Jouaud, Jean

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Jean Jouaud

Jean Jouaud

Abt des Klosters Prières 1631–1673, Generalvikar der strengen Observanz

* 1601/02
† 6. Juni 1673 Paris

Jean Jouaud, gebürtig aus Rennes, legte 1623 in der Zisterzienserabtei Priéres in der Brétagne die Profess ab, die 1613 von dem Prior Bernard Carpentier reformiert worden war. Er war Subprior als er am 10. Februar 1631 vom König zum Abt ernannt wurde. Am 1. September 1631 wurde er von Bischof Sébastien de Rosmadec von Vannes feierlich installiert und benediziert. Unter seiner Führung entwickelte sich die Abtei zu einem der Zentren der strengen Observanz.

Er ließ in der Kirche eine neue große Orgel aufstellen und baute die Prälatur wieder auf. 1641 erhielt er von König Ludwig XIII. die Bestätigung der Güter und Privilegien der Abtei. 1653 hielt er sich zum letztenmal in Prières auf, danach residierte er nur noch im Collège Saint-Bernard in Paris. 1657 übergab er die Leitung der Abtei seinem Koadjutor Hervé du Terte, der ihm 1673 als Abt nachfolgte.

Jean Jouaud war eine der bedeutendsten Exponenten und eine der treibenden Kräfte der strengen Observanz in Frankreich. Er besetzte Schlüsselstellungen und hatte das Vertrauen hochrangiger Kirchenführer und des Königshofs, scheiterte im sog. Streit der Observanzen letztlich aber doch am Beharrungsvermögen der Reformgegner.

Eine wichtige Rolle spielte er in den turbulenten und entscheidenden Jahren 1634 und 1635, in denen er mit anderen Vertretern der strengen Observanz wie Étienne Maugier, Louis Quinet und Thomas Chenu zum engsten Beraterkreis des von Rom mit der Reform des Ordens beauftragten Kardinals La Rochefoucauld gehörte. Er empfahl dem Kardinal auch die handstreichartige Übernahme des Collège Saint-Bernard in Paris, die am 6. September 1635 geschah. Von Kardinal Rochefoucauld dort als provisorischer Oberer (Provisor) eingesetzt, leitete er das Kolleg bis zum Amtsantritt des Provisors Charles Bourgeois 1636. 1636 übernahm er dann die Stelle des Sekretärs für die Klöster im Kirchenrat des Kardinals Richelieu. Um diese wichtige Position halten zu können, lehnte er 1642 die Wahl zum Generalvikar der strengen Observanz ab. Statt seiner wurde Joseph Arnolfini gewählt, dem er als erster Assistent zur Seite stand.[1] 1637 übernahm er auf Anordnung des zum Generalabt postulierten Kardinals Richelieu die Leitung der Abtei Cîteaux, die er bis zur (endgültigen) Wahl des neuen Generalabtes Claude Vaussin, eines Vertreters der alten Observanz, 1645 behielt. Er selbst wurde von der Reformpartei zum Abt von Cîteaux gewählt, konnte sich aber gegen den von Rom gestützten Vaussin nicht durchsetzen und erkannte ihn schließlich 1647 als rechtmäßigen Generalabt an.

1656 redigierte Jouaud die Schrift Défense des reglemens faits par les cardinaux, archevesques et evesques pour la reformation de l’Ordre de Cisteauxs, 1659 wurde er zum Generalvikar der strengen Observanz gewählt. In dieser Funktion leitete er im August 1660 im Kloster Barbeau das Kapitel, dass die Statuten der strengen Observanz festlegte. 1663 traf er in Paris mit dem Kommendatarabt Armand-Jean de Rancé von La Trappe zusammen, dem er gestattete, ein Noviziat in Perseigne zu absolvieren und die Abtei La Trappe als Regularabt zu übernehmen. Im selben Jahr approbierte er die Schrift Du premier esprit de l’Ordre de Cîteaux des Abtes Julien Paris von Foucarmont, die eine Rückkehr zur ursprünglichen Observanz von Cîteaux befürwortete. 1664 leitete er im Bernhardskolleg in Paris eine Versammlung von Vertretern der strengen Observanz, die zwei Äbte nach Rom abordneten (Rancé und Dominique Georges), um (letztlich erfolglos) ihre Sache vor dem Papst zu vertreten. 1667 unterwarf sich Jouaud der apostolischen Konstitution In suprema Papst Alexanders VII von 1666 und legte sein Amt als Generalvikar nieder. 1670 bestätigte er die Wahl Jean Petits zum Abt von Cîteaux.

Er starb am 2. oder 6. Juni 1673[2], im 71. Lebensjahr, plötzlich im Bernhardskolleg in Paris. Sein Herz wurde nach Prières gebracht und dort beigesetzt.

gge, Jan./Feb. 2019

  1. Jouaud war schon seit 1634 zweiter Assistent des Generalvikars Étienne Maugier gewesen.
  2. Wahrscheinlicher ist nach Garda der 6. Juni, den schon Marc Hardy († 1710) in der Historia sacri et insignis monasterii B. Mariae de Precibus angibt.

Daten:

Abbas: 10. Feb. 1631, ben. 1. Sep. 1631.

Werke:

Défense des règlements faits par les cardinaux, archevêques et évêques pour la réformation de l'ordre de Cîteaux. Paris, 1656.

Literatur:

Garda, Claude: Profil biographique de Dom Jean Jouaud, in: Cîteaux - commentarii cistercienses 46 (1995), S.353–357 · Dictionnaire des Auteurs Cisterciens. - Rochefort , 1975-1977 · Abbé Tresvaux: L'église de Bretagne depuis ses commencements jusqu'à nos jours. Paris: Méquignon junior, 1839 · Michel-Joseph-Pierre Picot: Essai historique sur l'influence de la religion en France pendant le 17e siècle, ou tableau des établissements religieux fondés à cette époque, Band 2. Paris 1824.

Zitierempfehlung: Jouaud, Jean, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 25.2.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Jouaud,_Jean