Hinterhölzl, Johann (IV.)

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Johann Baptist Hinterhölzl

Johann Baptist Hinterhölzl

Abt des Zisterzienserstiftes Wilhering 1734–1750

* 31. Aug. 1698 Zwettl an der Rodl, Oberösterreich
06. Feb. 1750 Wilhering, Oberösterreich

Johann Baptist IV. Hinterhölzl, Taufname Nikolaus, wurde am 31. August 1698 als Bürgerssohn in „Kurzenzwettl“ geboren und war ein Verwandter des Abtes Hilarius Sigmund. Er besuchte die höheren Schulen in Neuhaus (heute Jindřichův Hradec) und Krumau (Český Krumlov) im nahegelegenen Böhmen, wohin sein Vater, ein Gerber, vermutlich Handelsbeziehungen hatte. Nachdem er 1716 von Abt Hilarius als Novize im Zisterzienserstift Wilhering aufgenommen worden war, legte er am 1. November 1717 die feierliche Profess ab und feierte nach einem weiteren Studium in Linz am 24. Juni 1723, seinem Namenstag, seine erste Messe.

Nach ersten Seelsorgestellen in Zwettl, Oberneukirchen und Waxenberg wurde ihm das wichtige Amt eines Küchenmeisters übertragen. Am 1. Juni 1734 wurde er zum Abt gewählt und am 13. Juni 1734 infuliert. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt unternahm er eine Wallfahrt nach Maria Scharten, wo er der Marienstatue einen Ring an den Finger steckte.

Abt Johanns bedeutendstes Werk war die Ausgestaltung der von seinem Vorgänger Bonus Pemerl nach dem großen Brand vom 6. März 1733 wiederaufgebauten Abteikirche im Stil des Rokkoko. Dazu holte er bedeutende Künstler wie Martino und Bartholomeo Altomonte nach Wilhering. Unterbrochen wurde die Bautätigkeit durch den 1741 beginnenden Österreichischen Erbfolgekrieg, als bayerische Truppen unter dem Kurfürsten Karl Albrecht in Oberösterreich einfielen. Sie ließen die Abtei Wilhering unbehelligt; im Gegenteil meisterte Abt Johann die Situation mit so großem diplomatischen Geschick, dass er beschuldigt wurde, mit dem Feind im Einvernehmen zu stehen. Auch mit dem österreichischen Feldmarschall Khevenhüller, der Oberösterreich 1742 zurückeroberte und vom 7. bis 24 Januar im Stift sein Hauptquartier hatte, kam der Abt gut aus. Der von Stülz angegebene vertraute Briefwechsel mit dem Feldmarschall ist jedoch nicht erhalten. Am 28. Januar 1742 kam Franz Stephan von Lothringen, der spätere Kaiser Franz I., nach Wilhering und nahm ein Frühstück mit dem Abt ein. im folgenden Jahr ließ sich Maria Theresia in Linz persönlich huldigen.

Die Einquartierungen und Kriegsabgaben hatten die Stiftskasse sehr belastet, ebenso wie der (teilweise schon vor dem bayerischen Einfall erfolgte) Ankauf der Herrschaften Mühldorf, Mühllacken, Pesenbach, einiger Donauauen sowie des Kürnbergerwaldes; diese (kreditfinanzierten) Ankäufe legten aber zugleich die Grundlage des späteren wirtschaftlichen Wohlstandes.

Nach Kriegsende fuhr Abt Johann mit der Ausgestaltung der Abteikirche und dem Wiederaufbau des ebenfalls abgebrannten Abteigebäudes fort und ließ auch in den inkorporierten Pfarren größere und kleinere Baumaßnahmen durchführen. In Eidenberg, das als eine Art „Sommerfrische“ für den Wilheringer Konvent vorgesehen war, ließ er Kirche und Meierhof neu erbauen. An diesem Projekt plante der spätere Abt Alan Aichinger wesentlich mit.

Nach dem Tod des dortigen Abtes Pontius Widersperger 1736 musste Abt Johann auf kaiserliche Anordnung gemeinsam mit Abt Alexander Fixlmillner OSB von Kremsmünster die finanzielle Verwaltung der insolventen Zisterzienserabtei Baumgartenberg übernehmen. Die geistliche Leitung des Konvents übernahm Abt Johann alleine und wurde dazu vom Heiligenkreuzer Abt Robert Leeb für 40 Jahre mit den Vollmachten eines Vaterabtes augestattet. Nachdem das Kloster Baumgartenberg 1745 mit Hilarius Rizy wieder einen eigenen Abt hatte wählen können, gab Abt Johann seine Vollmachten vorzeitig zurück.

Abt Johann IV. Hinterhölz starb am 6. Februar 1750 in Wilhering. Zu seinem Nachfolger wurde am 6. April 1750 Raimund Schedelberger gewählt.

gge, Mai 2016


Daten:

Prof.: 1. Nov. 1717; Abbas: el. 1. Juni 1734, ben. 13. Juni 1734.

Literatur:

Stülz, Jodocus: Geschichte des Cistercienser-Klosters Wilhering. Wien: Haslinger, 1840, S. 356ff. · 750 Jahre Pfarre Zwettl an der Rodl. Geschichten rund um den Kirchturm. Vortrag von Abt Reinhold Dessl am 1. Oktober 2014 in Zwettl (PDF).

Zitierempfehlung: Hinterhölzl, Johann (IV.), in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 22.6.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Hinterh%C3%B6lzl,_Johann_(IV.)