Huebmann, Balthasar

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Balthasar Huebmann

Balthasar Huebmann

31. Abt des Zisterzienserstiftes Neuberg an der Mürz 1626–1663

† 30. Juni 1663

Balthasar Huebmann, ein Steirer aus Bruck an der Mur (Muraepontanus, Styrus) legte unter Abt Kaspar Seemiller die Profess ab (6. Jan. 1611) und wurde am 22. Dezember 1618 zum Priester geweiht. 1626 als Prior zum Abt gewählt, wurde er durch den Vaterabt Christoph Schäfer von Heiligenkreuz bestätigt und vom Generalvikar für die Steiermark, Abt Matthias Gülger von Rein, installiert und infuliert. Er war seit 56 Jahren der erste gebürtige Österreicher an der Spitze des Klosters.

In seine Amtszeit fällt neben dem Umbau und der Barockisierung des Refektoriums nach 1640 auch der 300. Gründungstag des Klosters 1626. Zu diesem Anlass ließ er von seinem Sekretär und späteren Nachfolger Pater Johannes Ludwig Holtz, eine lateinische Chronik (Chronicon Novi Montis) verfassen, die er dem Konvent widmete.

1641 begann Abt Balthasar mit dem Um- und Ausbau des alten Refektoriums, in das ein Gewölbe eingezogen wurde. Als man aber am 6. Juli 1641 das Gerüst entfernte, stürzte das Gewölbe ein und erschlug sechs Arbeiter; sieben wurden schwer verletzt. Daraufhin wurde das Gewölbe mit mehreren Stützsäulen erneuert und besteht bis heute.

Abt Balthasar war mild, rechtschaffen und ein Vater der Armen (Pius, probus, pater pauperum). Seine allzu große Nachgiebigkeit in der Klosterführung und die Entfremdung vom Konvent (er lebte fast ausschließlich in der Prälatur) wurde in den Visitationsberichten von Abt Michael Schnabel immer wieder bemängelt (1643, 1652, 1656). Die Ämterträger widersetzten sich seinen Anordnungen und der Prior hatte ebenfalls zu wenig Tatkraft und Durchsetzungvermögen. Eine Besserung der Verhältnisse zeigt das Visitationsprotokoll von 1656. Die Visitation 1662 ergab jedoch auch schwere Mängel in der wirtschaftlichen Verwaltung, sodass Vaterabt Klemens Scheffer seinen Sekretär P. Heinrich Liste als Prior nach Neuberg abordnete, der mit strengen Strafen die Disziplin der Mönche heben sollte.

Abt Balthasar starb nach 38-jähriger Regierung am letzten Junitag des Jahres 1663, um elf Uhr nachts.

gge, Nov. 2016


Daten:

Prof.: 6. Jan. 1611; Sac.: 22. Dez. 1618; prim.: 2. Feb. 1619; Abbas: 1626.

Literatur:

Pichler, Franz Sales: Die Habsburger Stiftung Cistercienser Abtei Neuberg in Steiermark, Wien 1884, S. 85 · Lindner, Pirmin: Monasticon metropolis Salzburgensis antiquae : Verzeichnisse aller Aebte und Pröpste der Klöster der alten Kirchenprovinz Salzburg. Salzburg: Anton Pustet, 1908, S. 87 · Schücker, Walter: Abt Klemens Scheffer von Heiligenkreuz als Vater Abt und Generalvikar der österreichischen Zisterzienserklöster. Theol. Diss. Wien 1941, S. 31–36 · Taubinger, Barbara: Das Refektorium im ehemaligen Zisterzienserstift Neuberg an der Mürz. Studien zur barocken Freskenausstattung, Diplomarbeit, Universität Wien, 2010 · Pickl, Othmar: Geschichte des Klosters und der Marktgemeinde Neuberg an der Mürz. Selbstverlag der Gemeinde Neuburg an der Mürz, 1996, S. 127–129.

Zitierempfehlung: Huebmann, Balthasar, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 5.4.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Huebmann,_Balthasar