 6. Mai 1795 nahm er in Münster an der Weihe dreier Bischöfe teil.[2]

Insgesamt zwölf aus Frankreich vertriebene Zisterzienser fanden, wie Abt Petrus selber berichtet, zu dieser Zeit in Marienfeld Unterkunft, darunter auch die Nonne Agnes La Rouge, die in das Kloster Benninghausen weiterzog. Dazu kam im Oktober 1794 der geflüchtete Abt des Klosters Düsseltal, Josef Portsch, dem später sein ganzer Konvent folgte. Er durfte jedoch nicht bleiben. Die Chronik berichtet weiterhin, dass während Hatzfelds Amtszeit im November 1794 zehn Trappistenmönche aus der Diözese Antwerpen (Westmalle) Zuflucht im Kloster gesucht haben, die wegen ihres asketischen Lebenswandels bestaunt und bewundert wurden. Diese Trappisten blieben ein Jahr und brachen am 9. November 1795 „in Form einer regelrechten Prozession“ nach Darfeld auf. Von Marienfeld aus brachen der Prior Arsène Durand und zwei Begleiter nach England auf, um dort das Kloster Lulworth zu gründen. An Pfingsten 1795 legten die Novizen Étienne Malmy und Marie-Bernard Benoît in der Klosterkirche vor Eugène de Laprade die Profess ab. Neben diesen Ordensleuten nahmen nach der französischen Besetzung der Niederlande auch unzählige Offiziere mit ihrem Tross Quartier im Kloster, die Hatzfeld in seiner Chronik namentlich aufführt

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss teilte die Königlich-Preußische Regierung dem Marienfelder Konvent am 21. März 1803 die Aufhebung des Klosters mit, die am 29. März 1803 vollzogen wurde. Abt Petrus verließ Marienfeld mit 5.000 Gulden Pension zu seinem Bruder Christoph Anton nach Stromberg. Er starb am 24. April 1823 auf Haus Bosfeld bei Rheda und wurde in Rheda beigesetzt (nach Kohl in Herzebrock). Er hinterließ eine handschriftliche Chronik in lateinischer Sprache, umfassend die Jahre 1794 bis 1815, die sich heute in der Hl.-Kreuz-Pfarrei in Stromberg befindet. Darin berichtet er ausführlich von der Aufhebung der Klöster Bersenbrück und Marienfeld und der Zeit danach.

gge, Jan. 2008, rev. Juni 2018

  1. Es war dies ein Verstoß gegen die Ordensregeln, geschah aber mit Zustimmung des Abtes Hermann Braun, der angesichts der Zeitumstände nicht mehr auf seinem Recht bestand.
  2. Fürstbischof Ferdinand von Lüninck von Corvey, Weihbischof Droste-Vischering(-Vorhelm) für Münster und Weihbischof von Gruben für Osnabrück.

Daten:

Vest.: 1. Nov. 1766; Sac.: 18. Juni 1772; Abbas: el. 7. Okt. 1794, ben. 26. Juli 1794.

Bibliographie:

Rudolf Böhmer; Paul Leidinger: Chroniken und Dokumente zur Geschichte der Zisterzienserabtei Marienfeld 1185–1803. Selbstverlag der Pfarrgemeinde, Marienfeld 1998 · Werland, Walter: Marienfelder Chronik: Zur Geschichte der Zisterzienserabtei und der Gemeinde Marienfeld. Herausgegeben im Auftrag der Gemeinde Marienfeld, Marienfeld 1968 · Wilhelm Krüsselmann: Pater Peter von Hatzfeld, der letzte Abt von Marienfeld und die von ihm geführte Chronik des Klosters und des Münsterlandes 1794–1815, in: Auf Roter Erde 8 (1932/33), S. 13–15, 23f., 31f., 34–37 · Germania Sacra, Dritte Folge 2: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 11. Die Zisterzienserabtei Marienfeld. Bearb. von Wilhelm Kohl. Berlin, New York, De Gruyter, 2010, S. 421–422.

Zitierempfehlung: Hatzfeld, Peter, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 30.6.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Hatzfeld,_Peter