Jongelinus, Gaspar

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Titelblatt der Notitiae Abbatiarum Ordinis Cistertiensis, Köln 1640

Gaspar Jongelinus

Jongelincx

Zisterzienserabt und Historiker; Pfarrer in Eisenstadt; Domkanoniker in Raab, Ungarn; bekannt v.a. durch seine Arbeiten zur Geschichte des Zisterzienserordens

* um 1605 Antwerpen
† 16. Juni 1669 ebd.

Gaspar Jongelincx (latinisiert Jongelinus) wurde um das Jahr 1605 in Antwerpen geboren und trat auch dort in den Zisterzienserorden ein. Später kam er in das Kloster Altenberg bei Köln und wurde bald darauf Doktor der Theologie. 1640 wurde er Abt der durch das Restitutionsedikt von 1629 wiederhergestellten Abtei Disibodenberg in der Rheinpfalz, überließ dieses Amt aber schon zwei Jahre später dem Spanier Juan Caramuel y Lobkowitz und wurde Abt des Klosters Eußerthal in der Rheinpfalz (Diözese Speyer). In diesem Amt blieb er, bis die Abtei 1648 durch den Westfälischen Frieden mit allen ihren Einkünften in den Besitz des lutherischen Kurfürsten von der Pfalz gelangte.

Um Jongelinus zu entschädigen, verlieh ihm Kaiser Ferdinand III. Benefizien in Ungarn und den Titel eines kaiserlichen Historiographen mit entsprechendem Jahresgehalt. Von 1650 bis 1659 war Jongelinus, als Nachfolger des zum Abt des Neuklosters berufenen Robert Notz, Stadtpfarrer in Eisenstadt. Der Raaber Bischof György Széchényi ernannte ihn 1659 zum Domherrn.

Neben seinen klösterlichen und geistlichen Pflichten ist Gaspar Jongelinus vor allem als Historiker hervorgetreten. Noch vor seiner Zeit in Ungarn erschienen sechs seiner Arbeiten in gedruckter Form, alle in lateinischer Sprache und in Folio gedruckt. Wohl aus Achtung vor seiner Gelehrsamkeit war selbst Erzherzog Sigismund von Österreich-Tirol bei der Wiederbesetzung der erledigten Abtswürde von Eußerthal zu Jongelinus' Gunsten zurückgetreten (ADB). In Ungarn beauftragte der Kunstmäzen Ferenc Nádasdy Jongelinus mit der Erstellung eines Verzeichnisses aller ungarischen Palatine und Obersten Landesrichter, das 1659 unter dem Titel Catalogus Palatinorum [et] Iudicium Regni Hungariae erschien. Das Titelblatt nennt Jongelinus als „Regni Hungariae Historiographus“.

Jongelinus' bedeutendstes Werk sind die zehnbändigen Notitiae abbatiarum Ordinis Cisterciensis per orbem universum (Köln 1640), in dem er den Ursprung und die Entwicklung der einzelnen Zisterzienserklöster darstellt. Außerdem verfasste er ein Verzeichnis aller Zisterzienser (Purpura divi Bernardi...), die in den Kardinalsrang erhoben oder zum Papst gewählt wurden.

Aus Alters- und Krankheitsgründen in seine Geburtsstadt Antwerpen zurückgekehrt, starb Jongelinus dort 1669 und wurde in der Kirche des Peter-Pots-Klosters (St. Salvator) beigesetzt. Dort befindet sich auch sein marmornes Epitaph.

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Werke:

Notitiae Abbatiarum Ordinis Cistertiensis per Orbem Universum, Libros X. Coloniae Agrippinae : Henning, 1640. · Origines ac Progressus Ordinis Cisterciensis Abbatiarum. o.O. 1641. · Origines et progressus abbatiarum ordinis Cisterciensis et equestrium militiarum de Calatrava, Alcantara, Avisy, Montesa, de Christo et SS. Mauritii et Lazarii, auctore Joncelino, Coloniae, 1641. · Purpura Divi Bernardi, Repraesentans Elogia et Insignia Gentilitia, tum Pontificum tum Cardinalium, nec non Archiepiscoporvm et Episcoporum qui Assumpti ex Ordine Cistertiensi in Sacra Romana Ecclesia floruerunt, Köln, 1644. · Catalogus Palatinorum [et] Iudicium ejusdem Regni, Frankfurt/M. 1659.

Literatur:

Franck, Jakob: Jongeling, Gaspar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 499–500. · Fazekas, István: Das Wirken katholischer Priester aus dem Alten Reich in der ungarischen Diözese Raab im 17. Jahrhundert. In: Bahlcke, Joachim et. al. (Hg.): Konfessionelle Pluralität als Herausforderung: Koexistenz und Konflikt in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Leipzig: Universitätsverlag, 2006, S. 489–505. · Dictionnaire des Auteurs Cisterciens. Rochefort, 1975–1977. · Académie Royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique: Biographie nationale. Bd 10. Bruxelles: Thiry, 1866–1938.

Normdaten:

GND: 124879632 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Jongelinus, Gaspar, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 26.8.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Jongelinus,_Gaspar