Heinrich I. von Heisterbach

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Heinrich I. von Heisterbach

Heinrich I. von Heisterbach

3. Abt des Klosters Heisterbach 1208–1244

* 1175/80 Walberberg
† 11. Nov. 1244 Heisterbach

Heinrich stammte aus einer Ministerialenfamilie aus Walberberg bei Brühl, die ihm ein Kanonikat am Bonner Stift Sankt Cassius verschaffen konnte, das wahrscheinlich auch sein Studium in Paris ermöglichte. Gegen den Widerstand seiner Familie wurde er Novize in Heisterbach. Vor seiner Wahl zum Abt war er Prior in Heisterbach. Die Abtweihe fand unter ungünstigen Umständen statt, weil der zuständige Kölner Erzbischof Bruno nach seiner Freilassung aus einer ca. einjährigen Gefangenschaft noch nicht wieder in seinem Erzbistum eingetroffen war. Die Weihe wurde daher mit Einverständnis der Kölner Prioren vom Trierer Erzbischof Johann I. am 30. März 1208 (Palmsonntag) in Trier vollzogen.

Abt Heinrich war ein geistig interessierter Mönch und förderte nachhaltig das intellektuelle Niveau seines Klosters. Er muss die Gabe des Caesarius von Heisterbach, mit Menschen umgehen zu können, frühzeitig erkannt haben, denn er ernannte ihn zum Novizenmeister; außerdem nahm er ihn auf zahlreiche Reisen mit. Aber auch das schriftstellerische Talent des Caesarius förderte er nach Kräften. Mit seiner Erlaubnis verfasste Caesarius die meisten seiner Werke, auf seine Weisung gehen der Dialogus miraculorum, das bedeutendste Werk des Caesarius, und die Libri octo miraculorum zurück. Caesarius von Milendonk, der Abt in Prüm (1212–1215) gewesen war, fertigte in Heinrichs Abbatiat eine kommentierte Abschrift des Prümer Urbars aus dem 9. Jahrhundert an.

Auch in Ordensangelegenheiten zeigte Heinrich großes Engagement. So sandte er 1212 einen Gründungskonvent nach Marienstatt, um dort ein Kloster zu gründen, das heute noch existiert. Zu seinen Pflichten im Orden gehörte auch die Aufsicht über das neugegründete Tochterkloster und mehrere Heisterbach unterstellte Frauenklöster (Burbach, Burtscheid, Hoven, Schweinheim, Walberberg; in den Niederlanden Jesse, Nazareth und Sion; wahrscheinlich Gevelsberg und Mariengarten).

Papst Honorius III. beauftragte ihn 1223, an der Wahl des Kölner Domscholasters Oliver zum Bischof von Paderborn 1223 mitzuwirken; 1224 erhielt er den Auftrag, gemeinsam mit dem Bonner Scholaster Gerung mit der Kreuzzugspredigt in der Trierer Kirchenprovinz zu beginnen als Vorbereitung für den Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. Mit Friedrich II. traf Heinrich auch 1225 auf dem Hoftag in Frankfurt zusammen, um ihm zusammen mit Abt Gottfried von Altenberg die sterblichen Überreste des ermordeten Kölner Erzbischofs Engelbert I. zu überbringen und Anklage gegen dessen Mörder zu erheben. 1234 ist Heinrich wieder auf einem Hoftag in Frankfurt bezeugt, als Zeuge in einer Schutzurkunde für das Kloster Himmelthal sowie als Bürge für den der Ketzerei verdächtigten Grafen Heinrich III. von Sayn. 1236 trat Abt Heinrich erneut in Kontakt zu Kaiser Friedrich II., der sich in Wiesbaden aufhielt, um für Heisterbach den kaiserlichen Schutz zu erbitten.

Auch der Kirchen- und Klosterbau wurden unter seinem Abbatiat weitergeführt. Am 18. Oktober 1237 wurde die Abteikirche nach rund 35jähriger Bauzeit eingeweiht. Mit einer Länge von 88 Metern und einer Breite von 44 Metern wurde sie im Rheinland an Größe nur noch vom Kölner Dom übertroffen.

Die letzte Urkunde Heinrichs datiert aus dem Jahre 1244. Den Konvent leitete er 36 Jahre lang. Abt Heinrich war eine überragende Persönlichkeit. Durch seine klugen wirtschaftlichen Entscheidungen, sein hohes Ansehen in Politik und Kirche, seine Bautätigkeit und seine Förderung geistiger Interessen verhalf er der Abtei Heisterbach zu einer ersten Blütezeit, die sie so nie wieder erreichte.

In der (ehemaligen) Abteikirche des Zisterzienserklosters Waldsassen, die 1704 vollendet wurde, findet sich in der Ausmalung der Kuppel in einem Freskenzyklus nach Motiven aus dem Dialogus miraculorum des Caesarius von Heisterbach ein Fresko mit Abt Heinrich.

Horst Schneider


Quellen:

Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum – Dialog über die Wunder (hrsg. von H. Schneider und N. Nösges = FC 86/1–5), Turnhout 2009, passim.

Literatur:

Brunsch, Swen Holger: Das Zisterzienserkloster Heisterbach von seiner Gründung bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts (= Bonner Historische Forschungen 58), Siegburg 1998, passim. · Leutheußer-Holz, Sabine: Verbildlichung mittelalterlicher Zisterzienserspiritualität. Caesarius von Heisterbach und die Kuppelausmalung der ehemaligen Zisterzienser-Abteikirche Waldsassen: Zisterziensische Spiritualität. Theologische Grundlagen, funktionale Voraussetzungen und bildhafte Ausprägungen im Mittelalter. 1. Himmeroder Kolloquium (hrsg. von C. Kasper / K. Schreiner = SMGB.E 34), St. Ottilien 1994, 221f. 239. · Neininger, Falko: Abt Heinrich I. von Heisterbach: Gründung und frühe Blüte der Abtei Heisterbach. In: Kalckert, Georg: Abt Heinrich I. von Heisterbach: 1180–1244. (Hg.: Stiftung Abtei Heisterbach). Königswinter 1991. S. 2–25. · Schneider, Horst: Heisterbach auf dem Höhepunkt: Die Weihe der Abteikirche am 18. Oktober 1237 (Festvortrag), Stiftung Abtei Heisterbach 2012.

Normdaten:

GND: 13732586X · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Horst Schneider: Heinrich I. von Heisterbach, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 16.12.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Heinrich_I._von_Heisterbach